Hallo alle zusammen. Ich bräuchte Hilfe beim gerade biegen alter Bakelitgleise. Es handelt sich um alte Lastra-Gleise, welche sich an den Enden nach oben biegen. Da alle Gleise verzogen sind, kann das sicherlich nicht auf irgendwelche mechanischen Einwirkungen zurückzuführen sein. Ich habe versucht, daß aufs Bild zu bekommen. Kann man die evtl. vorsichtig erwärmen und dann auf einer geraden Fläche ausrichten? Mir würde dazu das Ceranfeld vorschweben, Backpapier drunter (damit es nicht festkleben kann) und dann vorsichtig anwärmen und auf der geraden Glasplatte vorsichtig die Enden andrücken. Die Schienen ließen sich auch vorher abmontieren, dann geht es vlt. einfacher. Die Schienen könnte ich ja dann extra bearbeiten.
Hat jemand Erfahrungen damit und kann mir weiter helfen? Einstweilen schon mal vielen Dank sagt Steffen
PS: Hinweise zum Umgang mit der Ehefrau bei der Nutzung des Herdes sind sinnlos, da ich selbige bereits abgeschafft habe und uneingeschränkter Herrscher der Küche bin *grins*
Edit Moderation: Titel zur besseren Orientierung ergänzt
ich fürchte, die beabsichtigte Rückverformung funktioniert nicht. Bakelit ist ein Duroplast, kein Thermoplast. Dieser Werkstoff wird durch Erwärmung nicht formbar. Die Trix Express Bakelitgleise hängen in der Mitte auch gelegentlich durch. Bislang gibt es keine bekannte Möglichkeit, dass zu ändern.
Ein Versuch wäre dennoch interessant, evtl. vorsichtiges Erwärmen mit leichter Vorspannung durch ein Gewicht in der Mitte.
bei Deinen Lastra-Gleisen fällt auf, dass sie in der Mitte ein drittes Paar Auflager besitzen. Sie sind also nicht durch die "Belastung" der Züge oder durch das versehentliche Draufdrücken mit der Hand verzogen. Das wäre ja auch bei Duroplasten eigentlich nicht möglich.
Es scheint also eher eine materialbedingte Verformung eingetreten zu sein.
Meine Überlegung dazu: auf der Gleiskörperoberseite konzentriert sich das Bakelitmaterial, auf der Unterseite ist die geringste Materialmenge. Vielleicht spielt die Aufnahmefähigkeit von Bakelit für Wasserdampf oder anderen Dämpfe eine Rolle, die zu einer Volumen- und damit auch Längenveränderung führt ?
Bakelit zieht Wasser an. Bei einem Schienenkonvolut, das offenbar im Keller feucht gelagert wurde, waren nicht nur die Schienenprofile mit Flugrost geschädigt, sondern auch die Bakelitkörper mit Schimmel überzogen.
Vielleicht sind Deine Gleise zu sehr "ausgetrocknet", was zu der Verformung geführt hat ?
Steffen, ich würde es nicht wagen, die Gleise mit Wärme zu richten.
Ich habe aber gesehen, dass die einzelnen Stücke an den Stößen Löcher haben, um sie auf einer Anlage zu verschrauben. Versuch' das doch mal! Vielleicht legen sie sich nach einer Weile wieder selber in Form?
Steffen suche dir doch mal ein altes Stück Bakelit. Das setze unter Spannung und dann Wärme. Eher Wasserdampf denn der hat eine definierte Temperatur. Oder koche das Stück und schaue ob es dabei weich wird und verformbar. Das sind vielleicht dumme Ratschläge aber damit kannst du bestimmt nichts falsch machen. Bakelit war ja mal plastisch und formbar. Wenn ich mich richtig erinnere ist Bakelit eine Mischung aus Harz und Füllstoff. Und gepresst wurde warm mit hohem Druck.
Danke für Eure Ideen. Ich habe mal in der Schule gelernt, daß Bakelit eigentlich unverformbar sein soll. Bis jetzt mußte ich das auch noch nicht ausprobieren. Auf Bretter aufschrauben will ich die Gleise nicht. Da könnte man zwar große U-Scheiben unterlegen, damit sich die Kräfte verteilen und nichts so schnell bricht, aber da wird eher das Holz nachgeben, als das Bakelit. Inzwischen wurde mir auch von 2 Seiten unabhängig voneinander erklärt, daß Bakelit in geringem Maße über längere Zeiträume Wasser zieht und dann regelrecht "aufguillt". Ist zwar nicht viel, aber es reicht. Das würde auch erklären, warum alle Gleise verzogen sind. Wer weis schon, wo die in den letzten über 60 Jahren gelagert wurden. Bei mir liegen sie seit ca. 4 Jahren trocken, mal von ganz normaler Luftfeuchte abgesehen. Ob Wasserdampf da hilfreich ist? Ich überlege jetzt eher, die Gleise mal unter Vorspannung in SilcaBlaugel einzulagern und ihnen so die aufgenommene Feuchtigkeit wieder zu entziehen. Wird bestimmt nur langsam gehen, aber bis Ende Oktober ist es ja noch etwas hin. Vielleicht läßt sich das mit etwas(!) Wärme auch beschleunigen. Bei zu viel Hitze wirft es dann Blasen, qualmt und stinkt fürchterlich. Laßt Euch dann mal überraschen. Vielleicht bekomme ich ja auch noch einen guten Tip - habe jedenfalls ein paar Leute deswegen gefragt. Wenn ich eine praktikable Lösung finde, dann tue ich's schon kund - stehen vlt. noch mehr Leute vor dem Problem. Bis dann. LG Steffen
"Geschichte: Baekeland experimentierte Anfang des 20. Jahrhunderts mit Phenol und Formaldehyd. Erentdeckte, dass diese Stoffe in einer exothermen Reaktion zu einem Kunstharz polymerisierten. Nach dem Entfernen des entstehenden Wassers lässt sich die noch weiche warme Masse (so genannte Pressmasse) in Formen pressen und durch Wärme und Druck härten."
"Eigenschaften: Nach dem Abkühlen und der Aushärtung des Kunststoffes ist dieser widerstandsfähig gegen mechanische Einwirkungen, Hitze und Säuren. Im Gegensatz zu Thermoplasten lässt sich Bakelit auch durch Erwärmen nicht wieder verformen. Es ist allerdings relativ spröde, so dass Gegenstände aus diesem Material, z. B. beim Aufprall auf den Boden, zerspringen können."
"Phenolharze neigen zum Nachdunkeln und sind daher meist dunkelbraun oder schwarz eingefärbt. In den Pressmassen enthalten sind meist diverse Zuschlagstoffe, wie Holzmehl, Gesteinsmehl oder Textilfasern, wodurch auch eine farbliche Marmorierung entstehen kann."
Ich gehe davon aus, dass nicht das ausgehärtete (und chemisch ausreagierte) Phenolharz selber, sondern die Zugschlagstoffe Wasser anziehen. Dies kann dann bei einer Volumenänderung an ungleichmäßig verteilten Bauteilen zu Verformungen führen.
Eigentlich müsste man folgenden Versuch machen: zwei gleich stark verformte Bakelitgleiskörper genau vermessen und in zwei Behältern mit unterschiedlicher Luftfeuchtigkeit für einen überschaubaren Zeitraum (z.B. zwei Wochen) lagern. Anschließend prüfen, wie sich die Verformung verändert hat.
Wer hat noch einen Humidor in der Ecke stehen, der gerade nicht benötigt wird ?
Guten Abend, es folgt keine Idee zur Problemlösung. Als regelmäßiger Nutzer von Picoexpress-Bakelitböschungsgleismaterial ist mir das Bananenphänomen bislang nur bei der zweiten Generation (U-Profil-Schienen) begenet. Ich habe das immer auf die Schienenprofilbefestigung geschoben, die gg. der mit dem Lastra-Gleis vergleichbaren 1.Genaration völlig anders ist. Müsste mal in einer Kiste 1.Generation kramen, die gerade ein Kellerwasserschaden hinter sich hat, ob es dort auch eine Verformung gegeben hat.
wenn der Gleiskörper aus Bakelit ist, kann er sich nach der ursprünglichen Aushärtung nicht verformen. Nie ! Aber Achtung: Bakelit gehört zu den Phenoplasten. Und bei den Phenoplasten gibt es drei verschiedene Materialzustände.
Bei der Zusammenführung von Phenol und Formaldehyd wird ein Harz erzeugt, das später unterschiedliche Materialzustände hat, je nachdem, wie man die Mischung erwärmt.
A-Zustand: Bei Erwärmung auf etwa 100°C entsteht keine Vernetzung, das Harz ist schmelzbar und löslich (beispielswqeise Phenolfarben).
B-Zustand: Bei Erwärmung auf etwa 120°C beginnende Vernetzung, nur noch quellbar, bei Erwärmung wird das Material teigig.
C-Zustand: Bei längerem Halten auf einer Temperatur von 160°C erfolgt eine Aushärtung durch weitgehende Vernetzung, das Material ist nicht mehr löslich, chemisch kaum angreifbar und auch durch späteres Erwärmen nicht verformbar. Es ist nur spanabhebend umformbar. Das ist dann dieses sogenannte "Bakelit".
Die Materialien aller drei Zustände sind bei der Herstellung durch die Beigabe von Füllstoffen unterschiedlichster Art wie Holzmehl, Gesteinsmehl, Papierschnitzel, Baumwollgewebeschnitzel veränderbar. Es wird durch die Beigabe die Sprödigkeit vermindert und die Festigkeit erhöht. Da Phenolharze nicht farbbeständig sind, wird das Harz in der Regel dunkel eingefärbt, beispielweise durch Ruß.
Ich vermute, dass deine Gleise, wenn sie denn tatsächlich aus Phenolharz hergestellt worden sind (es gibt Polystyrole, die ähnlich hart sein können. Test: Ein Tropfen Verdünnung oder Alkohol oder einen Plastikkleber auf die Innenseite tropfen lassen und etwas verreiben. Löst sich nicht die Oberfläche an, ist es ein Phenolharz), aus Material des B-Zustandes hergestellt wurden. Das bedeutet, dass du in einem beschränkten Umfang Veränderungen vornehmen kannst. Da 120°C höllisch heiß für den Menschen ist, würde ich hier versuchsweise eine Biegespannung anlegen, also Gleiskörper auf ein Brett, auf beiden Seiten eine mit einem Brettchen unterlegte Spannklammer und danach erhitzen. Die Klammern drücken den Kunststoffkörper auf die Nulllage.