in meinem Fundus befindet sich dieses kleine Holzhaus mit Pappdach. Es besitzt eine Eingangstür, eine danebenliegende Tür zum Hühnerstall sowie zwei Dachgauben.
Folgende Merkmale könnten bei der Bestimmung hilfreich sein: Das Gebäude besteht aus dünnem Holz, das Dach aus Pappe. Die Gestaltung scheint eine Kombination aus aufgeklebten und bemalten Elementen zu sein. Die Fensterkreuze wurden aus Bindfäden gefertigt und sind teilweise mit farbigem Pergamentpapier hinterlegt.
Die Maße betragen:
Länge: 12 cm Breite: 6 cm Höhe bis zur Giebelspitze: 10,5 cm Türhöhe: 3 cm
Außerdem ist eine Preisangabe von 2,40 erkennbar. Im Inneren befindet sich der Stempel:
„Reine Handarbeit – 52 BH 1“
Hat jemand eine Idee, von welchem Hersteller dieses Häuschen stammen könnte?
Vielen Dank für Eure Unterstützung und beste Grüße Lutz
von diesem Typ Häuser habe ich auch zwei. Beschriftet mit 50 LK und mit 50 E2. Ebenfalls mit Bindfäden und bunten Folienfenstern. Ich denke, dass diese in die Vorkriegszeit gehören. Hersteller derzeit (mir) unbekannt. Aber vielleicht weiß Tilmann was darüber.
ich sehe den Stempel " Reine Handarbeit " etwas anders. Unten " Handarbeit " ist ja deutlich zu erkennen, oben aber nur 4 Buchstaben. Also z.B. "Reis", "Rals", "Rots" oder so ähnlich. Das könnte dann der Hersteller sein.
Vielleicht können wir in Gemeinschaft zum Stammtisch am 21. August noch mal alle drüber schauen. Viele Augen sehen mehr als zwei.
Oder es ist bis dahin hier im Forum schon geklärt.
wenn ich das richtig sehe gehören sie zu den sogenannten Bindfadenhäusern. Wenn dem so ist, sind sie bedeutend älter als die DDR geworden ist. Recherchiere mal in diese Richtung. Vielleicht findest Du so etwas darüber raus.
Bindfadenhäuser von Max Koallick aus Dresden wurden bereits vor 1930 hergestellt. Die Einstellung der Produktion von Koallick erfolgte vor Kriegsende. Danach wurden weitere Häuser in der Art von Koallick hergestellt, allerdings als Dachfläche Pappe, während Koallick dafür dünnes Holz nahm, das er mutmaßlich von der Holzfabrik seines Bruders Paul Koallick, Dresden, bezog.
vielen Dank für den Hinweis. Inzwischen habe ich mir auch die anderen hier im Forum gezeigten Häuser von Koallik angesehen. Sie sind alle im gleichen Stil gestaltet, sodass die Zuordnung sehr gut passen dürfte.
#5 Wenn ich das nach den Bildern richtig deute, hat das hier gezeigte ein Dach aus Pappe. Demnach wäre es nach der Koallik-Zeit gefertigt worden. Grüße, elaphos
Das Haus gehört nicht zu den Häusern, die man Koallick zuschreibt.
Die Qualität ist aber vergleichbar. Koallick verwendete kein Sperrholz. Stempel auch nicht. In Dresden muss es weitere Hersteller gegeben haben, die den Stil kopierten oder vielleicht hat auch letztlich Zeumer den Stil und das Programm vorgegeben. Belegt ist nur Wera, aber das ist ist kein Wera-Haus. #
Ich denke man kannte sich und es gab mehr Zusammenarbeit und Austausch als wir es heute noch schriftlich belegen könnten.
Habe ich richtig aufgepasst, dass alle als Koallick zugeschriebenen Gebäude komplett mit Bindfaden versehen sind. Bei diesem und meinem kommen halt auch bunte Fensterpapiere vor.
Interessant sind die Stempelungen.
Ypsilon: Hast du auch Häuser mit der Stempelung 50 oder 52?
Zu Axel: Ich schau bei meinen beiden mal nach zum Thema "reine" Handarbeit nach. Ich meine das auch mit rain gelesen zu haben. Am Dienstag mehr dazu.
Ich habe mich beim Sammeln auf Koallick und Wera konzentriert. Die "reine Handarbeit" ist ja auch nicht häufig. Mal sehen, ob ich noch Vergleichsbilder finde.
Hab mal die KI befragt und hier das Ergebnis. Vielleicht hilft das weiter?
Nach den Bildern würde ich das Haus eher nicht Max Koallick, sondern der Gruppe Hinkel & Kutschbach beziehungsweise Paul Ullrich/erzgebirgische Zulieferfertigung zuordnen. Ganz sicher ist diese Zuschreibung allerdings noch nicht.
Der wichtigste Hinweis ist für mich die Innenkennzeichnung:
„mit Handarbeit“ „52 BH 1“
Das wirkt nicht wie eine nachträgliche Besitzermarkierung, sondern wie eine serienmäßige Hersteller-, Sortiments- oder Preisauszeichnung. Besonders das Kürzel „BH“ könnte für „Bindfadenhaus“ stehen; „52“ wäre dann möglicherweise eine Modellnummer und „1“ eine Ausführung, Preisgruppe oder Größenangabe. Einen belastbaren Beleg für die genaue Entschlüsselung habe ich aber nicht gefunden.
Was gegen eine sichere Koallick-Zuordnung spricht:
Die bekannten Koallick-Häuser besitzen häufig:
recht naturalistische, an konkreten Gebäuden orientierte Formen, Dächer aus Krepppapier mit sichtbarer Dachstruktur, teilweise bewegliche, außen aufgesetzte Türen, häufig handschriftliche einfache Hausnummern, eine insgesamt stärker holzbetonte und weniger ornamental bemalte Gestaltung.
In einer Sammlerdiskussion werden Koallick-Häuser ausdrücklich als Modelle aus dünnem Zigarrenkistenholz mit Krepppapierdächern und Garnfenstern beschrieben. Koallick soll vor allem zwischen den Weltkriegen Gebäude für Zinnfigurenlandschaften hergestellt haben.
Dein Haus besitzt zwar ebenfalls die typischen Bindfadenfenster, weicht aber in mehreren Punkten ab:
Das Dach ist großflächig glatt rot gestrichen und nicht als einzelne Dachdeckung gestaltet. Die Fassade ist ausgesprochen dekorativ bemalt. Die Fensterläden bestehen aus aufgesetzten Holzstücken mit kreisförmiger Verzierung. Türen und Fachwerkfelder sind als aufgeklebte und bemalte Reliefteile ausgeführt. An den Hauswänden befinden sich gemalte Rosenstöcke beziehungsweise Rankpflanzen. Innen ist eine sauber ausgeführte Stempelkennzeichnung vorhanden.
Diese Gestaltung wirkt stärker wie ein für den Spielwarenhandel entwickeltes Serienmodell als wie eines der besonders vorbildnah gestalteten Koallick-Häuser.
Was für Hinkel & Kutschbach beziehungsweise Paul Ullrich spricht:
Zu der von Hinkel & Kutschbach vertriebenen Gruppe werden Bindfadenhäuser mit:
auffälliger Fassadenbemalung, aufgesetzten Fensterläden, farbigem Transparentpapier hinter den Fenstern, zahlreichen dekorativen Details, Seriennummern beziehungsweise Modellkennzeichnungen
gerechnet. Die tatsächliche Herstellung erfolgte vermutlich teilweise durch Werkstätten im Erzgebirge, wobei unter anderem Paul Ullrich aus Seiffen genannt wird. Hinkel & Kutschbach wäre somit möglicherweise der Vertrieb, während Ullrich oder eine weitere Heimwerkstatt der eigentliche Hersteller gewesen sein könnte.
Besonders typisch erscheint mir bei deinem Haus die Kombination aus rotem Dach, heller Putzfassade, blau-grauem Fachwerk, beigefarbenen Fensterläden und gemalten Blumenranken. Das hat mehr Ähnlichkeit mit der Ullrich-/Hinkel-&-Kutschbach-Gruppe als mit den bisher sicher dokumentierten Koallick-Modellen.
Vermutliche Datierung:
Ich würde das Gebäude vorsichtig in die Zeit der späten 1920er bis 1940er Jahre einordnen. Eine Produktion kurz nach 1945 ist ebenfalls nicht völlig auszuschließen, weil solche handwerklichen Spielwaren häufig über politische und wirtschaftliche Umbrüche hinweg in ähnlicher Weise weitergefertigt wurden.
Die Zahl 52 würde ich nicht ohne Weiteres als Jahreszahl 1952 verstehen. Die gesamte Kennzeichnung „52 BH 1“ sieht eher nach einer Sortimentsnummer aus. Auch vergleichbare ältere Häuser tragen Buchstaben-Zahlen-Kombinationen, die als Modell-, Größen- oder Preisangaben gedeutet werden.
Meine vorläufige Einordnung:
Wahrscheinlich: Bindfadenhaus aus der Hinkel-&-Kutschbach-/Paul-Ullrich-Gruppe beziehungsweise aus einer erzgebirgischen Zulieferwerkstatt.
Weniger wahrscheinlich: Max Koallick.
Noch offen: Welcher konkrete Betrieb hinter dem Stempel „52 BH 1“ stand.
Ich würde es daher derzeit so katalogisieren:
Großes handgefertigtes Bindfadenhaus, vermutlich erzgebirgische Fertigung für einen Dresdner Spielwarenhändler, möglicherweise Hinkel & Kutschbach; erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Hersteller noch nicht abschließend geklärt.
Die KI bezieht sich oft in solchen Fällen auf unser Forum. Insofern entsteht ein Zirkelbezug, neumodisch Bubble genannt. Bestenfalls kommt eine gute Zusammenfassung unserer Debatten heraus.
Zitat von ypsilon im Beitrag #12Die KI bezieht sich oft in solchen Fällen auf unser Forum. Insofern entsteht ein Zirkelbezug, neumodisch Bubble genannt. Bestenfalls kommt eine gute Zusammenfassung unserer Debatten heraus.
..denn die KI ist zwar künstlich, aber eben nicht intelligent..
ich habe in Beitrag #5 nicht geschrieben, dass das Haus von Koallick ist, sondern in der Art von Koallick:
"Bindfadenhäuser von Max Koallick aus Dresden wurden bereits vor 1930 hergestellt. Die Einstellung der Produktion von Koallick erfolgte vor Kriegsende. Danach wurden weitere Häuser in der Art von Koallick hergestellt, allerdings als Dachfläche Pappe, während Koallick dafür dünnes Holz nahm, das er mutmaßlich von der Holzfabrik seines Bruders Paul Koallick, Dresden, bezog."