#1 Eheim Trolleybus von Oxytocin 08.01.2014 23:42

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Der stückzahlmäßig dominanteste Trolleybus kam von Eheim und war in blau und gelb passend zur Spur H0 erhältlich. Man versteht darunter Busse, die mit elektrischer Oberleitung betrieben werden.
Es gab jedoch schon vor Eheim solche Busse mit einem dunkelroten Bakelit-Gehäuse von einer anderen Firma, deren Name mir gerade nicht einfällt. Diese waren noch etwas größer und damit optisch eigentlich zu groß neben einer H0-Lok.

Gemeinsam haben diese Busse, dass eine Oberleitung aus Metallprofilen, auf Ständern montiert, die Fahrstrecke bestimmen. Die Stromabnehmer sind mit den Vorderrädern verbunden, so dass eine Auslenkung der Stromabnehmer zu einer Korrektur der Fahrtrichtung führt und der Bus somit immer unter den Fahrdrähten bleibt - fast immer, was einen Teil des Spielreizes ausmacht.

Busse wie Ständer und Fahrdrähte sind inzwischen betagt und man kann sich glücklich schätzen, wenn man ein funktionstüchtiges Exemplar sein Eigen nennen kann. Typisch ist bei den Eheim-Bussen, dass sich das Gehäuse verzieht und der Bus eher einer Banane gleicht. Dies ist meist einer Schrumpfung des Kunststoffs geschuldet, dessen Granulat bei der Verarbeitung nicht perfekt getrocknet war.

Ein Freund bat mich, für seinen Trolleybus einige Ständerplatten zu lackieren, die arg mitgenommen waren. An Ausbesserung des Lacks war nicht mehr zu denken, weshalb sie schlicht in Bremsflüssigkeit eingelegt wurden und anschließend mit der Stahlbürste geschruppt.

Hier eine Abbildung vom Zustand der Platten und von den Anmischversuchen der richtigen Farbtöne:



Man erkennt linkerhand die stark angegriffene und von Rost befallene Oberfläche und rechterhand die Proben der beiden fertig angemischten Lackfarben auf der Rückseite einer solchen Platte.

Fortsetzung folgt.

#2 RE: Eheim Trolleybus von 101 09.01.2014 06:40

Zitat von Oxytocin im Beitrag #1
Es gab jedoch schon vor Eheim solche Busse mit einem dunkelroten Bakelit-Gehäuse von einer anderen Firma, deren Name mir gerade nicht einfällt. Diese waren noch etwas größer und damit optisch eigentlich zu groß neben einer H0-Lok.



Hallo Anselm,

meinst Du die EWF-Busse?

http://home.planet.nl/~helde862/Eheim/history.htm

Gruss
Jens

#3 RE: Eheim Trolleybus von Oxytocin 09.01.2014 21:03

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Hallo Jens,

genau die Modelle auf dem rechten Bild meine ich. Dort sieht man auch so einen Fuß aus Eisenguss.

Inzwischen ging es mit der Bearbeitung der Sockel weiter. Zum Entlacken lag jeder Sockel ca. 3 Tage in Bremsflüssigkeit, wodurch sich die dicke Lackschicht letztlich mit Klopapier abwischen ließ.

Wirklich sauber sind sie dann allerdings noch nicht. Sie müssen noch intensiv gebürstet werden:



Links die gebürstete Fläche, rechts die Rückstände von Rost, Lack und Bremsflüssigkeit.

Nach der gründlichen Reinigung mit Spiritus kann eine Metallgrundierung aufgetragen werden. Wenn es schon eine Spraydose sein soll, empfehle ich die von Bauhaus, nicht die von Obi, da letztere keine ebene Oberfläche hinterlässt, schlechter verläuft und nachträglich angeschliffen werden muss. Es kommt sogar zu Schaum in Innenkanten, wo die Lackschicht naturgemäß durch Kapillarkräfte etwas dicker ausfällt. Die Schaumbläschen bleiben selbst nach dem Anschleifen auffällig und verfehlen damit den Zweck einer Grundierung.

Damit keine Berührung zwischen frischem Lack und dem Untergrund zustandekommt, benutze ich zugeschnittene Hölzchen. Bei leichten Gegenständen verwende ich zusätzlich Fensterkitt, um sie auf solchen Hölzern zu befestigen. Es kann ganz praktisch sein, längere Hölzer zu verwenden, die zum Trocknen an einem aufrecht stehenden Brett festgeklemmt werden. Dabei muss man bereits Handschuhe tragen, weil Fingerabdrücke Fettspuren hinterlassen.



Nach mehreren Tagen Trocknung werden die grundierten Teile im Idealfall nur noch mit einem fusselfreien Tuch abgerieben und im angemischten Farbton lackiert.

Auf Mischrezepte lasse ich mich nicht mehr ein, weil die Qualität der Pigmente in handelsüblichen Lacken derartig variiert, dass man mit verschiedenen Fabrikaten trotz gleichen Rezepts nicht annähernd gleiche Resultate erzielt. Grundsätzlich lohnt es sich, selbst Erfahrung mit den vorliegenden Farben zu machen. Vorsicht ist nur geboten, wenn sehr dunkle Farben in sehr helle Farben gemischt werden. Da versaut man sich schnell die Probe und kann es durch große Mengen der hellen Farbe kaum mehr ausgleichen.

Man beginnt also mit einem möglichst hellen bzw. reinen Grundton, der dem Ziel so nahe wie möglich kommt und versucht zunächst mit einer zweiten Farbe in die Nähe des Ziels zu kommen. Dabei bemerkt man schon, ob das Ergebnis einen touch in eine falsche Tönung bekommt und kann mit Komplementärfarben leicht dagegen steuern. Wenn die Farbsättigung gut aussieht, stimmt meist die Helligkeit noch nicht. Mit Schwarz oder Weiß ist das nicht unbedingt leicht zu korrigieren. Wenn man über andere, dunkle oder helle Farben verfügt, die dichter an der Wunschfarbe liegen, kann das besser funktionieren und nicht so große Vorsicht erfordern. Man entwickelt dabei ein Gefühl für die Menge an Weiß und Schwarz, die in diesen Farben schon drin ist.

Es gehört einfach dazu, dass man eine Probe wegschmeißt, in der zuviel Schwarz oder Weiß gelandet ist, weil es einfacher ist, noch einmal von vorne zu beginnen, als so einen Fehler korrigieren zu wollen. Farben, die besonders schlecht zu retten sind, sind blaue oder gelbe Töne, während fast jede Schattierung von Rot oder Grün reizvoll sein kann und zumindest aufgehoben werden sollte, wenn ein Versuch daneben gegangen ist. Dafür sollte man sich eine ausreichende Anzahl von leeren Gefäßen bereithalten.

#4 RE: Eheim Trolleybus von Oxytocin 07.05.2014 23:03

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Es ist schon fast peinlich, nach so langer Zeit noch einmal auf diesem Thema herumzureiten. Nichtsdestotrotz weiß ich, wen die Nachricht vom Fortschritt dieses Projektes freuen wird.
Endlich fand ich Zeit, Muße und Gesundheit, um mich abschließend der Lackierung der Metallfüße zu widmen. Dazu musste eine Schablone angefertigt werden, die in der Lage ist, auf den Sockeln vernünftig positionert zu werden - eigentlich eine simple Aufgabe.



Die leichte Lücke zwischen Schablone und Objekt, wie sie auf dem oberen Bild zu sehen ist, entspricht nicht der Situation beim Lackieren. Dann liegt noch ein Stückchen Pappe unter dem Trägerplättchen und sorgt eigentlich für eine gleichmäßige Auflage.



Dennoch weiß man aus Erfahrung, dass sich Schablonen gerne etwas blöd anstellen, wenn sie eine trocknende Farbschicht tragen und dann noch kühl angesprüht werden. Dann tun sich gerne Lücken auf, die vorher nicht da waren, und zwar unabhängig davon, ob die Schablone ein Lösungsmittel verträgt. Das sind einfach Oberflächenspannungen, die sich da ergeben und die Nerven kosten. So sieht man dann auch im Ergebnis, dass es zu nicht ganz sauberen Kanten kommt:



Sehr traurig bin ich darüber allerdings nicht, denn auch vor dem Entlacken hatten die guten Stücke ihre Defizite in Sachen einwandfreier Lackierung. Man muss sich also in so einer Angelegenheit nicht verrückt machen. Das wäre beim Lackieren einer Lok in Nenngröße Z schon etwas anderes.

#5 RE: Eheim Trolleybus von B12 08.05.2014 00:34

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Ich bin fasziniert
Die Teile haben auch in der Werks-Lackierung den leicht
unscharfen Rand. Hast du die Schablone etwa beim
Aufräumen in der Werkshalle von Eheim gefunden?

Gruss
Daniel

#6 RE: Eheim Trolleybus von elaphos 08.05.2014 11:04

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Toll!

#7 RE: Eheim Trolleybus von Oxytocin 08.05.2014 20:02

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Nö, Daniel. Es dauert so lange, weil Aufräumen nicht so mein Ding ist

#8 RE: Eheim Trolleybus von Oxytocin 19.05.2014 22:13

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Finale!

Jetzt ist noch ein seidenmatter Klarlack von Marabu zum Einsatz gekommen, um für ein ebenmäßiges Finish zu sorgen. Der Glanzgrad zweier Lacke kann von vielen Faktoren abhängen, selbst, wenn sie aus der gleichen Grundsubstanz angemischt wurden. Ein Klarlack gleicht das aus und bildet außerdem eine zusätzliche Schutzschicht. Es ist nicht zu unterschätzen, um wieviel ebenmäßiger eine Fläche mit leichten Vertiefungen wirkt, wenn eine Lackschicht mehr die Ränder solcher "Löcher" einebnet. Auf dem Foto hat das nur den halben Erlebniswert. Ich versuche trotzdem, es erkennbar zu machen:



Sagen wir mal, dass die Positionierung der Schablone hinreichend war. So ganz perfekt ist die Maßhaltigkeit der Gießlinge nicht. Ich hoffe, das Auge des Betrachters ist nicht kritischer, als meins.

#9 RE: Eheim Trolleybus von Holzschwelle 19.05.2014 22:57

Hallo Anselm,
eine super Arbeit und eine tolle Beschreibung sind das! Respekt!

Viele Grüße
Christian

#10 RE: Eheim Trolleybus von Blech 21.05.2014 14:38

Anselm -auch mein Respekt!
Sehr lehrreich.
Danke!
Schöne Grüße aus Hessen
Botho

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