#1 Chrom Lithografiert ? von null.komma.nix 26.09.2019 08:08

Guten Morgen,

ich bin auf diesen Begriff i.Z.m. Altersbestimmung eines Waggons von Bing gestossen, kann damit aber nichts anfangen.
Bitte daher um Hilfe.

Viele Grüsse
Stefan

#2 RE: Chrom Lithografiert ? von cmnhorsebreeder 26.09.2019 09:14

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Im Bereich der Blechspielzeuge löste die Chromolithographie die Handlackierung ab.
Damit änderte sich aber auch der gesamte Herstellungsprozess von Blechspielzeugen.

Bei handlackierten Stücken wurde zuerst aus dem Blech die dreidimensionale Form erstellt, dann wurde diese farbig gefasst.
Bei chromolitographierten Stücken wurde zuerst die Farbe in mehreren, aufeinander folgenden, Steindrucken auf das flache Weißblech aufgetragen - dabei Schwarz zuerst und dann die jeweils helleren Farben, Weiß zuletzt. Danach wurden die Bleche gestanzt und/oder in Form gepesst, gefalzt und zusammengesetzt.

Die Chromolithographie wurde 1837 erfunden und revolutionierte die Druckerei. Nun konnten farbige Abbildungen industriell hergestellt werden. Besonders im Papierdruck - Zeitungen, Zeitschriften, Plakate, Kartonagen - war die Chromolithographie die Drucktechnik der Wahl. Sie behielt diese herausragende Bedeutung bis in die 1930er Jahre.

Zur Datierung der Herstellung von altem Blechspielzeug kann zu Rate gezogen werden, wann der jeweilige Hersteller von der Handlackierung auf die Chromolithographie umgestellt hat. Das ist aber von Hersteller zu Hersteller verschieden und muß aus der Firmenhistorie erfragt werden.

Hochwertige Blechspielzeuge erhielten noch lange nach Einführung der Chromolithographie ihren Farbauftrag per Hand. Preiswertes Spielzeug wurde von Anbeginn aus lithographiertem Blech hergestellt - siehe z.B. die Bing-Tischbahn.

Freundliche Grüße von Claudia

Ach, anzufügen wäre noch folgendes:
"chromo" als Wortbestandteil kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Farbe".
Es hat also nichts mit dem Metall Chrom zu tun - jedenfalls nicht direkt, wenn man sich nicht in die etymologische Herkunft des Wortes vertiefen will...

#3 RE: Chrom Lithografiert ? von null.komma.nix 26.09.2019 22:48

Guten Abend Claudia,

ja Danke für die umfassende Erläuterung.

Viele Grüße
Stefan

#4 RE: Chrom Lithografiert ? von Lorbass 28.09.2019 08:54

Hallo Claudia,

wie kommst Du auf das Jahr 1837?Da war Alois Senefelder schon 3 Jahre tot.Erfunden hat er es 1797.

Viele Grüße
Frank

P.S. Ich hab nochmal nachgeschaut,der Begriff Chromolithographie stammt tatsächlich von 1837 von Godefroy Engelmann welches er sich im gleichen Jahr patentieren lies.

#5 RE: Chrom Lithografiert ? von Udo 28.09.2019 14:13

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Also, dass Senefelder die Chromolithografie erfunden haben soll, ist mir neu und ich kann das auch nicht im Beitrag von Claudia lesen. Senefelder hat 1796 die Lithografie erfunden. Engelmann 1837 die Chromolithografie. Dazwischen gab es noch den Mosaikdruck.

Beim Mosaikdruck wurden Farben als winzige Kästchen nebeneinander gedruckt und bewirkten ein farbiges Bild. Engelmann hat dann die Farben teilweise übereinander gedruckt und die farbigen Flächen im Verlauf aufgelöst. Er hat also einen Teil der Farbe nur noch als Striche oder Punkte verwendet, teilweise auch nur als gerade, geschlängellte oder kreuzweise gezeichnete Striche oder kleine und größer werdende Punkte, im Verlauf mehr oder weniger werdend, und diese Striche und Punkte auf zuvor gedruckte andere farbige Fläche aufgedruckt, so dass eine farbige Schattierung entstand. Die Schattierung, das war das A und O.

Später entstand noch der Polychrom-Druck auf Blechen. Hier wurden einige Farben verwendet, die eine bestimmten Glanzeffekt hatten und dadurch eine in etwa dreidimensionale Gestaltung bewirkten, also beispielsweise Leute in einem Waggon, die scheinbar etwas weiter von der Fensterscheibe sitzend wirkten, obwohl alles vorne flach auf das Blech aufgedruckt worden war. Polychrom-bedruckte Bleche wurden seinerzeit verstärkt für Blechschilder mit aufgedruckter Werbung verwendet, bis die Prägeschilder aufkamen.



Und noch etwas: Man spricht immer von "Steindruck". So war das auch am Anfang, dass man Platten vom Sollnhofer Schiefer nahm, weil die besonders geeignet waren, durch Vorbehandlung da, wo man es wollte, die Farbe aufnahmen und an das Papier abgaben. Aber schon nach einiger Zeit wurden Metallbleche verwendet, die die gleiche Eigenschaften hatten und auf Rotationswalzen gespannt wurden.

Die lithografisch bedruckten Bleche der Eisenbahnwaggons sind alle auf Rotationsmaschinen bedruckt worden. Man sprach aber immer noch von "Steindruck", um den Anschein von schwerer Arbeit vorzutäuschen.

Schönen Gruß
Udo

#6 RE: Chrom Lithografiert ? von Lorbass 28.09.2019 15:11

Hallo Udo,

ich habe doch im Nachsatz geschrieben das Engelmann der Erfinder der Chromolithographie ist.

Wie eine Druckmaschine funktioniert weiß ich zufällig.

Grüße
Frank

#7 RE: Chrom Lithografiert ? von Udo 28.09.2019 15:13

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Frank, ich habe das nicht wegen dir geschrieben, sondern allgemein, also für alle, die nicht unbedingt wissen, wie man damals gedruckt hat.
Schönen Gruß
Udo

#8 RE: Chrom Lithografiert ? von sammelwahn 28.09.2019 16:15

Zitat von Udo im Beitrag #5


Und noch etwas: Man spricht immer von "Steindruck". So war das auch am Anfang, dass man Platten vom Sollnhofer Schiefer nahm, weil die besonders geeignet waren, durch Vorbehandlung da, wo man es wollte, die Farbe aufnahmen und an das Papier abgaben. Aber schon nach einiger Zeit wurden Metallbleche verwendet, die die gleiche Eigenschaften hatten und auf Rotationswalzen gespannt wurden.


Schönen Gruß
Udo


Solche Bleche kann ich zeigen. Vor kurzem habe ich ca 100 Bleche einem Schrotthändler abschwatzen können. Alle aus den 30ern. Sind für Prospekte und Werbungen verwendet worden.





mit bestem Gruß
Arne

#9 RE: Chrom Lithografiert ? von Lorbass 28.09.2019 16:29

Hallo Arne,

dass sind Matrizen für den Hochdruck.(Buchdruck)Offsetplatten sind aus 0,3 / 0,4 cm starken Aluminiuum die polymer beschichtet sind,ganz selten werden Bi oder Tri Metallplatten verwendet,diese werden wenn die Auflage sehr hoch ist genommen.

Grüße
Frank

P.S. Die Platten werden nicht auf Rotationswalzen gespannt sondern auf einen Plattenzylinder.Die Farbe wird von der Platte auf ein Gummituch übertragen und von dort auf das zu bedruckende Material.

P.P.S. Der Begriff Rotationsdruck wird eigentlich nur beim Rollenoffsetdruck verwendet.

#10 RE: Chrom Lithografiert ? von Udo 28.09.2019 17:05

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Hallo,

jetzt, wo der Arne alte Druckplatten zeigt, ist mir eingefallen, dass ich nicht nur alte Hochdruckplatten für die Zeitungswerbung von Brauereien habe, sondern auch zwei alte Lithosteine für den Druck von Etiketten.



Allerdings ist es hier so, dass mit dieser Platte schon nicht mehr gedruckt wurde, sondern sie diente nur noch als Archiv, im Keller zwischen alten Sackleinen aufbewahrt.
Von dem Motiv wurde ein Bild gedruckt und von diesem nach dem eventuellen Retuschieren, also Fehler ausmerzen oder Text ändern usw., ein Negativ gemacht und das Negativ auf eine beschichtete Druckplatte übertragen und so die Lithografie hergestellt. Wie man sehen kann, ist auch rechts ein weiteres Bild des Bier-Etiketts zu sehen. Das ist die zweite Farbe des Etiketts. Auch davon wurde ein Negativ hergestellt, auf eine weitere Platte übertragen und die zweite Farbe auf die erste gedruckt.

Man konnte übrigens jede Menge Farben übereinander drucken (wenn man es dann konnte, denn das war nicht so einfach. Die Maschinen mussten topp ausgerichtet laufen und auch technisch topp in Schuss sein, sonst hatte man verdruckte Bilder). Berühmt für viele verschiedene Farben waren die Sammelbilder von Liebig-Fleischextrakt.

@sammelwahn Arne, diese Platten von dir sind doch anscheinend etwas für euer Industriemuseum in Hagen. Man könnte davon mal schwarzweiße Probedrucke machen.

Schönen Gruß
Udo

#11 RE: Chrom Lithografiert ? von cmnhorsebreeder 29.09.2019 11:49

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Nur noch mal zum Verständnis des Begriffes:

Der Wortbestandteil "litho" kommt aus dem Griechischen und bedeutet Stein. Ebenso der Wortbestandteil "graphie", der vom griechischen Wort "graphein" kommt, das Schreiben bedeutet.

Ich habe zwar vorzüglich Latein gelernt in der Schule, aber in Altgriechisch nur einen Grundkurs gemacht. Wer's genauer wissen will, frage elaphos - der ist Altsprachler!

Freundliche Grüße von Claudia

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