Hallo Fred, vielleicht kannst Du noch was zur Produktionsgeschichte schreiben. Belgien befand sich im Krieg unter deutscher Besetzung, erst im Spätsommer 1944 wurde die Besetzung zurückgedrängt.
Mich überrascht, dass 1943 in Belgien eine Modelleisenbahn produziert werden konnte. Eigentlich wurden alle Fabriken in den besetzten Ländern zur Produktion von kriegswichtigen Dingen verwendet, u.a. auch für große Lokomotiven und Wagen. Aluminium wurde für Flugzeuge benötigt. Außerdem sieht diese Bahn sehr amerikanisch aus.
Zitat von Dieter Weißbach im Beitrag #3Außerdem sieht diese Bahn sehr amerikanisch aus.
Vielleicht haben die Planer dieser Bahn geahnt, dass die Amis bald kommen werden. Auf alle Fälle ein außergewöhnliches Ensemble und sehr unterhaltsam! Vielen Dank Fred und Grüße von Wolfgang
Zitat von Dieter Weißbach im Beitrag #3Hallo Fred, vielleicht kannst Du noch was zur Produktionsgeschichte schreiben. Belgien befand sich im Krieg unter deutscher Besetzung, erst im Spätsommer 1944 wurde die Besetzung zurückgedrängt.
Mich überrascht, dass 1943 in Belgien eine Modelleisenbahn produziert werden konnte. Eigentlich wurden alle Fabriken in den besetzten Ländern zur Produktion von kriegswichtigen Dingen verwendet, u.a. auch für große Lokomotiven und Wagen. Aluminium wurde für Flugzeuge benötigt. Außerdem sieht diese Bahn sehr amerikanisch aus.
Ich habe den Link zur Webseite von GILS mit der Geschichte bereits hinzugefügt. Du hättest also alles dort nachlesen können.
Ein Teil davon wurde von Google übersetzt.
Wie alles begann Nach seiner Flucht aus Frankreich Anfang 1940 wollte Gérard Gilles weder direkt noch indirekt an der Produktion von Rüstungsgütern beteiligt sein. Als selbstständiger Elektriker begann er mit der Herstellung von Mehlsieben und Buttermaschinen. Doch dann entdeckte er bei einem Schrotthändler eine Metalllokomotive, vermutlich von JEP, in der Spurweite 16,5 mm (HO).
1941 erblickte das erste Produkt unter dem Markennamen Gils das Licht der Welt: eine Straßenbahn mit Stromversorgung über einen Drehleiterwagen (die Fahrtrichtung konnte durch Umkehrung der Drehleiterposition geändert werden), basierend auf der Lütticher Stadtbahn. Die Straßenbahn hatte die damals noch unübliche Spurweite „I“ (45 mm). Sämtliche Teile, bis hin zu den Schrauben, wurden im eigenen Haus gefertigt oder gegossen, angefangen bei den Gussformen. Die Straßenbahn wurde in einem blauen Karton verkauft, der auch die Schienen und den Transformator enthielt. Weder die Straßenbahn noch der Karton trugen den Markennamen Gils. Trotz aller Bemühungen konnte der Auftrag über 400 Straßenbahnen für den Nikolaustag 1941 nicht erfüllt werden, und im November 1941 wurden lediglich 200 Stück fertiggestellt. Da Grand-Bazaar keine unverkauften Exemplare riskieren wollte, wurden die restlichen 200 Sets, die wenige Tage vor dem Nikolaustag fertiggestellt worden waren, nicht abgenommen. Dennoch wurden diese 200 Sets an Grand-Bazaar geliefert. Sie machten in den Vitrinen von Grand-Bazaar einen hervorragenden Eindruck und waren schnell ausverkauft. Auch ein Anhänger war vorgesehen, der jedoch aufgrund von Problemen mit der ersten Lieferung nicht über das Planungsstadium hinauskam.
Auf Anraten der Grand-Bazaar-Geschäftsleitung wurde die Straßenbahn 1942 zugunsten der Eisenbahn, die sich größerer Beliebtheit erfreute, nicht weiter verfolgt. Sie wurde zu einer Nachbildung der Santa Fe, eines amerikanischen Zuges, einem Symbol für Freiheit und Größe. Die Familie Gilles zog nach Jupille in ein größeres Haus, das für die Produktion notwendig war. Die Lokomotive und die Waggons wurden im Sandgussverfahren hergestellt. Die Rohgussteile wurden geglättet, poliert und anschließend von Hand verziert. Man muss bedenken, dass diese Aluminiumlegierung direkt vor den Augen der Besatzungsmächte verarbeitet wurde, die das Material natürlich lieber in der Flugzeugindustrie verwendeten! Das benötigte Material musste daher mit gefälschten Dokumenten aus der Stahlindustrie beschafft werden. Gérard war auf seine Weise ein Widerstandskämpfer, der durch die Spielzeugproduktion Material aus der Flugzeugindustrie der Besatzungsmächte beschaffte. Es ist geradezu unglaublich, wenn man weiß, dass die ersten „SilverGils“, ein Modell der amerikanischen Santa Fe-Eisenbahn, im Großen Basar bei deutschen Offizieren sehr beliebt waren. Sie kauften diese Züge und schickten sie ihren Familien! Dieses Zugset kostete 1942 im Großen Basar 2.500 BEF, damals eine beträchtliche Summe, sodass diese Züge nur den Wohlhabenden vorbehalten waren. Trotzdem waren alle hergestellten Sets schnell ausverkauft.
Für den ersten produzierten Zug wurde bereits ein von Gérard Gilles entwickeltes Dreischienensystem mit drei unabhängigen Schienen ausgewählt, wodurch sich die Möglichkeiten im Streckennetz erweiterten. Die Schienen waren auf Metallschwellen mit Pappisolierungsplatten montiert.
Serienproduktion
Neben der Familie Gilles arbeiteten damals auch mehrere Kinder und abends sogar drei eingezogene Soldaten. Die Betriebsleiter selbst arbeiteten oft mehr als zehn Stunden am Tag.
1943 stellten sie wie JEP und Märklin auf Spurweite 0 (32 mm) um. Im Gegensatz zu den anderen großen Zugherstellern ging bei Gilles die Phase der Gusseisenbahnen der Phase der Blecheisenbahnen voraus. Das erste Element, die gleiche Santa-Fe-Lokomotive wie die Version in Spurweite 1, jedoch mit Kotflügeln, die in Spurweite 0 gegossen wurde, umfasste auch Wagen, allerdings mit überarbeiteter Konstruktion und roten statt violetten Streifen an den Flanken.
Die Schienen der Spurweite 0 wurden ebenfalls im eigenen Haus hergestellt. Die Metallschwellen der I-Gleis-Schienen wurden jedoch durch Bakelitschwellen ersetzt, die mit einer waffeleisenähnlichen Maschine hergestellt und anschließend Stück für Stück von Hand entgratet wurden.
Später, im Jahr 1945, wurde die erste aerodynamisch geformte Dampflokomotive (basierend auf der legendären Dampflokomotive Typ 12 der Belgischen Staatsbahnen) in verschiedenen Farben – Schwarz, Grün und Grau – eingeführt. Sie bestand aus Aluminiumguss. Die Züge wurden durch Personenwagen in derselben aerodynamischen Form oder Güterwagen aus lithografisch bedrucktem Weißblech ergänzt. Die ersten Güterwagen waren jedoch mit hölzernen Seitenwänden ausgestattet. Keine der Lokomotiven aus Aluminiumguss trug den Markennamen Gils!
Nach der Befreiung wurden Berge leerer US-amerikanischer Armeekonservenkartons zerkleinert, flachgedrückt und zu Schienen verarbeitet. Diese ursprünglich für Lebensmittel verwendeten Konservenkartons wurden auf Bitte von Gérard von Anwohnern gesammelt. Gérard zahlte 5 Belgische Francs pro Karton. Dieses Material ist von sehr hoher Qualität und bietet auch nach so vielen Jahren noch eine bessere Widerstandsfähigkeit als andere Weißblechsorten, was den Unterschied zu den Schienen anderer Marken gleichen Alters erklärt, die man noch heute finden kann.
ich habe mir den link von Fred in Beitrag #2 umfangreich angeschaut und bin erstaunt, was alles angeboten wurde und vor allem, was alles noch in Sammlungen vorhanden ist. Vorher hatte ich von GILS noch nie etwas gehört.
Hallo Fred, vielen Dank Deinen umfassenden Bericht. Dazu habe noch ein paar Fragen: Gibt es von der Straßenbahn in Spur I Bilder oder sogar einzelne Exemplare? Ebenfalls von der Santa Fé in Spur I oder auch Schienen? Evtl. Bilder? Die Spur 0 Schienen sind übrigens sehr solide gebaut, (hatte ich erst kürzlich hier im Forum gezeigt) Viele Grüße Wolfgang
Vielen Dank. lieber Fred! Ganz tolle Bilder; beide Bahnen habe ich noch nie gesehen. Die Santa Fé wirkt in Spur I wesentlich attraktiver als in 0. Besonders ansprechend finde ich die Straßenbahn; das Einschieben der Masten in das Schienensystem ist super gelöst. In neuwertigem Zustand im originalen Karton mit komplettem Zubehör. Viele Grüße Wolfgang