#1 1937 Kritik ohne Ende von REHSE 14.10.2014 16:49

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Was für ein Beitrag und auch noch geschrieben von den allseits bekannten Ernst Ganzer!
1937 in zeiten der Diktatur solch offene Worte überraschen doch ungemein und wenn man
das mit der heut so tollen(selten so gelacht) Demokratie vergleicht so würde diese Herr keine 5
Minuten mehr seinen Job haben .Damals waren diese auf 2 Rädern rollenden Blechbüchsen bezeichnet
als Lok für ernsthafte Modellbahner ein Witz heute sinds Sammlerobejkte so ändern sich die zeiten.














Gruss Tino

#2 RE: 1937 Kritik ohne Ende von Blechdidi 14.10.2014 17:46

Hallo Tino,

ich nehme den Ball mal auf. Es ist ein Unterschied die Dinge mit Kinderaugen oder mit den Augen Erwachsener zu betrachten (eigene Erfahrung). Je älter man wird umso mehr orintiert man sich an der Realität (schade wenn man seine Träume verliert). Hier hat der Herr Danzer leider unrecht, indem er seine Kritik in das Verhältnis zu der Ansicht eines Kindes stellt. Märklin , Trix, BUB und die anderen haben in Massen für Kinder produziert. Wer es besser haben wollte hätte damals ja Marescot , Munier u.s.w. kaufen können.
Dieser Umstand ist heute genauso wie damals. Solide und Funktionell kann nicht gleichzeitig 100% Vorbildgerecht sein, sonst müssten wir zum Bau von Anlagen Räume in der Größenordnung von Turnhallen haben (Gleisradien). Zur Zeit repariere ich eine M+F Baureihe 41, die auch ein Modellbahner in den Standard-Radius von Märklin hineingeprügelt hat.
Es läßt sich wie gesagt nicht alles verwirklichen und Kompromisse sind von Nöten (wie wir alle im eigenen Leben erfahren haben).

Gruß Frank

Gruß Frank

#3 RE: 1937 Kritik ohne Ende von ypsilon 14.10.2014 18:54

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Ganzer zitiert teilweise Kataloge aus der Zeit vor dem 1. WK. Ich kenne diese und ähnliche Texte, die heute allesamt arrogant und aus einer engen Sichtweise geschrieben erscheinen. Neueren Datums sind die Frühwerke von Udo Becher, auch ein Kind dieser Zeit war und mit Ganzer ganz bestimmt bekannt war.
Interessant finde ich - auch typisch für die Zeit (und Ganzer-spezifisch) - das Loben des Kartonmodellbaus. Dieser war offenbar in einer kurzen Zeitspanne von evtl. 1930 bis 1955 in den Reihen der frühen Modellbahner salonfähig. Auch hier eine Anleihe an das Vorbild GB, wo bekanntlich schon viel früher mit Schiebebildern und Papierbeklebungen experimentiert wurde?

#4 RE: 1937 Kritik ohne Ende von Dieter Weißbach 14.10.2014 21:31

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Hallo Ypsilon,

zu Deinen Ausführungen über Ernst Ganzer wäre anzumerken, dass das Thema Kartonmodellbau
bei ihm ab 1937 aufgrund der Tätigkeit für TRIX und der Beschäftigung mit der TRIX Bahn für einige
Jahre in den Hintergrund trat und erst in den Kriegsjahren ab 1940 wieder an Bedeutung gewann.

Man kann seine Kartonbauphase mit den Notzeiten in Deutschland in Verbindung bringen:
Seine Dokumentation beginnt 1926 mit Kartonbaumodellen (Nachwirken der Inflationszeit,
Weltwirtschaftskrise 1929, Massenarbeitslosigkeit und Firmeninsolvenzen in Deutschland 1930/32),
1931 - 1934 versucht er die Modelleisenbahn mit Pappmodellen auf Ausstellungen salonfähig zu machen.

Wie schon gesagt, widmet er sich ab 1940 wieder dem Kartonbau, als es kaum noch andere Materialien gab.
In der Nachkriegszeit sah es 1947 nicht anders aus, als er die Firma Erga gründete. Nachdem es in den 1950er
Jahren wieder deutlich besser aussah, und Eisenbahnmodelle aus Metall verfügbar waren, ging auch das
Interesse an den Kartonmodellen zurück.

Dies kann man recht gut an seinen Aufzeichnungen nachvollziehen:

http://trixstadt.de/trix-express-wiki/er...nier-1926-1947/

@Tino bzw. den unbekannten Erwerber: wie schon von Ypsilon angesprochen, wäre es schön, wenn diese
historischen Unterlagen zumindestens als Kopie oder Scan für unsere Recherchen zu historischen Bahnen
zugänglich gemacht werden könnten. Vielen Dank.

#5 RE: 1937 Kritik ohne Ende von ypsilon 14.10.2014 21:46

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Hallo Dieter, Danke dass Du das Thema Literatur nochmals aufgreifst. ich bringe meine Hefte mit nach Berlin und würde mich freuen, wenn Andere dies auch tun önnten und man sich austauscht.
Zum Thema Ganzer:
Die Gleise der Ausstellungsanlagen in Berlin (Spur 0) waren von Ypsilon bzw. ab 1930 von Remod. Man kann es gut auf diesem Bild erkennen:

#6 RE: 1937 Kritik ohne Ende von sammelwahn 14.10.2014 21:48

Meiner Meinung nach hat Ernst Ganzer damit die Meinung vieler Spielzeugkäufer wiedergegeben. Gerade die Modelle, welcher er besonders bemängelt sind wohl auch beim Käufer nicht gut angekommen und entsprechend wenig verkauft worden. Wie sollte sich sonst die Seltenheit von Märklins Spezial Kraftwagen und Katastrophenzug, oder von den ganzen Karl Bub Funktionsbahnen erklären?

Gruß
Arne

#7 RE: 1937 Kritik ohne Ende von ypsilon 14.10.2014 21:56

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Hallo Arne,
Du magst die Frage richtig stellen. Aber man kann es auch anders sehen, besonders bei den Bub-Funktionsbahnen: Sie waren einfach gut und beliebt und wurden zerspielt. Außerdem war das ja auch empfindliches Spielzeug und relativ billig. Der Effekt ist doch der gleiche wie bei den Pennytoys: billig, zum Verbrauch, Blech-Massenware. Ein Wegwerfartikel. Dem gegenüber wurden teure Modelle nicht für Kinder gekauft. jedenfalls meistens nicht.

#8 RE: 1937 Kritik ohne Ende von ypsilon 14.10.2014 21:57

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Zu Ganzer nochmals:
Das schon erwähnte AGK-Heft 14 mit der Story zu Ganzer von Ernst Plattner ist nun im Shop des Aue-Verlages erhältlich:
http://www.aue-verlag.com/versand/schrei...lbau/200814.php

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