#1 80 Jahre TRIX Express - Trix-Tag am 19. September 2015 in Koblenz von trixclub.reiner 06.09.2015 18:23

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TRIX Express wird 80 Jahre alt






TRIX Express – der Anfang von Allem



Liebe Eisenbahnfreunde,
liebe Modelleisenbahner,

1935 stellte TRIX auf der Leipziger Frühjahrsmesse das erste Großserien-Modellbahnsystem der Spurweite 00, später H0 genannt, vor. Dies war der Beginn des heute weltweit gepflegten Hobbys der Modellbahn in kleiner Spurweite.

Spielzeug-Eisenbahnen hatte es schon lange vorher gegeben, aber sie waren groß, teuer, brauchten sehr viel Platz und hatten nur sehr entfernte Ähnlichkeiten mit dem Vorbild. Zunächst zum Schieben, folgten der nicht steuerbare Uhrwerksantrieb und die sogenannten Starkstrombahnen, welche direkt mit der damals üblichen Netzspannung von 110 Volt betrieben wurden. Das war nicht gerade ungefährlich.

Erste Ansätze einer kleineren Baugröße gab es 1922 mit der „Bing’schen Tischbahn“, aber auch sie war ein eher simples Spielzeug und blieb eine einzelne Packung, für die kein weiteres Zubehör erhältlich war. Die Firma Bing entwickelte den Gedanken nicht mehr weiter. Meinungsverschiedenheiten zwischen der Geschäftsleitung und Stephan Bing, einem Sohn des Firmengründers, veranlaßten diesen, eine eigene Firma zu gründen: TRIX. Zunächst bot TRIX Metallbaukästen an.

Als in Folge der Weltwirtschaftskrise Bing zusammenbrach, übernahm Stephan Bing viele Konstrukteure und Mitarbeiter und setzte endlich seine Ideen um. Der „TRIX Express“ wurde entwickelt und als elektrische Tischeisenbahn präsentiert: Spurweite 16 mm, Maßstab 1:90, Nenngröße 00. Von der Spur 0 übernommen war das 3-Schienen-System zur elektrischen Speisung der Loks, anfangs mit Wechselstrom.

Zum ersten Mal war ein Gesamtsystem in platzsparender Spurweite erhältlich, in dem Loks, Waggons, Gleise und Zubehör wie Fahrregler, Schalter und Gebäude aufeinander abgestimmt waren und eine Anlage jederzeit mit weiteren Artikeln ergänzt und ausgebaut werden konnte. Der Erfolg übertraf alle Erwartungen, denn nun konnten sich größere Käuferschichten eine elektrische Eisenbahn leisten.

Schon im Jahr darauf begann mit der „Modellserie“ die Weiterentwicklung der anfänglichen Spielbahn zu hoher Vorbildtreue. Als erste maßstäbliche, in allen Proportionen und Details wiedergegebene Dampflok erschien ein Modell der Baureihe 01, dem damaligen Edelrenner der Reichsbahn. Es folgte ein dieselelektrischer Schnelltriebwagen nach Vorbild des VT 137 und neue Personen- und Güterwagen mit wesentlich feinerer Detaillierung und Bedruckung.

TRIX engagierte sich von Beginn an für eine getreue Wiedergabe des Vorbildes im Modell. Für die Umsetzung des Slogans „Kopie des Eisenbahn-BETRIEBES“ bot man schon vor dem Krieg Bücher und Druckschriften an, zum Beispiel das bekannte „1:90 – Handbuch des Trix-Eisenbahnbetriebs“ in zahlreichen Auflagen oder die langjährig erschienene Heftreihe „TED - Trix-Express-Dienst“.

Das Hobby Modellbahn nahm Fahrt auf, auch international: Stephan Bing arbeitete sehr eng mit dem englischen Modellbahnpionier Wenman Joseph Bassett-Lowke zusammen. Als Bing wegen seiner Abstammung Deutschland verlassen mußte, kam es zur Gründung der „TTR – Trix Twin Railways“ in Großbritannien.

Der Name „Zwillings-Bahn“ weist auf eine technische Besonderheit von TRIX Express hin. Der Gleiskörper war aus Bakelit gefertigt, alle drei Schienen damit elektrisch voneinander isoliert. Dadurch konnten 2 getrennte Fahrstromkreise aufgebaut werden: rechte Schiene und Mittelleiter, sowie linke Schiene und Mittelleiter. TRIX hatte also nicht nur die Spurweite H0 entwickelt, sondern auch die unabhängige Mehrzugsteuerung.

Überhaupt setzte TRIX mit innovativen Entwicklungen immer wieder technische Impulse. 1938 erschien die „automatische Fernentkuppelung TRIX-AUTOMATIC“, mit der die Lok an jeder beliebigen Stelle ihren Zug abkuppeln konnte. Nach dem Krieg folgten Wagen aus Feinblech mit neuartigen feinen Lithographiedrucken. 1953 stellte man die Fahrstromspeisung auf Gleichstrom um; dazu erschien der erste Fahrregler mit Einknopfbedienung zur Umpolung der Fahrspannung. Dieser Trafo wurde weltweit zum Vorbild des „typischen“ Gleichstromfahrreglers. Im gleichen Jahr wurde ein erstes Schwellenbandgleis vorgestellt, das kein Gleisbett mehr hatte und selbst eingeschottert werden konnte. Die Schwellen bestanden aus Radiopappe; ab 1965 wurden sie aus Kunststoff gefertigt. Der Kunststoffspritzguß hielt Einzug bei Triebfahrzeugen und Waggons und ermöglichte eine bis dahin nicht gekannte Detaillierungsfeinheit. Von 1959 bis 1969 arbeitete TRIX mit dem legendären Konstrukteur Willy Ade zusammen, der 1962 den „Adler“-Zug verwirklichte, ein bis heute begehrtes Modell mit mehreren Wiederauflagen. 1966 erschienen die ersten Reisezugwagen im Maßstab 1:100 – die TEE-Wagen-Serie – ein Längenmaßstab, der über 30 Jahre lang Bestand haben und die gesamte H0-Modellbahnszene wesentlich prägen sollte. In den 60er-Jahren wurde mit „minitrix“ eine neue Modellbahn-Spurweite von 9 mm im Maßstab 1:160 entwickelt, deren Name zum Synonym der Spur N wurde. 1973 wurde die „elektronische Mehrzug-Steuerung e.m.s.“ eingeführt, bei der dem Gleichstrom eine hochfrequente Wechselspannung überlagert wurde, welche ein Baustein innerhalb der Lok wieder herausfilterte, gleichrichtete und deren Motor speiste. Damit konnten in einem Fahrstromkreis 2 Loks unabhängig voneinander gesteuert werden – bei 3 möglichen Stromkreisen (linke Schiene, rechte Schiene und Oberleitung) ermöglichte e.m.s. den gleichzeitigen, unabhängigen (!) Betrieb von 6 Zügen auf einem einzigen Gleis. Das konnte kein anderer Hersteller bieten! Erst zehn Jahre später wurden die Steuerungsmöglichkeiten noch vielfältiger: 1983 erschien „Selectrix“, die erste digitale Modellbahnsteuerung.

Doch die Zeiten hatten sich gewandelt; der Markt kritisierte das Dreischienengleis als nicht vorbildgerecht, das H0-Angebot von TRIX war durch das starke Wachsen der Mitbewerber ins Hintertreffen geraten und die Firma war nun der kleinste Anbieter auf dem Markt. Neue Techniken und Spielwaren wie Computer oder Gameboys drängten auf die Märkte, die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung wurden immer größer. Das System TRIX Express, einstiger Pionier der H0-Modelleisenbahn, der in der Geschichte der Modellbahn Maßstäbe setzte, wurde seinerseits zur Historie.

Nichtsdestotrotz wird diese Historie auch heute noch von engagierten Modellbahnern weiterhin gepflegt. Viele TRIX Express-Freunde betreiben ihre Anlagen mit großer Freude am Hobby und bauen sie noch weiter aus. Auch der neue Eigentümer von TRIX, die Simba-Dickie-Group, hat das erkannt und bietet seit einigen Jahren wieder neue Modelle in zeitgemäßer Technik für TRIX Express an.

Die Zukunft hat begonnen!

Deshalb feiern wir den 80. Geburtstag in einem angemessenem Rahmen.


Der TRIX Express Club Deutschland e. V. (TEC) lädt alle intessierten Eisenbahn- und Modellbahnfreunde am Samstag, den 19. September 2015, zum 13. Trix-Express-Tag ein.


In den Clubräumen im DB-Museum Koblenz-Lützel kann die große Clubanlage über zwei Räume hinweg in vollem Betrieb erlebt werden. In der Fahrzeughalle des DB-Museums findet eine der größten Börsen Deutschlands mit Modellen und Ersatzteilen für TRIX Express statt. Das gesamte Museum ist zugänglich, über 100 Exponate können besichtigt werden – Loks und Waggons im Maßstab 1:1. Dieses Ambiente von reizvollen Miniaturen neben ihren Vorbildern in Originalgröße ist einzigartig. Für das leibliche Wohl wird bestens gesorgt sein.

Gerade für Familien mit Kindern wird ein Tag im TEC zum unvergeßlichen Erlebnis - die strahlenden Kinderaugen sprechen eine deutliche Sprache. Und so mancher „Steppke“ findet den Rückweg nicht mehr .

Wir wünschen allen Besuchern, groß und klein, einen wunderschönen und spannenden Trix-Tag 2015 und freuen uns auf Ihren Besuch.

Die Anfahrt finden Sie unter folgendem Link:

Besucher-Info des DB-Museums Koblenz mit Wegbeschreibung und Karten-Link

TRIX Express Club Deutschland e. V.
Schönbornsluster Straße 14
56070 Koblenz-Lützel



Als kleines Appetithäppchen berichte ich noch von der „Langen Nacht der Museen“ am gestrigen Abend. Das DB-Museum in Koblenz-Lützel beteiligte sich daran, und so fand auch nächtlicher Bahnbetrieb auf der Clubanlage des TEC statt. Die Hütte war voll, Besucher strömten in Scharen. Bis in den späteren Abend hinein kamen auch noch Familien mit Kindern, die sich nicht sattsehen konnten an den kleinen Zügen, einige davon mit Innenbeleuchtung. Das Museum bot mehrmals am Abend eine Modenschau mit dem Titel „Eisenbahnuniformen im Wandel der Zeit“, die beim Publikum jedesmal großen Zuspruch fand. Hier sind einige Impressionen davon:


Uniformen des Personals der Deutschen Bundesbahn.




Uniformen des Personals der Deutschen Reichsbahn der DDR.




Dampflokführer und Heizer im schwarzen Waschzeug.




1990 kommt es auch zur Wiedervereinigung beider Bahnverwaltungen.







Zum Schluß kamen alle Darsteller nochmals auf und neben die aus einem Drehgestell-Flachwagen bestehende Bühne.





Einige Darsteller der Modenschau waren zu Gast in den Clubräumen, besichtigten die Ausstellung und erfreuten sich an der Anlage.





Auf der Ringstrecke folgten die Züge wieder einmal im Blockabstand.








Selbst auf der Bergstrecke sind die altehrwürdigen Loks ganz schön rasant unterwegs .




#2 RE: 80 Jahre TRIX Express - Trix-Tag am 19. September 2015 in Koblenz von Dieter Weißbach 07.09.2015 22:34

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Hallo Reiner,

vielen Dank für die schöne Zusammenfassung der TRIX-Geschichte und den schönen Bilderbogen.

Wir wünschen Euch eine erfolgreiche Veranstaltung am 19.September, wir folgen dann fünf
Wochen später in Berlin.

Ein paar kleine Anmerkungen zur TRIX-Geschichte seien mir gestattet:

Stephan Bing war ab 1919 Generaldirektor der Bing Werke AG, also der Chef des Unternehmens.
Er verließ die Bing-Werke im September 1927 und übernahm im Oktober 1928 das bereits
bestehende Unternehmen „Vereinigte Spielwarenfabriken Andreas Förtner und J. Haffner’s
Nachfolger Aktien­gesellschaft Nürnberg“. Gleichzeitig wurde die Aktien­gesellschaft in eine
GmbH umgewandelt. Dies war also keine Neugründung, sondern eine Übernahme. Gleichwohl
brachten er, Siegfried Kahn und die anderen ehemaligen Bing-Mitarbeiter ihre Ideen für neue
Produkte in diese Firma ein.

TRIX war zunächst keine Firma, sondern eine Marke.

Erst mit dem Zwangsverkauf an Ernst Voelk im April 1938 wurde die Firmierung TRIX
aktenkundig. Nun wurden z.B. auch die Patente von den "Vereinigten Spielwarenfabriken
Nürnberg" auf die "TRIX - Vereinigte Spielwarenfabriken Nürnberg", Kurzform TRIX
umgeschrieben. Auch auf den Briefbögen taucht nun TRIX in der Firmierung auf.

#3 RE: 80 Jahre TRIX Express - Trix-Tag am 19. September 2015 in Koblenz von trixclub.reiner 08.09.2015 02:17

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Hallo Dieter,

herzlichen Dank für das Kompliment und die ergänzenden Worte. Ich habe diesen Beitrag in mehreren Foren eingestellt, um auf den Trix-Tag hinzuweisen, und verfaßte dazu aus Anlaß des 80. Geburtstages einen allgemeinen Abriß über die Trix-Geschichte. Es ging mir dabei um Informationen für Modellbahner, die Trix Express nicht mehr oder noch gar nicht kennen, deshalb wählte ich eine etwas vereinfachte Beschreibung. Und bei Vereinfachungen werden immer Details weggelassen. Da jedoch vielen Leuten der Unterschied zwischen "Marke" und "Firma" nicht geläufig ist, ging ich an dieser Stelle nicht in die Tiefe. Leser, deren Interesse geweckt wurde, werden sich sicher weitergehend informieren, das Web bietet ja vielfältige Möglichkeiten dafür.

Auch Euch wünschen wir eine schöne Jubiläumsveranstaltung; leider ist es vom Rhein bis Berlin etwas weit zum einfachen "mal Vorbeikommen".

#4 UNGEHEUER - von trixclub.reiner 18.09.2015 22:08

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-lich faucht und stampft das Stahltier...



… jedoch wird es vom Meister am Regler mit sicherer Hand gebändigt.


012 066-7 legte heute mittag einen technischen Halt in Koblenz-Lützel ein. Die ölgefeuerte 01 faßte Wasser und wurde im Rahmen einer Laufwerksnachschau abgeschmiert.




Ein „Wasserkran“ anno 2015 der „Einheitsbauart“ Ziegler.




Per C-Schlauch erreicht die Betriebsflüssigkeit ihren Speicherbehälter.




Unterdessen führt das Lokpersonal seinen technischen Dienst an der Maschine aus.




Die Stangenlager werden geschmiert.




Auch das Innentriebwerk bekommt sein Fett weg.




Alle Arbeiten an der Dampflok werden gewissenhaft ausgeführt.




Jetzt heißt es...: tief Luft holen für die nächste Etappe!




Und schon geht die Reise weiter nach Bochum-Dahlhausen.




Allzeit Gute Fahrt!


Ein Besuch im DB-Museum Koblenz-Lützel bietet immer wieder spannende Szenen und unvergeßliche Eindrücke. Und am TRIX-Express-Tag lohnt es sich doppelt:
da geben sich Groß und Klein
ein nettes Stelldichein .


Auf nach Koblenz; bis morgen!

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