#1 Pappschachteln reparieren von cmnhorsebreeder 17.04.2019 17:35

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Ich weiß nicht recht, wo dieser Thread einsortiert werden sollte, deshalb bitte ich, damit zu verfahren, wie es Sinn macht.
Für mich sind Originalverpackungen auch Zubehör.

Immer wieder laufen mir Pappschachteln zu, die in schlechtem Zustand sind - zerknittert, eingerissen, unvollständig etc.
Ich mühe mich dann immer mit unbefriedigenden Reparaturen ab. So geschehen heute, als eine völlig zerknüllte OVP aus Frankreich kam.

Von Dieter Weißbach kam ein guter Tip, zerknitterte Schachteln wieder zu richten.
Bitte, Dieter, sei doch so nett und füge Deinen Ratschlag hier ein. Ich finde ihn gut!

Mit Bastelkarton habe ich auch schon allerlei richten können. Zum Glück gibt es den ja in vielen Farbtönen, so daß die Verstärkungen nicht so sehr auffallen.

Was für mich bisher unlösbar - im Sinne des Wortes 😃 - ist, sind die schrecklichen Reparaturversuche und Verklebungen mit Tesa-Film. Schade um solche Schachteln! Gibt es einen Trick, den Klebefilm schonend von der Pappe zu lösen?

Fragt sich ratlos Claudia

#2 RE: Pappschachteln reparieren von Dieter Weißbach 17.04.2019 17:39

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Hallo Claudia,
von Richard kam zu diesem Thema auch schon einiges, das müssen wir heute abend mal zusammentragen.

#3 RE: Pappschachteln reparieren von BR12 17.04.2019 18:26

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Ich klebe ältere Verpackungen/ und neue mit verdünntem Weisleim und Papierstreifen wenn möglich wie bei der Verpackung von meiner 19.10

#4 RE: Pappschachteln reparieren von elaphos 18.04.2019 14:53

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Hab´s mal hierher verschoben, da hier ja auch die Beiträge "Reparatur von Packungen" und "Ersatzpackungen" sind. Könnte man auch alles zusammenführen.
Grüße, elaphos

#5 RE: Pappschachteln reparieren von kablech 18.04.2019 19:13

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Hallo Pappschachtel-Reparierer,
das ist ein weites Feld. Ich habe mal einen Wochenend-Volkshochschulkurs gemacht zum Thema Schachtelbau. Beim Beschaffen von Materialien z.B. bei Buchbindern kann man so einiges lernen. Ein Buchbinder hat mir erzählt, die Pappschachteln unserer Eisenbahnen der 30er/40er/50er Jahre waren weitgehend aus Strohpappe gemacht, also wirklich aus Strohfasern. Dementsprechend waren sie wenig haltbar. Aus meiner Kindheit weiß ich noch, dass diese Schachteln nicht lange gehalten haben, sie verloren die Form und sind eingerissen. Da wir damals Kohleöfen in der Wohnung hatten, sind solche kaputten Schachteln ihren Weg als Anfeuermaterial gegangen....

Die Buchbinder verwenden einen dünnflüssigen Weißleim (Planatol BB), der einem Holzleim wohl ähnlich ist. Er lässt sich gut verarbeiten, trocknet transparent auf und einige kleinere Falten ziehen sich nachträglich noch glatt. Allerdings enthält dieser Leim auch Wasser, was dazu führt, dass beim Kleben von Strohpappe hässliche Ränder entstehen.

Als Pappe wurde mir Finnpappe empfohlen, die gibt es in Tafeln 70x100 cm und in verschiedenen Stärken, weit verbreitet sind 1,5 und 3 mm. Es gibt sie in grau und hellbeige. Manchmal habe ich sie als Verstärkung in vorhandene Kartons eingeklebt.

Zum Deckpapier kann man wiederum einen Buchbinder befragen oder in den Kunsthandel gehen. Es gibt die sogenannte "Elefantenhaut", die sehr stabil ist, aber auch teuer. Günstiger ist leicht strukturiertes Papier vom Buchbinder, er hat es oft von der Rolle und schneidet einem dann gerne 1 oder 2 m ab. Die alten Papiere sind so gut wie gar nicht mehr zu bekommen. Ein freundlicher alter Buchbinder hat mich mal in sein Papierlager mitgenommen und wir haben zusammen gesucht, leider ohne Erfolg.

Eigentlich kann man es ruhig sehen, wenn wir eine Schachtel reparieren. Wir wollen ja keine Fälschungen herstellen....

Viel Erfolg wünscht
Karl

#6 RE: Pappschachteln reparieren von kablech 18.04.2019 19:41

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Noch was:
Eigentlich ist es immer dasselbe, was man von den Profis lernen kann. Material - Werkzeug - ein paar Tricks. Was ein Papier- und Pappeverarbeiter unbedingt braucht, ist ein Leim-Boy, so sieht er aus:



Man kann natürlich auch ein Einmachglas mit Schraubdeckel nehmen, in dem der Pinsel ständig drin bleibt. Aber das ist nicht so bequem.

Gruß
Karl

#7 RE: Pappschachteln reparieren von cmnhorsebreeder 18.04.2019 19:55

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Ja, das mit der Strohpappe wusste ich auch, Karl.

Ein Modellbahnkollege sucht die immer auf Flohmärkten, wo er alte Kartons und Passepartouts kauft. Die verarbeitet er dann beim Restaurieren von alten Schachteln.

Nein, fälschen möchte ich nichts. Und dem alten Karton kann man die Reparatur ruhig ansehen! Sie soll aber dezent sein und farblich in etwa passen.
Schrecklich finde ich Tesafilm!!! Wie kriegt man den bloß wieder ab? Warm machen mit dem Fön?? Und dann vorsichtig ziehen...??? Habe ich noch nicht probiert - traue mich nicht 😕

Freundliche Grüße von Claudia

#8 RE: Pappschachteln reparieren von kablech 18.04.2019 20:31

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Tesafilm ist wirklich schrecklich, besonders dann, wenn er alt und eingetrocknet ist und der Kleber sich schon von der Trägerfolie gelöst hat. Neueren Tesafilm und Klebeetiketten behandle ich mit Wärme, manchmal funktioniert es, manchmal nicht. Ich halte die betreffende Stelle an eine Glühlampe, am besten eine mit 100 W. Ich hab da noch ein paar Reserven....
Gruß
Karl

#9 RE: Pappschachteln reparieren von elaphos 19.04.2019 14:28

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Nie (!) Tesafilm oder andere Klebestreifen benutzen, keine Hart- oder Kontaktkleber.

Am besten eignet sich Holzleim bzw. Weißleim (z.B. Ponal, wobei wasserfestes Ponal weniger geeignet ist).

Fehlende Teile mit dem Original in Stärke, Farbe und Material entsprechenden Ausschnitten ergänzen. Diese lassen sich meist mit reichlich Weißleim stumpf einkleben.

Ggf. kann innen mit dünnem, aber kräftigem Papier verstärkt werden, auch wenn die Löcher der Klammern ausgerissen sind, können die Ausrissschlitze mit reichlich Weißleim zugekleistert und ggf. mit kleinen Papierstücken verstärkt werden.

Wenn eine Fixierung nötig ist, nehme ich diverse Klammern und Stecknadeln, auch eckige schwere Metallblöcken wie Hammerköpfe, zwischen denen ich die Klebestellen einklemme, eignen sich.

Verzogene Schachteln begradige ich durch Anfeuchten und Auflegen von Metallstücken. Dazu halte ich einige Messing- und Stahlblöcke im Vorrat.

Auf den Tisch unter die zu begradigen Teile und unter die Metallblöcke lege ich Plastikfolien, besonders wenn gleichzeitig geklebt wird, damit die Teile nicht am Tisch oder Metall festkleben. Die (vorher saubere) Plastikfolie lässt sich meist gut abziehen.

Schwierig ist es oft fehlende Papier- oder Kunstlederaufkleber zu ergänzen. Da hilft nur langes Suchen in Spezialgeschäften oder im Internet. Manchmal kann man auch aus zwei oder mehr desolaten Schachteln eine brauchbare machen.

In Erwartung weiterer Ergänzungsbeiträge verbleibe ich mit freundlichen Grüßen,
elaphos

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