#1 Dem Altmetall verfallen von Oxytocin 06.08.2013 22:55

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Tischbahnen nach Vorbild der Märklin Schauanlagen mit möglichst allem drauf, was aus diesem Haus zeitgenössisch erhöltlich war, finde ich spannend und genieße jede Gelegenheit, mir so etwas anzusehen. Dennoch plane ich meine eigene Anlage etwas anders, weil mich auch die frühen Anleitungen zum Bau von Modellbahnanlagen mit einfachen Mitteln reizen. Sicher kann man heute Anlagen ganz anders gestalten, weil es eine schier unglaubliche Vielfalt an Materialien und Artikeln gibt.

Der Gedanke der Beschränkung auf das, was in den Nachkriegsjahrzehnten zum Bau einer kleinen Eisenbahnillusion zur Verfügung stand, kam mir aus mehreren Gründen. Zum einen ist das handwerklich alles zu bewältigen und erlaubt schnelle Fortschritte. Zu den Menschen, die reichlich Zeit haben, zähle ich leider nicht.

An zweiter Stelle stehen die Ausgaben. Zwar habe ich das Haus, in dessen Keller ich eine stattliche Anlage unterbringen kann, aber es gehört noch der Bank und das erfordert die strenge Einhaltung eines vergleichsweise bescheidenen Budgets. Rohmaterialien nach Art der 60er sind auch heute überall erschwinglich.

An dritter Stelle steht der nostalgische Charme und die Patina, die Teile aus dieser Zeit umweht. Das betrifft die längst nicht mehr alltäglich anzutreffenden Fahrzeuge dieser zeit genauso, wie die Staubschicht auf allem, was 40 Jahre auf Dachböden oder in Kellern herumgelegen hat. Diese Originalschachteln mit ihrer unverwechselbaren Gestaltung verheißen auch heute noch reines Spielvergnügen. Man mag es Fetischismus nennen, sei's drum. Dann bin ich eben Pappfetischist. Ich kann mir schlimmeres vorstellen. Und damit meine ich nicht den Zauber, der vom Geruch nach verbranntem Öl, den markanten Geräuschen von Blechgleisen und Magnetspulenantrieben ausgeht. Das alles ist neben der unverwechselbaren und viel zitierten "modellgerechten" Gestaltung noch harmloses Symptom des Modellbahnvirus.

An vierter Stelle kommt nämlich der Ehrgeiz, neues zu schaffen aus Schrott und Resten, das sich in den zitierten Charme einfügt, als sei es zeitgenössisch entstanden. Dazu muss man sich ganz auf die Vereinfachungen einlassen, die dem Spielzeug seinerzeit zugemutet wurden, damit es robust genug und dennoch alle Einzelheiten andeutend seinen Dienst verrichten konnte. Hier wird dem Spielzeug mehr als der Wirklichkeit Rechnung getragen. Das mag jene befremden, die historisch korrekte Modellbahnerei betreiben wollen oder schlicht einer Sammelleidenschaft frönen.

Fünftens möchte ich mich an der Landschaftsgestaltung versuchen und beweisen, dass ich ein geschultes Auge habe für Geländeformationen, Kunstbauten und Streckenführung. Meine Anlage soll ganz anders als die Schauanlagen viele versteckte Bereiche haben, aus denen Züge wie aus weiter Ferne auftreten können und in die sie entschwinden können, ohne den Verdacht, dass sie gleich am anderen Ende wieder auftauchen werden. Hierfür beschränkt sich das Anlagenthema auf den Anschluss einer Nebenbahn an eine Hauptstrecke. Ganz zufällig ist dieser Anschluss zu einer Vielzahl von Abfertigungsgleisen aller möglichen Transportgüter herangewachsen und zeigt einen Höhepunkt des Bahnverkehrs, den es historisch nicht gegeben haben muss. Der Großteil der wenigen und überwiegend gewerblichen Gebäude wird daher im Eigenbau entstehen müssen.

Nun seid ihr mit der Planungsgrundlage meiner Modellbahnanlage vertraut. Umso mehr wird es euch wundern, dass ich trotzdem einen Computer zur Steuerung der Anlage einsetzen will. Dies jedoch so verdeckt, dass die Illusion einer alten Anlage erhalten bleibt und lediglich die Betriebssicherheit gewährleistet wird. Gerade die verdeckten Streckenbereiche sind mir sonst zu fehleranfällig. Gesteuert wird die Strecke, nicht die Lok - also nicht digital im Sinne der Herstellerphilosophie, auch wenn ich lange diesen Gedanken erwogen hatte. Zum Schluss halte ich es immer noch für wichtiger, die Strecke zu sichern, als der Lok Zirkuskunststücke beizubringen. Eine heute ebenfalls schon nostalgisch anmutende Steuerung von Gahler+Ringstmeier wird diese Aufgabe unter MS-DOS übernehmen.

Sollte jemand Teile anbieten können, die in dieses Planungsschema passen, freue ich mich sehr über Privatnachrichten. Hier im Forum bevorzuge ich dagegen die fachliche Diskussion über Möglichkeiten der Umsetzung und detaillierte Planungsaspekte.

#2 RE: Dem Altmetall verfallen von Oxytocin 15.04.2017 14:40

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Kaum vier Jahre später habe ich Fortschritte zu meiner Anlage zu vermelden. Nein, es fahren noch keine Züge. Was ich habe, sind alle Materialien zur Gestaltung des Raums an Decke und Wänden. Dazu kam auch jede Menge neues Rollmaterial, das die künftigen Züge vervollständigt. Eine Inventur aller Gleise und betriebsfähigen Weichen und Signale, hat ebenfalls Zeit gefressen.
Dennoch gibt es auch etwas Vorzeigbares. Die Grundabmessungen der Anlage sind endlich soweit festgelegt, dass schon einmal mit der Planung des Schattenbahnhofs begonnen werden konnte. Auch wenn das nur der erste Entwurf ist, unterscheidet er sich doch sehr von den Entwürfen, die ohne Raumvorgabe entstanden waren.



Im grünen Bereich liegt die sichtbare Paradestrecke. Damit Züge hier mit Reisegeschwindigkeit verkehren können, bedarf es einer Beschleunigungs- und Bremsstrecke, die der Zug als solche nutzt, während er nicht mehr sichtbar ist. Erst danach fädelt er sich in den Schattenbahnhof ein (um mit anderer Lok oder in Gegenrichtung erneut die Paradestrecke zu befahren) oder er verlässt die Anlage über die Ausfahrt oben links. Der "Paradeverkehr" erfordert also einen Bediener der Anlage im Hintergrund oder eine Automatik mit einer geringeren Zahl von wiederkehrenden Zügen.

Zusätzlich benötigt der Schattenbahnhof zwei Auffahrten in den oberen Sichtbereich. Dort werden Güterzüge im manuellen Betreb gebildet und zerteilt. Sie können anschließend auf der Paradestrecke wieder zum Vorschein kommen. Außerdem soll an diesem Übergabebahnhof eine Bergstrecke ihren Ursprung haben. Züge der Bergstrecke sollen allerdings genauso verschwinden können. Dazu wird eine Verbindung zur angedeuteten Gleiswendel hergestellt. Überhaupt liegt in der Möglichkeit, Züge zu verstecken und klammheimlich von der Strecke zu entfernen, der ganze Clou eines simulierten, größeren Verkehrszusammenhangs, von dem der sichtbare Anlagenteil nur ein kleiner Ausschnitt ist. Statt dicht gedrängtem Treiben kann somit eine Beschaulichkeit im Sichtbereich Einzug halten, die ich mir von einer kunstvoll gestalteten Anlage erwarte. Es kommt mir nicht nur auf die Menge von Zügen an, sondern auf eine erzählbare Story zum Geschehen.

Ganz in diesem Sinne haben die Örtlichkeiten inzwischen Namen erhalten. Der Übergabebahnhof wird Brömmel heißen. Die Haltestelle des höher gelegenen Nachbarortes soll Oberhiller heißen, Die beiden Orte konkurrieren um Aufmerksamkeit, obwohl sie eigentlich nicht ohne einander können. So ist das eben, wo Menchen leben und arbeiten. Die Paradestrecke verbindet weiter entfernte Orte, die nicht der Darstellung auf der Anlage bedürfen. Der Verkehr ab Brömmel bedient aber mehrere angedeutete Orte teils mit Personennahverkehr, teils mit Güterverkehr. Somit ergibt sich seine Bededutung als Zusammenkunft von Pendlern, Arbeitern und Reisenden, die sich in dieses Kleinod deutscher Arbeitstugend verirren.

#3 RE: Dem Altmetall verfallen von elaphos 15.04.2017 14:56

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Sehr viele gute Ideen! Wir dürfen auf den Betrieb gespannt sein.
Als Bahnhofsname würde sich m.E. auch Malsen oder Gesgendorf, auch Döbergow bzw. Dallwitz anbieten.
Frohe Ostern und viele Grüße von elaphos

#4 RE: Dem Altmetall verfallen von Oxytocin 15.04.2017 15:14

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Danke für die Unterstützung bei der Namensfindung. Ich habe allerdings bewusst auf Zusammenhänge mit real existierenden Personen und Orten verzichtet, weil ich hoffe, dass diese Anlage auch über mein Ableben hinaus erhalten bleiben wird.
Der Ort Brömmel ist nicht zuletzt fiktiv, weil er der virtuellen Welt näher sein soll, als der realen. Unglaubliches soll sich hier ereignen können, da es nicht mehr viele Orte gibt, an denen die Gedanken frei sind. Jeder Realitätsbezug darf nur insofern bestehen, als er durch die Hersteller der verwendeten Modelle schon gegeben oder in der Erinnerung der Betrachter abrufbar ist.
Ich habe keine Ahnung vom historischen Betrieb der Deutschen Bundesbahn. Ist aber auch egal, denn ich finde hysterischen Betrieb viel reizvoller .

#5 RE: Dem Altmetall verfallen von Oxytocin 19.10.2017 01:20

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Guten Tach,

Mal was Elektrisches zu Brömmel. Die Steuerung von Gahler+Ringstmeier regelt die Fahrtrichtungsumschaltung eines Zuges durch Umpolung des Gleichstroms am Gleis. Nur auf diese Weise "weiß" der PC, welche Weiche als nächste überquert wird. Also muss ich die Loks "gleichstromfähig" machen und Doppeltrennstellen ins M-Gleis einbauen. Ich pole den Mittelleiter gegen die Außenschienen um und bleibe beim Schleifer. Das ist im Prinzip nicht schwer. Da baut man zwei Dioden ein und gut.

Allerdings möchte ich trotzdem die 280er Trafos im Rangierbereich einsetzen, wo die PC-Automatik nichts verloren hat. Also muss der Umschaltimpuls des Trafos ein Bistabiles Relais umlegen, das die gleichgerichtete Fahrspannung umschaltet. Das ist auch noch kein Hexenwerk.

Aber: Ich würde meine Loks gerne auch auf ganz normalen Analoganlagen einsetzbar halten. Wie mach ich das? Mit nem 2-poligen Umschalter oder einer Codierschaltbrücke? Möglichst einfach natürlich, denn es sind ein paar Loks umzurüsten.

#6 RE: Dem Altmetall verfallen von elaphos 19.10.2017 12:35

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Du brauchst nur einen doppelpoligen Umschalter, der die beiden Drähte von der Feldspule zwischen den beiden Dioden und den beiden Anschlüssen am FRU umschaltet. In einer Schalterstellung ist der FRU in Aktion, in der anderen die beiden Dioden. Wenn Du willst, mache ich Dir das. Dioden habe ich genug, Du musst nur bei den Loks sagen, wo der Umschalter hin soll.
Grüße, elaphos

#7 RE: Dem Altmetall verfallen von Oxytocin 19.10.2017 14:12

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Vielen Dank für's Angebot, elaphos,

Ich bin noch am Überlegen, wie man das miniaturisiert, denn nicht in allen Loks ist ausreichend Raum vorhanden. Bei Loks, die nicht leicht zu öffnen sind, macht man den Schalter lieber von außen zugänglich. Ob man dafür dann eine Pinzette o.ä. braucht, ist eher zweitrangig.

Was sich so alles Subminiatur-Schalter nennt, ist doch immer noch recht klobig. Möglicherweise tut man sich mit einer Jumper-Lösung doch leichter. Sechs Pins und zwei Jumper sind erforderlich, wenn ich dich richtig verstehe. Die Dioden ließen sich wohl meistens ganz dicht am Motor anlöten.

Jetzt hab ich das zu zeichnen versucht, und stelle fest, dass man den Schleiferpol eigentlich gar nicht umschalten muss. Brauche ich ganz sicher eine zweipolige Umschaltmöglichkeit? Genügt es nicht, den Umschalter von Masse zu trennen und auf die Dioden umzuschalten, um ihn lahmzulegen?



Abgeleitet hab ich das von einer Abbildung aus einer mir inzwischen nicht mehr bekannten Quelle:



Edit hat dann nochmal geholfen, die Zeichnung zu vereinfachen und eine fahrtrichtungsabhängige Beleuchtung einzufügen. Das Umschaltrelais zu isolieren, geht mit Isolierpapier und Nylonschrauben. Ich hoffe, die gibt es in M2,5 oder was da halt für ne Schraube sitzt.



Hab ich einen Denkfehler drin?

#8 RE: Dem Altmetall verfallen von elaphos 20.10.2017 13:27

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Nein, den Schleiferpol muss man nicht umschalten.
Die unterste Schaltung ist bestechend, aber so brennt die rechte Birne bei Gleichstrom immer. Es geht übrigens auch, ohne dass der ganze FRU isoliert sein müsste. Einfacher ist es, wenn an den Motor (wo auf der Zeichnung die Dioden angelötet sind) der Mittelpol des doppelpoligen Jumpers (oder des Wechselschalters) angeschlossen wird. Die beiden gegenpolig zusammengelöteten Dioden müssen an Masse, die anderen Diodenenden kommen an die eine Seite des Jumpers, die anderen Jumperseiten gehen zu den beiden FRU-Wechselkontakten. Die FRU-Spule bleibt wie original mit dem einen Ende am Schleifer bzw. der "Hauptlötstelle" an der linken Motorbürste, das andere Ende bleibt an Masse. Damit bleibt die FRU-Spule zwar im Gleichstrombetrieb unter Strom, was aber wegen des dabei fehlenden Stromstoßes und des relativ hohen Spulenwiderstandes (ca. 100Ohm bei max. 16V = max. 160mA) unbedeutend sein dürfte (um das zu vermeiden müsste der Jumper dreipolig sein). Die Beleuchtungen können mit einem Pol an Masse bleiben, der andere muss jeweils vom FRU an den Motor gelegt werden, damit er auch bei Gleichstrom Saft bekommt.
Grüße, elaphos

#9 RE: Dem Altmetall verfallen von elaphos 21.10.2017 12:27

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Habe mir Anselms Schaltungen noch mal durch den Kopf gehen lassen. Sie funktionieren leider doch nicht, da über die beiden Dioden im Wechselstrombetrieb eine Phase der Wechselspannung zwischen den beiden Enden der Feldspule kurzgeschlossen ist.
Grüße, elaphos

#10 RE: Dem Altmetall verfallen von Oxytocin 21.10.2017 22:14

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Vierlen Dank für die Mühe, elaphos,

Ich bin nicht sicher, ob ich es jetzt mit einem zweipoligen Umschalter richtig aufgesetzt habe. Ich meine, das müsste gehen. Oder macht die Halbwelle immer noch Murks?



Wenn der FRU unter Spannung bleibt, aber vom Motor getrennt wird, spricht er dann unter Gleichspannung schneller oder langsamer an? Es geht nur darum, ob er hörbar anspricht, obwohl er funktionslos ist. Mein Bauchgefühl sagt, dass ein Magnetrelais unter Gleichspannung träger ist, als unter Wechselspannung. Da war was mit dem induktiven Widerstand von Spulen bei Wechselstrom, aber das hab ich längst wieder vergessen.

Edit sagt, die Beleuchtung kann trotzdem nicht an Masse bleiben.

#11 RE: Dem Altmetall verfallen von elaphos 22.10.2017 14:29

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Ja, so meinte ich die Schaltung. Das mit den Lampen müsste man ausprobieren. M.E. könnte die Masse bleiben und die Mittelpole, wie Du gezeichnet hast, an die Enden der Feldspule. Ob der andere Birnenpol an Masse oder Mittelschleifer liegt, ist nach meiner Überlegung egal, es brennt halt immer die andere Lampe, was durch ändern des Gegenpols zu korrigieren wäre.
Grüße, elaphos

#12 RE: Dem Altmetall verfallen von Oxytocin 24.10.2017 09:31

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Danke, dann werde ich das mal bei einer ersten Lok ausprobieren. Schade ist nur, dass ich auf Telex verzichten muss. Das rafft die G+R-Steuerung nicht.

#13 RE: Dem Altmetall verfallen von Oxytocin 06.11.2017 00:40

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Die zuletzt gezeigte Schaltung funktioniert, um Modelle mit Schleifer und AC-Umschaltrelais auch an DC betreiben zu können. Ich habe zwei Loks mit einem entsprechenden Schalter ausgestattet. Leider weiß ich nicht mehr, woher ich diese Schalter habe. Bei Loks, deren Gehäuse leicht zu öffnen ist, werde ich diesen Schalter einfach im Lokinneren belassen. Nur, wenn das Öffnen umständlich ist, wird der Schalter aus dem Gehäuse herausgeführt, um dann von außen betätigt werden zu können.

Hier zunächst eine Märklin DHG 500 mit sehr engen Platzverhältnissen:




Und eine Fleischmann BR 218 mit deutlich mehr Raumangebot:



Beide Loks haben bei der Gelegenheit einen fahrtrichtungsabhängigen Beleuchtungswechsel erhalten. Er fällt im DC-Betrieb etwas schwächer aus als bei AC.

#14 RE: Dem Altmetall verfallen von Oxytocin 15.11.2017 21:45

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Da ich eine zuverlässige Besetztmeldung für jeden Streckenblock benötige, müssen auch Züge ohne Lok einen "Verbraucher" aufweisen. Das geschieht bei Personenwagen am einfachsten durch den Einbau einer Innenbeleuchtung, weil man dann zwei Fliegen auf einmal zerklatscht. Meine Methode mit einer zwischen den Wagen trennbaren, durchgehenden Stromversorgung und Schleifern nur am ersten und letzten Wagen, hatte ich schon mehrfach andernorts erwähnt.

So sieht das in etwa aus:



Man erkennt auch den Widerstand, mit dem ich verhindere, dass die LED-Leuchtmittel durchbrennen, wenn der Zug mit einem alten Trafo betrieben wird. Außerdem dimmt er mit einem Wert von 1,8 kOhm die Beleuchtung so stark, dass sich keine heftigen Schlagschatten beim Vorbeifahren bilden und man tagsüber nicht unbedingt eine aufdringliche Beleuchtung wahrnimmt.

Aber ein Personenzug, der schon über eine Stromversorgung verfügt, sollte auch Schlussleuchten aufweisen. Hier ein Bild von einem französischen Liegewagen 4065, der schon so ranzig war, dass der Umbau keinen Wertverlust darstellen konnte:



Normalerweise hätte ich mich um eine stärkere Märklin-Modelltreue mit Glühlampen entschieden, aber aus diesem Hause gab es nie eine für diese Wagen vorgesehene Schlussbeleuchtung. Also behalf ich mir selbst mit Stichel, Reibahle und 3 mm Standard-LED, die ich auf ca. 2,7 mm abgedreht und vorderseitig begradigt habe. 3 mm erschien mir einfach zu groß. Besonders gefallen mir die zarten, silbernen Ränder um die Leuchten, die das Ergebnis des Aufreibens der Öffnungen sind. Hätte ich die Löcher mit gewöhnlichen HSS-Bohrern gebohrt, sähen sie jetzt komisch fünfeckig aus und wahrscheinlich wäre mir der Bohrer verlaufen. Dieses Ergebnis gefällt mir dagegen sehr gut. Das Bild ist überlebensgroß. Die Wirkung ist in Originalgröße noch besser.

#15 RE: Dem Altmetall verfallen von Oxytocin 29.12.2017 19:54

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Tachchen,

Wie an anderer Stelle schon erwähnt, möchte ich oberhalb meiner Nostalgieanlage 24 LED Spotscheinwerfer einzeln ansteuern können, um damit den Blick des Betrachters zu lenken, während eine geräuschuntermalte Geschichte zum Geschehen auf der Anlage erzählt wird. Aber nicht nur eine Geschichte, sondern hunderte, wenn's geht. Deshalb kommt aus Sicherheits- und Flexibilitätsgründen ein versteckter Computer zum Einsatz. Das ist in meinem Fall ein HP Vectra VL, der in der Pentium III-Klasse seinerzeit kein schlechtes Gerät war.



Er verfügt als einer der letzten noch über den erforderlichen ISA-Steckplatz, in dem das Interface für die Gahler + Ringstmeier-Steuerung Platz findet.



Diese Steuerung läuft unter Windows 98, was das Limit bleiben wird. Updates sind tabu.

Seit Weihnachten verfüge ich über den Schaltschrank, in den die Rahmen der G+R-Steuerung eingebaut werden. Sie sind ein Relikt eines Moba-Clubs, der unbedingt auf ein System umsteigen wollte, das die jugendlichen Hoffnungsträger bereits kennen. Also war's ein billiger Schnapp für mich.



Auch die Speichermedien, auf denen ich die "Stories" bereitstellen möchte, sind nostalgisch. Ich hoffe, das alte zip-Laufwerk verlässt mich nicht.



Und dann ist da noch das schon erwähnte Thema der Ausleuchtungssteuerung mithilfe des Deckenlichts. Dazu habe ich drei Relaiskarten K 8056 von Velleman mit jeweils 8 Relais in einem Gehäuse, das auch eine analoge Steuerung des Lichts erlaubt, wenn entsprechende Kontakte in die Anlage eingebaut werden.



Die Computersteuerung dieser "Lichtmaschine" funktioniert über die RS232 Schnittstelle, die ein kleines Programm unter Windows 98 übernimmt. Genau hier ergibt sich aber ein erstes Problem, an das ich nicht gedacht hatte: Das Programm steuert nur eine dieser Karten. Ich muss also einen Weg finden, wie ich drei Karten ggfs. über drei Instanzen des o.g. Programms steuern kann oder eben darauf verzichte, alle 24 Spots völlig unabhängig steuern zu können.

Da die G+R-Steuerung die Kontrolle über die Lichtverhältnisse haben soll, weiß ich nicht, wie dreimal das Relaiskartenprogramm parallel angesteuert werden soll.
Vermutlich werde ich die Stromversorgung der zusätzlichen Relaiskarten über die erste regeln müssen, damit sie nur mitwirken, wenn mehr als ein einzelner Spot benötigt wird. Das hat den Nachteil, dass ich nur 7 Szenen haben kann, in denen nur ein einziger Spot leuchtet.

Hat jemand die zündende Idee, wie ich dennoch alle 24 Spots völlig unabhängig voneinander über nur eine RS232 Schnittstelle steuern kann?

#16 RE: Dem Altmetall verfallen von sammelwahn 29.12.2017 21:45

Hallo Anselm,
schom nal an einen Multiplexer für RS232 gedacht ?

Die Technik wäre mir doch ein bisschen veraltet, ich steuere zwar nein ganzes Haus über Relais, aber als Steuerung nehme ich lieber was moderneres. Bei mir ist eine kleine Beckhoff SPS im Einsatz.

mit bestem Gruß
Arne

#17 RE: Dem Altmetall verfallen von Oxytocin 29.12.2017 22:38

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Moin Arne,

ich bin ganz Ohr, wie das mit dem Multiplexer für RS232 funktionieren soll. Noch ne eigene Relaiskarte vor die drei vorhandenen?

#18 RE: Dem Altmetall verfallen von sammelwahn 29.12.2017 22:48

Hallo Anselm,
nein, ein Multiplexer mit RS232 Eingang und 3 RS232 Ausgängen auf die 3 Karten. Wenn du das alles selber programmierst ist es doch kein Problem die Umschaltbefehle für den Multiplexer mit zu programmieren.

mit bestem Gruß
Arne

#19 RE: Dem Altmetall verfallen von Oxytocin 29.12.2017 23:07

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Hallo Arne,

vom Programmieren verstehe ich absolut null und es reizt mich nicht im Geringsten, es zu erlernen. Ich brauche schmutzige Finger beim Arbeiten als essentiellen Wohlfühlfaktor.

Kann man so einen RS232-1-zu-3-Multiplexer als Hardware kaufen? Ich kenne nur solche PCI-Steckkarten, die mehrere 9-polige COM-Anschlüsse zur Verfügung stellen. Wie man die dann ansprechen kann, weiß ich gar nicht.

Das Programm für eine einzelne Karte gibt es zum download hier: https://www.velleman.eu/downloads/files/downloads/k8056_vb_demo.zip

#20 RE: Dem Altmetall verfallen von B12 30.12.2017 01:29

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Steck doch einfach noch 2 RS232 Schnittstellen dazu.

#21 RE: Dem Altmetall verfallen von Oxytocin 06.01.2018 15:20

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Moin Daniel,

und so hab ich es jetzt auch gemacht. Reichelt hatte noch RS232 PCI Karten im Angebot, die auch mit Treibern für Win98 und älter geliefert werden. Das ist wichtig, denn eine USB-Karte von Opti konnte ich ums Verrecken auf dem alten Wi98 Rechner nicht zum Laufen bekommen. Fazit: Der Hersteller hat keine geeigneten Treiber. Die USB-Karte ist erst ab Windows 2003 spezifiziert. Man kann seine Lebenszeit besser investieren, als DAS nach einem Tag Arbeit festzustellen. Auf der Karte steht nicht mal der Hersteller drauf. Kunststück, da gleich zu Beginn mal auf der Herstellerseite nach Treibern zu suchen. Ich sag ja immer: Die digitale Welt ist unerfreulich.

Die Treiber-CD für die neue COM-Karte ist übrigens auf dem alten CD ROM Laufwerk nicht lesbar. Die musste ich erst mal neu brennen. Das selbstgebrannte Zeug liest nämlich auch das ganz alte Laufwerk. Da hat wohl einer nicht mitgedacht beim Herstellen der Treiber-CD.

Immerhin funktionieren die drei Relaiskarten jetzt zuverlässig. Inzwischen weiß ich auch, dass ich die zusätzlichen COM ports gar nicht gebraucht hätte, da man den Relaiskarten jeweils eine eigene Adresse von 1-255 zuweisen kann. Es genügt also ein Kabel vom PC zum Relaiskartengerät, wenn die Software eine Adresse mitschickt. Das Wort Adresse wird leider inflationär gebraucht. Mir war nicht klar, ob damit der port, die Karte oder der Eingang am IC für das einzelne Relais gemeint ist. Das ist ein Klassiker im Fachjargon. Der, der so spricht, rechnet nicht mit einer ganz anders gearteten Vorstellungskraft des Empfängers der Nachricht und behauptet schlicht, dass er eine klare Sprache gebrauche und der andere daher bei Missverständnissen im Unrecht sei. Zu prüfen, ob er verstanden wurde, kommt dem Experten grundsätzlich nicht in den Sinn. Das gilt dann auch für schriftliche Anleitungen aus Expertenhand.

Jetzt kommt aber der spannendere Teil. Denn die Software, die ich zum Testen der Karten habe, ist in Visual Basic programmiert und lässt sich nicht überreden, zwei weitere COM ports auswählbar zu machen. Markus Schild war so freundlich, mir die Passage in der vbp-Datei aufzuzeigen, wo die bisher nur zwei auswählbaren COM ports selektiert werden. Wie immer ist es aber nicht so simpel, wie man sich's vorgestellt hat. Win98 ist nur bis zur Visual Basic Version 5 kompatibel. Was in Version 6 programmiert wurde, funktioniert nicht unbedingt auf Win98, wenn man beim Programmieren nicht höllisch aufpasst. Ein paar features von VB6 mag Win98 nämlich gar nicht. So ist es dann auch, wenn man ein mit VB6 gebautes Programm in VB5 öffnen möchte: nur Gemecker und die Schexxe geht nicht auf - Super!

Wenn man dann ein paar Stunden googelt oder in Foren dumme Fragen stellt, kann man Glück haben und einen Tipp finden, dass man die vbp-Datei mit Notepad öffnen kann und einige Bäh-Zeilen nur zu entfernen braucht und voilà geht die chose auch unter VB5 wieder auf. Hilft nur nix, denn der Versuch, die zwei COM ports anwählbar zu machen, ist dennoch gescheitert. Diese Tools meckern genauso viel wie ich. Nur, dass ich den Stecker aus der Dose ziehen kann, wenn mich diese Dreckstools ärgern. Ganz lapidar schrieb der Ersteller des rettenden Lösungstexts über die Inkompatibilitäten zwischen VB6 und VB5:
Note that it really should not be this way. Visual Basic could easily be smart enough to realize that it is looking at a different version of Visual Basic instead of a corrupt file. It should open the project without complaint, ignoring the unrecognized command and warning you that the project may not be loaded perfectly. I can't imagine why Microsoft would make it so you cannot load a file for a single new line in the .VBP file.
Tja, da wurde ein smarter Programmierer im Silicon Valley wohl überschätzt und trotzdem bezahlt.

Und was nützt es mir, wenn ich in diesem Testprogramm mehr als zwei COM ports ansprechen kann? Für Testzwecke ist das prima, vielleicht auch mal zur Feststellung, ob eine der Platinen einen Hau hat - soll ja vorkommen, ist schließlich Elektronik. Aber zur Anlagensteuerung trägt es nichts bei, denn ich kann aus der G+R-Steuerung dieses Programm eh nicht bedienen. Dort muss ich noch einen Weg finden, wie das G+R-Programm einen Zeilencode direkt auf die COM ports jagen kann. Der sieht dann so aus:

checksum = (255 - ((((13 + address + Asc("C") + Asc("3")) / 256) - Int((13 + address + Asc("C") + Asc("3")) / 256)) * 256)) + 1

messagestring = Chr$(13) & Chr$(address) & "C3" & Chr$(checksum)
messagestring = messagestring & messagestring

Hässlich, aber es führt kein Weg dran vorbei, das in Assembler nachzubauen und in das G+R-Programm zu übernehmen. Ich kann kein Assembler, aber ich kann kommunizieren. Also wird es wohl irgendwie zu schaffen sein.

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