das Fahrwerk ist genauso ungewöhnlich wie mir unbekannt. Ich vermute eine Eigenkonstruktion oder einen Bausatz. Die Lokomotive ist für 3 Leiter Betrieb konstruiert, wobei sie lediglich mit Pantographen betrieben werden kann. Das Dach ist aus Holz. Grüße Rainer
Hallo Rainer, zuerst mal, eine ganz tolle Maschine! Unschwer erkennbar sind die Treibräder von Märklin in unvernickelter Ausführung für die MS 800 (E 18) von 1948 - 1952 und das Märklin Relais 800 – 3 GP hergestellt 1950 – 1954. Den Motor kann ich leider nicht einordnen, aber der Feldmagnet kommt mir irgendwie bekannt vor. Die Schneckenwelle erinnert stark an Kleinbahn. Wenn die Maschine nur zwei Frontfenster hat, was man nicht zweifelsfrei auf dem ersten Bild erkennen kann, gehört sie zum österreichischen Baumuster der NK-Zeit. Aber österr. E 18 haben die Frontlampen etwas höher. Aufgrund des jüngsten für mich erkennbaren Ersatzteils, das Märklin Relais 800 - 3 GP 1950 - 1954, wäre eine evtl. Bauzeit in der ersten Hälfte der 1950er möglich. Das Messing Gehäuse trägt NK-Pantos der Märklin HS/RS 800. Ich vermute, dass die schräge Metallschiene über dem Relaisstern die Verbindung zur Oberleitungsaufnahme darstellt und auch die zentrale Verbindungslötstelle für die Maschine ist. Das Holzdach ist eine clevere Lösung des Erbauers, der Schwerpunkt der Maschine bleibt unten im FG und es dient gleichzeitig zur Isolation der Pantos zum Gehäuse und dadurch zur Masse. Ich vermute, dass die seitlichen Lüfterimitationen, das mittlere seitliche Typenschild und auch die vorderen Lampenringe aufgelötet sind, genauso die etwas tiefer eingelöteten Türen. Die ausgestanzten Fenster und Türen sind sehr sauber maschinell gemacht. Auffällig ist die einseitige, etwas höher angebrachte feststehende Vorlaufachse mit aus Messing gedrehten Rädern und auf der Rückseite das untere Messing Schutzblech für die Feldwicklung des Motors. Gut finde ich auch die beidseitigen freistehenden Kabelführungen beidseitig der langen Schneckenwelle um Kabel Verwicklungen mit der Welle zu vermeiden. Kann man diese Maschine auch in Gaggenau bewundern?
Lieber Hans-Gerd, der Feldmagnet ist keiner, hätte auch keinen Sinn bei dem Märklin-Umschalter für Wechselstrom. Es handelt sie um die Bleche der Statorspule, die unten verborgen sein muss. Grüße von elaphos
Anbei ein paar zusätzliche Detailfotos Wie elaphos richtig gesehen hat, handelt es sich bei dem Motor um einen Wechselstrommotor mit stehender Statorspule.
Die Frontansicht zeigt drei Fenster, wie Hans-Gerd richtig erkannt hat, sind alle Details des Aufbaus aufwendig auf- oder eingelötet.
Das Dach ist vollständig aus Holz, unter dem Aufbau ist ein Draht durchgeführt, welcher die beiden Pantographen verbindet.
Als letztes noch ein Bild des Rahmenfahrwerks von oben.
Ich dachte spontan auch erst an einen Sperl Bausatz, in meinem Katalog vom Dez 1947 ist aber keine E 18 erwähnt. Laut den Infos auf Das kleine Bahnmuseum hat Sperl bis 1955 produziert. Leider liegen mir keine weiteren Kataloge vor. Allerdings hatte Sperl diesen Materialmix Messingaufbauten mit Holzdächern.
Ich bringe die Lok auf jedenfall nach Gaggenau mit.
Nun kommt der Laie. Irgendwie habe ich so eine Lokomotive schon mal gesehen. Kann es sich bei dem Motor um einen sogenannten Wehrmachtmotor vom Ende der 1940er Jahre handeln (zu klein , oder ?) ? Die wurden bei Sperl und auch bei Göls verbaut. Meine bis 1952, oder 1955. Selbst Liliput und Klein(bahn) haben die bis 1950, oder so "um den Dreh", genutzt. Angeblich eine kurze Zeit auch bei Piko. Die Firma Klein(bahn) auch aus Österreich, hatte eine Motorwelle von Schrack. Ich meine, die wurde "Schrack-Schnecke" genannt.
Dann sei noch angemerkt, dass Liliput zu der Zeit H0 Teile für Buco gefertigt hat.
Des weiteren darf nicht unerwähnt bleiben, dass nach dem Krieg in Österreich auch viele Motoren "von Hand" gewickelt wurden. Dazu nen Bausatz von Göls oder Sperl ?
Fragen über Fragen und wie es weitergeht in der nächsten Folge von E 18 in Gaggenau
Nein es handelt sich hier nicht um einen Wehrmachtsmotor. Die oft genannten Wehrmachtsmotoren sind gekapselte Gleichstrom Rundmotoren. Sie haben ein zylindriges Gehäuse Sie wurden in großen Stückzahlen gefertigt und waren natürlich universell einsetzbar. Grüße Rainer
Ich würde mal auf Bau nach Anleitung nach Wollmann "Die elektrische Modelleisenbahn" oder Lehrmeisterbücherei Leipzig "Selbstbau eines elektrischen Triebwagens" tippen. Der Motortyp wird dort vorberechnet und der Nachbau nach Zeichnungen ermöglicht. Beide Quellen sind aus den 30iger bis 50iger Jahren. In Wollmanns Buch auch explizit die aufkommenden Tischbahnen zum Selbstbau aufbereitet. Viele Grüße
"Eisenbahnen sind in erster Linie nicht zur Gewinnerzielung, sondern dem Gemeinwohl verpflichtete Verkehrsanstalten..." Otto von Bismarck
Ich habe mal in Wollmann "Die elektrische Modell-Eisenbahn" nachgeschlagen und hänge drei Auszüge an. Vielleicht kann durch vermessen ein Bezug hergestellt werden. Die Skizze zeigt die Teile für einen Scheibenkollektor-Motor mit Feldwicklung, dem in der o.g. gezeigten E18 nicht unähnlich. Das Foto aus dem Buch zeigt die häufigsten Varianten des s.g. Wehrmachtsmotors. Den gab es zwar tatsächlich auch als offene Bauform, jedoch dann als Trommelkollektor-Motor. Das dritte Bild zeigt, dass auch ein Walzenumschalter nach Vorbild Tante Mä nachbaubar war, wobei ich nach heutigem Ermessen die Anzahl der wirklich nach dieser Anleitung gebauten Schaltrelais als gering einschätzen würde. Viele Grüße Roman
"Eisenbahnen sind in erster Linie nicht zur Gewinnerzielung, sondern dem Gemeinwohl verpflichtete Verkehrsanstalten..." Otto von Bismarck