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#51 RE: Spielzeug-Eisenbahnen vor 1869, etwas Licht ins Halbdunkle von HeinzMan 27.10.2020 22:51

Hallo Udo,

Freiwirtschaftslehre ist ein interessanter Gedanke. Auch in jüngster Zeit, auch bei uns, gibt es verschiedene Bestrebungen, eine gleichmäßigere Verteilung der Güter und Finanzen herzustellen. Grundeinkommen. Viele Menschen habe sich beworben. Millionen von Menschen. Um zu zeigen, dass es vielleicht doch Alternativen gibt?

Nur, wir sind kein politisches oder weltwirtschaftliches Forum.

Ich erinnere mich an einige Beiträge zur Währung und deren Umrechnung. Das wäre vielleicht etwas für ein eigenes Thema?

Herzliche Grüße
Heinz

#52 RE: Spielzeug-Eisenbahnen vor 1869, etwas Licht ins Halbdunkle von Eugen & Karl 28.10.2020 00:29

Hallo,

zu # 49:

60 Kreuzer ergeben einen Gulden.

Findet man nach dem Komma nur Zahlen bis 59, dann könnte die Währung Gulden sein.


Viele Grüße

#53 RE: Spielzeug-Eisenbahnen vor 1869, etwas Licht ins Halbdunkle von elaphos 28.10.2020 15:44

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Ja, genau.
Die Bezeichnung auf den Listen (#33 und #38) vor den Preisen ist "fl" = "Florentiner", in Deutschland "Floren", eine nicht nur in Deutschland gängige Bezeichnung für Gulden, abgeleitet vom lateinischen floren aureus. Die Abkürzung fl war international gebräuchlich.
Gulden waren übrigens nicht unbedingt aus Gold, es gab auch Silbergulden, Einteilung auch hier in 60 Kreuzer.
Grüße von elaphos

#54 RE: Spielzeug-Eisenbahnen vor 1869, etwas Licht ins Halbdunkle von Udo 29.10.2020 21:22

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Zum Vergleich des Gehalt: 10.5.1855: Die Witwe des bei dem Eisenbahnunfalls bei Hochstadt bei Frankfurt tödlich verletzten Lokomotivführer Bauer erhält 300 fl von der Direktion, die Hälfte des jährlichen Einkommens des Lokführers. Das waren für den Lokomotivführer monatlich 50 fl, also etliches mehr als Johann Lorenz Götz mit seinen 20 fl erhielt.

#55 RE: Spielzeug-Eisenbahnen vor 1869, etwas Licht ins Halbdunkle von HeinzMan 29.10.2020 23:35

Hallo Udo,

handelte es ich um eine Rente oder war es eine Einmalzahlung?

Herzliche Grüße
Heinz

#56 RE: Spielzeug-Eisenbahnen vor 1869, etwas Licht ins Halbdunkle von Udo 30.10.2020 00:01

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Ja, das war eine jährliche Rente. Da lebte der Heizer noch. Der starb erst später im Krankenhaus. Voll von heißem Wasser verbrannt. Schrecklich !

#57 RE: Spielzeug-Eisenbahnen vor 1869, etwas Licht ins Halbdunkle von HeinzMan 30.10.2020 00:06

Udo, ich möchte nochmals anfragen. Gab es damals schon eine Witwenrente auf Lebenszeit?

#58 RE: Spielzeug-Eisenbahnen vor 1869, etwas Licht ins Halbdunkle von Udo 30.10.2020 11:07

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Das weiß ich nicht. Ich denke aber, das war seinerzeit so geregelt:

Die Witwen verstorbener Firmeninhaber bekamen die Firma. Das Meisterrecht wurde indirekt auf die Frau übertragen, sie gehörte damit weiter der Zunft an und mindestens ein Geselle arbeitete und übernahm die Geschäftsführung, sofern es die Witwe nicht wollte oder vermochte. Das war dann die Rente für die Frau. Heiratete die Frau erneut, verlor sie das Meisterrecht auf die Werkstatt, es sei denn, der neue Mann gehörte dem gleichen Berufsstand an. Bei der Flaschner-Dynastie Büchner war das einmal indirekt der Fall.

Bei der Bahn arbeiteten in den oberen Positionen, also auch zumindest als Lokführer, Beamte. Die bekamen eine Pension.

Ursprung zu allem waren die Knappschaften ab etwa 1300. Sie dazu:

https://www.kbs.de/DE/UeberUns/Geschicht...ichte_node.html


Schönen Gruß
Udo

#59 RE: Spielzeug-Eisenbahnen vor 1869, etwas Licht ins Halbdunkle von elaphos 30.10.2020 15:25

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Die Witwe meines an einem Hitzschlag im Dienst als Bahnhofsvorsteher im 19. Jahrhundert verstorbenen Urgroßvaters bekam nur eine sehr kleine Rente, die nicht zum Leben ausreichte, so dass sie sich und ihre vier Kinder mit Näharbeiten durchbringen musste. Mein Großvater ging daher frühzeitig in die Lehre und wurde Buchdrucker. Wie hoch die Rente meiner Urgroßmutter war, ist leider nicht überliefert.
Mit Grüßen von elaphos

#60 RE: Spielzeug-Eisenbahnen vor 1869, etwas Licht ins Halbdunkle von Udo 30.10.2020 23:05

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Hallo,

heute sind mir im Gesamtbeitrag drei Dinge aufgefallen, die kommentiert werden sollten. Zum einen ist es etwas zum Beitrag #33 von lollo. Dort wird ein Bild abgebildet aus einem Ausstellungskatalog der 1. Deutschen Industrie-Ausstellung in München 1854. Die Seite wird gezeigt wegen des Hinweises auf die Spielzeugfirma Rock & Graner aus Biberach. Aber da gibt es noch etwas Hochinteressantes, dass mir erst heute aufgefallen ist. Eine Abteilung weiter gibt es den Kinderspielwaarenfabrikant C. F. Dieterich aus Ludwigsburg.

Dieser Fabrikant erwähnt bei den von ihm fabriziertem Spielzeug, das 6 Bereiche umfasst, zuvor auch 6 wohl dazugehörende Tafeln: "Ein Sortiment Kinderspielwaaren in sechs Tafeln". Diese "Tafeln" sind nichts anderes als Kataloge, die man zu verschiedenen Preisen erwerben konnte, weil die Kataloge einen unterschiedlichen Umfang hatten. Die Preise für diese sechs Kataloge werden in der Anzeige aufgeführt.

Zu solchen Katalogen möchte ich hier etwas schreiben. Handschriftliche Auflistungen von Spielzeug hatten die Handelsagenten, so nannte man die Vertreter früher, schon immer. Man konnte sich diese auch per Post zusenden lassen. Bedeutend angefangen hatte die Katalog-Ausgabe mit dem Berliner Spielwarenhändler P. C. Catel, der ab 1785 bis 1790 ( in dem Jahr starb er) eine Aufzählung von Spielzeug publizierte, welches er vertrieb. 1790 wurde der Katalog durch mehrere Bildtafeln erweitert (nicht-kolorierte Kupferstiche).

1785 erwähnt Catel beispielsweise: "Die große Feuerspritze wird gut verkauft". So ein Fahrzeug ist natürlich der Traum jedes Feuerwehr-Sammlers. Nach dem Tod ihres Mannes versuchte die Witwe Catel noch zwei Jahre lang, das Geschäft weiterzuführen, verkaufte es aber 1793 an den Georg Hieronimus Bestelmeier aus Nürnberg. Dieser übernahm das gesamte Lager und gab in diesem Jahr einen entsprechenden Katalog heraus, allerdings erst einmal ohne Abbildungen. Die nachfolgenden Erweiterungen seines Kataloges enthielten aber immer mehr Bilder der Spielzeuge, die er vertrieb. Insgesamt waren es über 1000 Objekte.

Anscheinend lief das Geschäft für Bestelmeier nicht so, wie er sich das erhofft hatte und veräußerte 1813 alles an den Frankfurter Spielwarenhändler Johann Valentin Albert. Der erweiterte sein Angebot auf insgesamt 2059 Positionen. Das gesamte Angebot wurde "Hieronimusisches Warenlager" genannt. Ein riesiger Nachteil aus heutiger Sicht ist, dass nie ein Hersteller des Spielzeug genannt wird. Aus Sicht des Händlers ist das natürlich verständlich.

Der Spielwarenverleger Johann Simon Lindner aus Sonneberg ging einen Schritt weiter und veröffentlichte 1829 ein "Musterbuch". In diesem Katalog waren die lieferbaren Spielzeuge in den Umrissen per Steindruck abgebildet und wurden von Hand coloriert, später auch mit Schablonen.

Solche Musterbücher erleichterten den Handelsagenten, die die Spielwarenhandlungen aufsuchten, die Arbeit ungemein, mussten sie nun nicht mehr riesige Koffer mit eingepacktem Spielzeug zu den jeweiligen Geschäften wuchten, sondern konnten alles wunderschön in einem Katalog mit farbigen Abbildungen zeigen.

Wenige Jahre später, 1834, versandte der Kunstmaler Peter Carl Geissler aus Nürnberg Werbebriefe mit Beifügung eines Beispiel-Musters ("getreue Abbildung beiliegend") an viele Nürnberger Fabrikanten und Händler, um sie zu ermuntern, solche von ihm angebotene Musterblätter zu kaufen. Die 1. Lieferung sollte 10 Blatt umfassen und 1 Gulden 30 kosten.

Seine Idee kam vor allem wegen der Qualität der Abbildungen gut an, und so waren 1836 die ersten 100 Blatt mit der Darstellung von über 1000 Erzeugnissen hergestellt. Leider zeigen sie nur auf drei Seiten Spielwaren, darunter diesen in Beitrag #27 gezeigten Adler-Zug. Alles andere waren sonstige Waren, die in Nürnberg fabriziert wurden.

Die 1853 angebotene Neuauflage "für Exporteure und Händler"mit 100 Blatt kostete 23 Gulden, wurde aber jetzt vom Verleger Scharrer aus Nürnberg vertrieben.

Auch andere Firmen nutzen diese Möglichkeit der Darstellung ihrer Waren. In Biberach gab es den Spielwarenhersteller Gottfried Striebel, der bereits 1845 (nach anderen Quellen um 1850) einen gebundenen 14-seitigen Katalog mit handkoloriertem Spielzeug herausbrachte. Und auch die Firma Rock & Graner haben zu dieser Zeit zwei in unterschiedlichen Jahren hergestellte Musterbücher als Lose-Blatt-Sammlung herausgebracht. Die befinden sich in Stuttgart im Baden-Württembergischen Landes-Museum und sind von einem Super-Dilettanten fotografiert worden, der die ganzen Blätter durcheinander gebracht hat, so dass man danach nicht mehr wusste, welches Blatt zum älteren und welches zum jüngeren Katalog gehört. Das Neueste dazu ist aber ein Glücksfall, denn im Spielzeugmuseum Sonneberg ist jetzt ein solcher Katalog von Rock & Graner eingetrudelt, der helfen kann, die Unordnung zu beseitigen.

Zum anderen ist mir aufgefallen, dass es zu den Bildern im Beitrag #27 Anmerkungen notwendig sind. Das ist einmal das letzte Bild mit der grünen Lok und dem roten und gelben Wagen. Die dürften nämlich eventuell nicht von Rock & Graner sein, denn die diversen Anhänger von R&G sahen auf den Musterblättern anders aus. Oder es ist so, dass Lok und Wagen zeitlich nicht korrekt zusammen passen.

Beim vorletzten Bild ist mir erst jetzt aufgefallen, dass die hinten rechts stehende Lok mit dem gelben Wagen eine andere ist als auf den vorherigen Bildern. Hersteller? Mir unbekannt.

Schönen Gruß
Udo

#61 RE: Spielzeug-Eisenbahnen vor 1869, etwas Licht ins Halbdunkle von Udo 31.10.2020 17:54

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Ergänzend zu dem Hinweis auf den Spielwaren-Katalog von P. C. Catel habe ich hier gefunden, dass Abbildungen im Katalog erst 1798 gezeigt wurden:

http://www.zinnfiguren-bleifiguren.com/F...tel_Berlin.html

Diese alten Kataloge gibt es als Nachdruck:

Thomas Stauss
Frühe Spielwelten. Zur Belehrung und Unterhaltung

In Bezug auf alte Bleifiguren und Zinnfiguren bestimmt ein interessantes Nachschlagewerk.

Ich habe mir bei booklooker ein gebrauchtes Buch bestellt. Da kann man bei einem der Anbieter sofort mit PayPal bezahlen, und zudem war der Versand schon im Kaufpreis einbezogen.

Hier einige Berichte über dieses Buch:

https://www.amazon.de/Fr%C3%BChe-Spielwe...iews/395240389X

und hier eine Rezension:

https://librum-publishers.com/rezension-...hichte-berlins/


Das dürfte ja etwas Interessantes zu sein. Bisher ist mir dieses Werk nie aufgefallen.
Und es scheint so zu sein, dass Catel im Januar 1791 starb, seine Witwe das Geschäft weiterführte, aber nicht an Bestelmeier verkaufte, sondern Bestelmeier gab im Hinblick auf den Erfolg Catels 1793 einen eigenen Katalog heraus.

Schönen Gruß
Udo

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