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#1 Spielzeug im Dritten Reich von cmnhorsebreeder 27.04.2021 13:49

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Liebe Mitforisten!

Im Faden über die DUX-Flugzeuge wurde auch das Thema "Nazi-Spielzeug" angesprochen.
Ein interessantes Thema! Und sehr breit gefächert...

Über meine private Mail-Adresse hat mich Udo aus seinem riesigen Fundus an Paraphernalia zu diesem Thema mit interessantem Material versorgt.
Ich habe begonnen, zu dem Material von Udo ein wenig zu recherchieren. Sehr schnell bin ich da an Grenzen gestoßen!

Diese Grenzen bestehen hauptsächlich darin, daß Sammler nicht oder kaum öffentlich darüber kommunizieren, wenn sich Nazi-Spielzeug in ihren Sammlungen befindet.
Dazu kommt, daß auch 76 Jahre nach Kriegsende dieses Thema noch emotional sehr belastet ist, so daß eine rein historische Betrachtung kaum möglich ist.

Ich selber nehme mich da nicht aus!
Die jüdische Hälfte meiner Familie hat durch Vertreibung, Verfolgung und Tod in den Konzentrationslagern unendliches Leid erfahren.
Auch mir fällt es daher emotional schwer, mich mit Kriegsspielzeug im Allgemeinen und Nazi-Spielzeug im Speziellen zu befassen.
Dagegen steht aber meine notorische Neugier, die mir schon immer eine große Antriebskraft ist.

In meiner Bibliothek befindet sich ein Buch, daß sich ganz am Rande mit der Firma STEIFF im Dritten Reich beschäftigt.
Die Mitherausgeberin ist die von mir ganz außerordentlich geschätzte Historikerin Prof.Dr. Sybille Steinbacher, die auch Co-Autorin der Einleitung und damit des Textes zu STEIFF ist.

Als Einstieg in das Thema stelle ich nachstehend die vorgenannte Veröffentlichung ein.
Ich würde mich sehr freuen, wenn aus dem Kreis der Foristen hier weitere Beiträge geleistet werden!











Freundliche Grüße von Claudia

P.S. Nach dem Anklicken der Druckseiten stellen sich diese senkrecht und werden gut lesbar.

#2 RE: Spielzeug im Dritten Reich von cmnhorsebreeder 27.04.2021 18:27

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Über Hermann Görings (*1893-1945) Märklin-Eisenbahn ist schon berichtet worden.

Eher unbekannt ist die Tatsache, daß Göring zu seinem 50. Geburtstag eine TRIX-Eisenbahn erhielt, die ebenfalls in Carinhall aufgebaut war.
Anbei ein Foto von der Bahn. Das Foto stammt aus dem Bundesarchiv und ist öffentlich. Der Fotograf ist unbekannt.

Wer ihm diese Bahn geschenkt hat, habe ich noch nicht herausgefunden.
Möglicherweise der Firmeninhaber?
Wahrscheinlich wissen die Trix-Experten in diesem Forum mehr als ich und können den Beitrag entsprechend ergänzen.



Freundliche Grüße von Claudia

#3 RE: Spielzeug im Dritten Reich von cmnhorsebreeder 27.04.2021 18:37

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1945 fotografierte Hitlers Kameramann Walter Frenz Görings Modellbahnen in Carinhall/Schorfheide.
Das deutsche Eisenbahnnetz lag in Trümmern, das Kriegsende und damit auch die Sprengung von Carinhall standen unmittelbar bevor..

Auch hier ist neben Spur 1 und Spur 0 auch die TRIX-Eisenbahn in Spur 00/H0 zu sehen!


(Quelle: Frenz-Collection, Berlin)

Freundliche Grüße von Claudia

#4 RE: Spielzeug im Dritten Reich von BlackAdder 27.04.2021 18:52

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Hallo Claudia,

Zitat
Auch hier ist neben Spur 1 und Spur 2 auch die TRIX-Eisenbahn in Spur 00/H0 zu sehen!



Sind das nicht eher die Spuren 1, 0 und 00? Spur 2 hatte doch zu der Zeit schon lange ausgespielt, oder?

Viele Grüße
Patrick

P.S. ich finde es gut, dass Du Dich diesem heiklen Thema annimmst

#5 RE: Spielzeug im Dritten Reich von ypsilon 27.04.2021 18:55

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Das sind 00, 0 und 1. An der TK fehlt der Vorläufer und bei der HR in 0 sieht es auch so aus. Wahrscheinlich sind die Loks auf eine Mine gefahren...

Die grünen Sitzwagen in 0 scheinen besonders lackiert zu sein. Man sieht an der Seite keine der üblichen Märklin-Dekorationen, aber ich denke da ein HK in der Mitte der Wagen zu erkennen.

#6 RE: Spielzeug im Dritten Reich von trixexpress 27.04.2021 19:05

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Hallo
die Trix Express Bahn gab es vom Inhaber von Trix, Ernst Voelk. Der Chefingenieur Rudolph Insam war bei der Einweisung dabei.
Das ganze findet sich auch in diesem Buch wieder:



Insgesamt ein sehr gutes Einsteigerbuch in die Materie Trix.
Bei Interesse bitte melden, ich hätte noch welche.

Wobei ich dieses Bild nicht passend zu dem Thema finde, da es sich ja nicht um spezielles Spielzeug aus dem dritten Reich handelt, sondern nur ein paar Männer an einer Trix Express Bahn....darunter sicher auch ein paar große Arschlöcher..

Gruss
Rei

Gruss
Rei

#7 RE: Spielzeug im Dritten Reich von cmnhorsebreeder 27.04.2021 19:06

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Und noch etwas wenig Bekanntes zu der Modellbahn-Anlage in Carinhall:
Göring hat einige der Ausstattungsgegenstände, nämlich Häuser, selbst gebaut!

2014 konnte das der Journalist Nikolaus Harbusch für eine große Boulevad-Zeitung im Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen (BADV) in Berlin recherchieren. Dort werden bis heute diese Gegenstände verwahrt.
Sie haben, wie vermutlich auch andere Teile der Bahn, die Sprengung von Carinhall überlebt.

Ich zitiere:
"Göring liebte seine Modellbahn, das ist bekannt. Auch, daß er Hitler und sogar ausländische Diplomaten gerne in den Dachstuhl seines Anwesens 'Carinhall' in der Schorfheide führte, damit sie ihn beim Spielen bewundern.
DOCH: Die Eisenbahn galt als zerstört. Beim Anmarsch der Russen hatte er im April 1945 'Carinhall' sprengen lassen.

Die Häuschen seiner Anlage hatte Göring selbst gebastelt. Die Häuser sind der Altstadt von Nürnberg nachempfunden. Erkennbar ist das Schützenhaus, die Gaststätte 'Historische Douglashöhle', die Wäscherei Bergler.

Auch die Figuren hat er selbst in Handarbeit angefertigt. Eine Figur hat Ähnlichkeit mit Görings Konkurrenten um Hitlers Gunst, Joseph Goebbels."
Zitat Ende.





Unser leider verstorbener Freund Botho Wagner hat zu diesem Thema ausführlich recherchiert.
Ich vermute, daß ihm auch diese Details bekannt waren.
Bothos Arbeit war abgeschlossen, ist aber bis heute nicht veröffentlicht worden.
Schade!

Freundliche Grüße von Claudia

#8 RE: Spielzeug im Dritten Reich von cmnhorsebreeder 27.04.2021 19:13

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zu #4:

Ja, natürlich, Patrick!
Ein dummer Tippfehler, den ich berichtigt habe.

Liebe Grüße von Claudia

#9 RE: Spielzeug im Dritten Reich von cmnhorsebreeder 27.04.2021 19:18

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Zu #6:

Rei -
genau Deine Reaktion ist die Crux bei solchen Arbeiten:
historische Recherche und persönliche Einschätzung vermischen sich unselig....
Das sollte im Interesse genauer Arbeit vermieden werden.

Aber vielen Dank für Deinen Literaturhinweis!
Ich besitze das Buch und werde die entsprechende Stelle lesen.

Freundliche Grüße von Claudia

#10 RE: Spielzeug im Dritten Reich von trixexpress 27.04.2021 19:29

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Hallo Claudia
sei bitte nicht böse, aber dieses Thema ist ja gerade zu provokant....ich weiß nicht welcher Teufel dich dabei geritten hat, obige Bilder zu zeigen.

Meine Meinung: Wenn ich etwas über Spielzeug im dritten Reich berichten würde(mache ich aber nicht, weil es immer nur unnötigen Stress bereitet), dann würde ich typisches, zeitgenössisches Spielzeug zeigen.

Als Leser würde ich es so erwarten.
Beispiel: Soldatenfiguren, Panzer u.s.w.
Von mir aus auch ein Steiff Teddy mit Armbinde....

Aber doch bitte nicht immer die gleichen Bilder von Herrn Göring......was hat dieses Mensch denn mit Spielzeug im allgemeinen zu tun? Nichts....

Jeder weiß, das er eine oder mehrere Bahnen hatte. Das ist schon tausendmal diskutiert und besprochen worden...und da gibt es weiss Gott andere Foren, da läuft dem einen oder anderen der Sabber aus dem Mund.

Aber es geht aus meiner Sicht am eigentlichen Thema komplett vorbei.

Ich habe mal gegoogelt, und dann zum Beispiel diese Dinge gefunden:

Spielzeug im dritten Reich

Damit komme ich gut klar, da es geschichtlich interessant ist. Das heißt nicht das ich diese Art Spielzeug gut heiße, aber es war nun mal so. Fakt.

Gruss
Rei

#11 RE: Spielzeug im Dritten Reich von Udo 27.04.2021 19:34

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Gesprengt ja, aber ohne diese selbstgebauten Häuschen, die im Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen (BADV) in Berlin aufbewahrt werden und ohne das Rollmaterial. Laut Botho durfte sich jeder Bedienteste usw. je ein Teil aussuchen und mitnehmen, der Rest wurde eingepackt.

Die Verwandtschaft hat das Material durch Vermittlung Botho an einen Sammler in die USA verkauft, nach dessen Tod kam das Material wieder an die Verwandtschaft zurück, und wieder durch Vermittlung ging es hier an einen Sammler in Süddeutschland. Namen hat Botho nie erwähnt. Muss ja auch nicht sein.

Es hat nach 1989 einige Leute gegeben, die in der Schorfheide gegraben und angeblich sogar einen verrosteten Waggon gefunden haben. Das war's.

An den Nürnberger Häusern sieht man, über wieviel Zeit Herr G verfügte, um solche Stücke zu fertigen. Etwas konnte er also doch.

# Rei: Das ist doch erst der Anfang zu diesem Thema und alles zu Herrn G wohl gesagt. Warte mal ab, was Claudia noch so alles zeigen wird. Du wirst staunen und es kaum glauben wollen.

Schönen Gruß
Udo

#12 RE: Spielzeug im Dritten Reich von cmnhorsebreeder 27.04.2021 19:35

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Nein,

warum sollte ich böse sein Rei?
Eine Reaktion, wie Deine, habe ich erwartet und mich dennoch diesem Thema gewidmet.

Meine Einschätzung kannst Du in #9 lesen.

Freundliche Grüße von Claudia

#13 RE: Spielzeug im Dritten Reich von cmnhorsebreeder 27.04.2021 19:42

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Zu #11

Ja, Udo!

Man hat sogar im Großdöllner See und im Wuckersee nach Resten von Carinhall gegraben und ist fündig geworden.
Die Relikte sind dort zu sehen.

Über die verschlungenen Pfade der Bahn nach 1945 gibt es viele Geschichten.
Was nur kolportiert wurde und was der Wahrheit entsprach, hatte Botho wohl herausgefunden.
Da er mit Dir darüber gesprochen hat, nehme ich an, daß Deine Schilderung der Wahrheit entspricht.
Aber solange wir Bothos Manuskript nicht kennen, können wir die Quellen nicht überprüfen.

Freundliche Grüße von Claudia

#14 RE: Spielzeug im Dritten Reich von cmnhorsebreeder 27.04.2021 19:59

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Hier noch weitere Fotos:

Die Anlagen auf dem Dachboden in Carinhall als Übersicht.
Weitere Gebäude aus der Sammlung des Bundesamtes.





Freundliche Grüße von Claudia

#15 RE: Spielzeug im Dritten Reich von haensel 27.04.2021 21:44

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Hallo Claudia,

ich glaube das wir alle als Sammler ein Interesse daran haben jegliche historischen Belege zum Material unserer Leidenschaft zu sammeln und zu archivieren.
Ein Zug von Märklin oder Trix ist tausendfach verkauft worden aber nicht jeder ist so dokumentiert und fotografiert worden.
Ich finde es ist wichtig die Bilder und das Wissen zu diesen Anlagen/Sammlungen zu bewahren.
Keiner kann die Geschichte durch Schweigen ungeschehen machen.
Aber wir alle können dafür sorgen das die Spielzeuge nicht für die Handlungen ihrer damaligen Besitzer verurteilt werden.

Bitte berichte weiter, ich bin neugierig.

Viele Grüße Mike

#16 RE: Spielzeug im Dritten Reich von HeinzMan 27.04.2021 22:57

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Liebe Claudia,

vielen Dank für das interessante Thema, welches auch mich noch belastet, obgleich ich aufgrund meines Alters "nicht belastet" bin. Tatsächlich habe ich es als Erbe mit genommen und bis zum Bundesverwaltungsgericht gestritten, damit so etwas nicht mehr geschieht.

Damit meine ich nicht die Spielzeuge. Bereits oft wurde der Wandel der Spielzeuge im Forum thematisiert. In dem Zeitraum, der bei uns abgehandelt wird, gab es dann plötzlich Kanonen, Scheinwerfer, die auf Wagen installiert wurden. Kriegsverwundete Figuren lagen in den Wagen. Teils aus wirtschaftlicher Not, möglicherweise "dem Zeitgeist" entsprechend, wie man heute sagen würde.

(Nachtrag: Es wurden die Spielsachen durch die Hersteller angepasst. Die wirtschaftliche Not ist nachgewiesen. Es gab staatliche Bestimmungen, die es verboten, nicht "kriegsnotwendige" Dinge herzustellen.)

Das ist Bestandteil des Hobbys.

Und das ist auch wichtig. Heute sehe ich keine Jungen mehr auf der Straße, die mit Revolver spielen "du bist tot", wie ich es als kleiner Junge tat.

Auf einen Beitrag zum Thema möchte ich hinweisen: Zeitungswagen - belastet - Hersteller unbekannt. [Gelöst: CaBo 739]

Herzliche Grüße
Heinz

#17 RE: Spielzeug im Dritten Reich von aus_Kurhessen 27.04.2021 23:13

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Hallo,

ich hatte mich bisher noch nicht mit diesem Thema beschäftigt, bin aber nun nachdenklich geworden und habe auch ein wenig im Internet geforscht. Wie geht man so ein Thema an? Reicht es aus, dies mit einer neutralen, sachlichen Einstellung zu tun? Ich denke nein. Wichtig dabei finde ich eine humanitäre Einstellung und die Achtung der Würde aller Menschen und eine außerordentliche Distanz zum und Ablehnung des Nationalsozialismus. Dabei stehen für mich die Kinder im Vordergrund, für die die Spielzeuge ja bestimmt waren.

Sicherlich gab es sehr viel ganz normales Spielzeug: Eisenbahnen, Puppenstuben, Schaukelpferde, Schäufelchen und Eimer etc.
Dann gab es Spielzeug mit dem die Hersteller sich schon früh bei den Machthabern im vorauseilenden Gehorsam einschmeicheln wollten. Das kam aber teilweise nicht gut an und manches Spielzeug wurde verboten. Anderes wiederum wurde gefördert um in den Kindern frühzeitig Antisemitismus und Feindbilder aufzubauen. Wie kann solches Spielzeug eine Kinderseele nachhaltig verformen und ihr die kindliche Seeligkeit und Mitmenschlichkeit rauben.
Nicht zu vergessen die Kinder in Ghettos und Konzetrationslagern, die auch spielen wollten aber kein Spielzeug bekamen: Hier ein erschütternder Bericht: https://www.zukunft-braucht-erinnerung.de/kinder-und-jugendkultur-in-konzentrationslagern/
Zum Thema Nazi-Spielzeug hier eine Spiegelbericht: https://www.spiegel.de/geschichte/nazi-spielzeug-als-adolf-hitler-ins-kinderzimmer-draengte-a-1243124.html
Ein Bericht über eine Ausstellung und Vorträge: https://www.ku.de/news/ausstellung-und-vortragsreihe-spiel-mit-dem-reich-nationalsozialistische-ideologie-in-spielzeug-und-kinderbuechern
Zwei Literaturhinweise:
https://www.lehmanns.de/shop/geisteswissenschaften/14904834-9783447063036-spiel-mit-dem-reich
https://www.amazon.de/Gef%C3%A4hrliche-Spiele-Kinderzimmer-Gesellschaftsspiele-Dritten/dp/3742313568

#18 RE: Spielzeug im Dritten Reich von WolKo 27.04.2021 23:40

Ich habe den Beitrag von Claudia und die Buchseiten mit Interesse gelesen. Insbesondere die Erfahrung im Hause Steiff mit dem
SA-Soldaten ist bemerkenswert. Die Abhandlungen über Carinhall hatten wir hier schon behandelt, auch schon im Nachbar-Forum,
aber das Bild mit der TRIX-Anlage kannte ich noch nicht. Vielen Dank, liebe Claudia!
Wir können doch heute völlig entspannt über diese Dinge reden oder schreiben weil wir das Thema aus der Spielzeug-Brille sehen,
ferner den geschichtlichen Bezug richtig einschätzen können. Deshalb kann ich den Standpunkt von Reimund zwar tolerieren, teile
ihn aber nicht, da zu sehr mit Stress-Symptomen artikuliert. Claudias Beitrag ist auch nicht provokant. Wer könnte provoziert werden?
Als Nachkriegskind, Jahrgang 46, wollte ich nie mit der Kiste Massesoldaten spielen, die ich von meinem älteren Bruder geerbt hatte.
Diese habe ich nie gemocht, ignoriert und besonders der Flammenwerfer hat derartiges Missfallen ausgelöst, dass ich ihn irgendwann
den Flammen übergeben habe. Immerhin als 11 cm - Figur eine Wertevernichtung. Aber das war mir damals egal. Viel mehr haben
mich die "Renner" interessiert, trotz starker Spielspuren. Habe ich noch heute. Als mein Sohn von der Verwandtschaft einst ein Gewehr
geschenkt bekam, habe ich dies sofort aus dem Verkehr gezogen, nicht nur wegen meiner pazifistischen Grundhaltung sondern auch
wegen des ätzenden Geräuschs. Dennoch kann ich mich über einen seltenen Sanitätswagen mit entsprechendem Zubehör freuen,
weil es nur Spielzeug ist. Ich hätte vor wenigen Jahren sogar einen seltenen Panzerzug gekauft, wenn er nicht zu teuer gewesen wäre.
Aber dies war nicht ein Produkt des 2. WK sondern wurde um 1900 gefertigt und hatte einen völlig anderen geschichtlichen Hintergrund.
Viele Grüße
Wolfgang

#19 RE: Spielzeug im Dritten Reich von cmnhorsebreeder 28.04.2021 00:41

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Liebe Jungs!

Eure vielen, engagierten und detaillierten persönlichen Kommentare zeigen auf, daß dieses Thema interessant ist.

Ich habe ganz bewußt und sehr bedacht diesen Thread "Spielzeug im Dritten Reich" genannt und NICHT "Nazi-Spielzeug".
Wer diese beiden Begriffe gleichsetzt, hat nicht nachgedacht!

Wie uns die vor mir in #1 abgebildete Geschichte der Firma STEIFF zeigt, gibt es da große Unterschiede:
Einige Spielzeughersteller biederten sich den Nazis an - aus politischer Überzeugung oder weil sie darin kaufmännische Vorteile für ihre Firma sahen.
Andere waren "nur" Mitläufer. Wenige leisteten passiven Widerstand und versuchten, der Aufmerksamkeit der nationalsozialistischen Wirtschaftslenkung zu entgehen.
Aktiven Widerstand konnte ich noch nicht ausmachen. Der wäre wohl auch fatal gewesen! Aber vielleicht habt Ihr da bessere Kenntnisse als ich?
Und den jüdischen Spielzeugfabrikanten nützte auch Anbiederung nichts - sie wurden vertrieben, enteignet oder gingen freiwillig, weil sie die Zeichen der Zeit erkannt hatten.

Zu jeder dieser Positionen können wir deutsche Hersteller von Spielzeug benennen! Täter, Mitläufer und Opfer.
Ich tue das hier nicht, weil ich weiß, daß hier im Forum eine sachliche Diskussion dieser Namen nicht möglich ist.
Es mag also jeder in seinem Sammelgebiet selber forschen.....

"Spielzeug im Dritten Reich" konnte aber auch ganz und gar unpolitisch sein, eben KEIN Nazi-Spielzeug! Das hat Jürgen in seinem Beitrag ja schon dargestellt.
Wenn man diese unpolitischen Spielsachen in den deutschen Kinderzimmern zwischen 1933 und 1945 betrachtet, so zeigt sich eine zweite Indoktrination der Jugend:
die gesellschaftlichen Verhaltensmuster sollten eingeübt werden. Puppenstuben und Konstruktionsbaukästen geben davon beredtes Zeugnis!

Übrigens: die gleichen Grundmuster findet man beim Spielzeug der DDR.
Da macht es keinen Unterschied, ob es sich um die Nazi-Diktatur gehandelt hat oder um die Diktatur des Proletariats.
Beide Diktaturen haben Spielzeug zur Durchsetzung ihrer politischen und gesellschaftlichen Ziele benutzt.
Und meine sowjetische Moskabel Pionerskaja Eisenbahn ist ebenfalls ein gutes Beispiel für die politische Vereinnahme von Kinderspielzeug...

Ich hoffe, daß ich noch interessantes Spielzeug aus dem Dritten Reich finden werde, um es hier vorzustellen.
Im Bereich der Brettspiele stehen sicherlich noch Entdeckungen an!

Freundliche Grüße von Claudia

#20 RE: Spielzeug im Dritten Reich von HeinzMan 28.04.2021 01:11

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Liebe Claudia,

da können wir noch ein wenig in der Zeit zurück gehen. Damit will ich keinesfalls das Thema verlassen, vielmehr stärken.

Um 1900 wurden "Spielsachen" hergestellt, die Menschen auf ihre spätere Rolle hin erziehen sollten. Ich möchte im Moment außer Betracht lassen, dass nur einer Minderheit von Kinder überhaupt die Spielsachen verfügbar waren, die uns heute gefallen.

Die Spielsachen wurden klar unterteilt. Mädchen und Jungen. Für Mädchen gab es Puppen und Küche, für die Jungs Matrosenanzüge, Technik und Militär. Das wurde in der Zeit des Dritten Reichs auch nicht geändert.

Herzliche Grüße
Heinz

#21 RE: Spielzeug im Dritten Reich von cmnhorsebreeder 28.04.2021 01:32

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Ja, Heinz -
so war das!
Und vielleicht ist das auch heute noch so...?

Mit dieser Überlegung verlassen wir das Thema keinesfalls.
Die Indoktrination des Kindes durch Spielzeug ist ein grundsätzliches Thema, was natürlich auch das Dritte Reich betrifft.
Und ein besonders Gutes an diesem Forum ist, daß wir uns nicht sklavisch an den Titel eines Threads halten müssen, sondern frei unseren Gedanken Raum geben können!
So kann sich Kreativität entwickeln und es tun sich dadurch oft erstaunliche Einsichten auf.

Liebe Grüße von Claudia

#22 RE: Spielzeug im Dritten Reich von bulli66 28.04.2021 07:28

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Zitat von HeinzMan im Beitrag #20
Liebe Claudia,

da können wir noch ein wenig in der Zeit zurück gehen. Damit will ich keinesfalls das Thema verlassen, vielmehr stärken.

Um 1900 wurden "Spielsachen" hergestellt, die Menschen auf ihre spätere Rolle hin erziehen sollten. Ich möchte im Moment außer Betracht lassen, dass nur einer Minderheit von Kinder überhaupt die Spielsachen verfügbar waren, die uns heute gefallen.

Die Spielsachen wurden klar unterteilt. Mädchen und Jungen. Für Mädchen gab es Puppen und Küche, für die Jungs Matrosenanzüge, Technik und Militär. Das wurde in der Zeit des Dritten Reichs auch nicht geändert.

Herzliche Grüße
Heinz


Hallo Heinz,

nicht zu vergessen, dass Pfarrerspielzeug für die Jungs, einschl. Messgewand, Leuchter, Kelch und Hostienschale.

Stephan

#23 RE: Spielzeug im Dritten Reich von Knolle 28.04.2021 07:45

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Guten Morgen zusammen,

ganz heikles Thema.....

Da es ja um Spielzeug geht, gehe ich mal davon aus, das auch Gesellschaftsspiele gezeigt werden dürfen/sollen.

Dieses Foto habe ich 2017 im Niederrheinischen Freilichtmuseum aufgenommen:


Ich distanziere mich ausdrücklich von solchem Gedankengut!

Für mich ist diese Zeit ein leider dunkler Abschnitt unserer Geschichte der uns Mahnung sein soll.

Grüße

Knolle

#24 RE: Spielzeug im Dritten Reich von ypsilon 28.04.2021 07:57

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Ich kenne bei Spielzeug nur den offenen Markt, der auf Nachfrage reagiert. Zu allen Zeiten. In allen Systemen. Ich habe noch nie gehört, dass der Staat aus ideologischen Gründen Kindern Spielzeug aufzwang. Ausgeklammert sind vielleicht die Grundausstattung von staatlichen oder staatsnahen Heimen.
Also: Gekauft wurde von Eltern, Großeltern, Paten usw.
Gelenkt wurde sicher durch Materialzuweisung und Produktionsgenehmigung.
Dann kann es dazu gekommen sein dass der Panzer im Regal stand. Der Fiat Spider aber unterm Ladentisch.

#25 RE: Spielzeug im Dritten Reich von bulli66 28.04.2021 10:02

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Zitat von ypsilon im Beitrag #24
Ich kenne bei Spielzeug nur den offenen Markt, der auf Nachfrage reagiert. Zu allen Zeiten. In allen Systemen. Ich habe noch nie gehört, dass der Staat aus ideologischen Gründen Kindern Spielzeug aufzwang. Ausgeklammert sind vielleicht die Grundausstattung von staatlichen oder staatsnahen Heimen.
Also: Gekauft wurde von Eltern, Großeltern, Paten usw.
Gelenkt wurde sicher durch Materialzuweisung und Produktionsgenehmigung.
Dann kann es dazu gekommen sein dass der Panzer im Regal stand. Der Fiat Spider aber unterm Ladentisch.


Hallo Ypsi, ich denke in totalitären Systemen konnte und wird wahrscheinlich heute noch dies durchaus anders sein.
Habe zufällig z.B. diesen Beitrag gefunden. Offener Markt sieht anders aus. Aber natürlich gebe ich Dir recht, es muss auch Leute geben die so etwas gekauft haben.
https://www.nrwision.de/mediathek/wissen...alismus-180829/
Stephan

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