Liebe Sammlerkollegen Ich kann den abgebildeten Kran nirgends zuordnen. Ich weiss noch nicht einmal, ob er bei der Spur 1 richtig ist. Der Blechkran ist 23.5 cm hoch und handlackiert; er weist aber keinerlei Anschriften oder Stempelungen auf. Die Räder sind aus Guss. Vielen Dank für Hinweise und beste Grüsse Stephan
Hallo Stephan, ein sehr schönes und seltenes Teil zeigst Du uns hier, vielen Dank. Ein solches Bild habe ich schon lange gesucht. Wie schon geschrieben, wurde dieser Kran von R&G angeboten, ab 1896. Es handelt sich hier um die 1. Version. Im bekannten Schienen-Anlagen-Heft (um 1900) wird dieser Kran bildlich dargestellt. Es ist dort deutlich zu sehen, dass die Räder keine Spurkränze haben. Alle bisher gezeigten fahrbaren Kräne aus der Egelhaaf-Ära haben die üblichen 6-Loch Gussräder mit Spur-Kränzen. Ich verfüge über beide Versionen, bin mir aber ziemlich sicher, dass bei meiner 1. Version die Räder umgerüstet wurden. Ich vermute, dass die 1. Version nicht sehr lange angeboten wurde, da sehr schnell klar war, dass bei Beladung mit dem Kranhaken der gesamte Wagen nach vorne abkippen musste. Anstelle des aufklappbaren, leeren Werkzeugkastens wurde bei der 2. Version ein Gegengewicht eingesetzt. Du zeigst für mich nun das 2. bekannte Exemplar der 1. Version und erfreulicherweise mit den originalen Rädern. Alle anderen bisher bekannten fahrbaren Kräne dieses Herstellers sind in der 2. Version, aber insgesamt sind sind es nur ca. 10 Stück in den letzten 25 Jahren. Nachfolgend einige Bilder:
Man erkennt hier bei der 1. Version sehr gut den Werkzeugkasten und die geänderten Räder
Nun zum Vergleich die 2. Version:
Man erkennt das Gewicht, welches als Ausgleich für die zu hebende Last eingeschoben wird.
Das Besondere an Deinem Exemplar ist der originale Kranhaken. Der von mir gezeigte Kranhaken ist ein Nachbau nach rein visuellem Vorbild aus dem Schienen-Anlagen-Heft. Ferner habe ich eine Umlenkrolle als Vorbild gewählt, die auch bei dem Kran der Lokremise eingesetzt wurde. Ein direkter Vergleich wäre nun sehr interessant, und zwar nach dem Motto: wie nahe war meine Zeichnung vom tatsächlichen Vorbild entfernt? Alle in den letzten Jahren angebotenen Kräne waren mit einem Kugelhaken ausgerüstet, so wie er von Märklin verwendet wurde und deshalb als Ersatzteil leichter zu beschaffen war. Rutscht die Kette aus der Rolle ist sie nur sehr schwer wieder einzufädeln!.
Was die Ausführung von Georg Kühnrich (siehe Bild in Beitrag # 3) anbelangt: diesen Kran habe ich in all den Jahren bisher nie gesehen. Ich glaube auch, dass der Kran nur in Spur I angeboten wurde, sowohl von Egelhaaf als auch Kühnrich.
Vielen Dank, geschätzte Sammlerkollegen, für die Unterstützung bei der Suche nach der Herkunft des Krans. Die bildliche Dokumentation im Forum ist sehr wertvoll. Euch allen ein in jeder Beziehung gelingendes Restwochenende Stephan
Soeben gesucht, gefunden, gemessen: 1.Version: 26 cm, 2. Version: 25 cm. Bei der 1. Version steht der Ausleger etwas steiler und hat bei meinem Exemplar kein U-förmiges Blech als Umlenkschutz. Die Schenkel der Ausleger sind in beiden Fällen mit 24 cm gleich lang, haben aber ein abweichendes Profil. Die 2. Version wurde als schienengebundenes Fahrzeug konzipiert. Dennoch generell keinerlei Kupplungen verbaut. Die Breite der Grundplatte ist mit 83 bzw. 82 mm auch wesentlich breiter im Vergleich zu den Wagenkästen in Spur I. Stephans Exemplar hat jene einfache Kette, die auch bei anderen R&G-Artikeln verwendet wurde. Die Zopfkette mitsamt dem Kugelhaken ist bei R&G-Kränen fehl am Platz.
Zu Ypsilons Frage nach Ausstellungen: bezüglich R&GN ist mir das in den letzten 25 - 30 Jahren nicht bekannt. Das wäre auch mehr oder weniger ziemlich heikel! Wegen Lutz und Märklin kann evtl. Bodo mehr dazu sagen. Es gibt das Märklin Museum. Viele Grüße Wolfgang
Zitat von ypsilon im Beitrag #8Eine reine Markenschau? Oder zu Märklin vor 1905?
Hallo,
Märklin wird regelmäßig unterschätzt. Man muss sich innerlich von dem Eindruck der dünnen Detailkataloge der 1920/30er Jahre lösen.
1870 waren es Kinderkochherde "in 8 Nummern". Bereits 1891 listet die Inventur schon 700 Spielwarenartikel auf, und das noch vor der Vereinigung mit Lutz. 1905 heißt es in Anzeigen der Göppinger nach dem Erscheinen der Nachtragskataloge H und J 5:
"Sortiment von mehr als 6000 verschiedenen interessanten gediegenen Spielen"
Ich fänd es sehr spannend, mal eine möglichst breit aufgestellte Uralt-Schau zu sehen. Der Aufwand dafür dürfte sehr groß sein. Wahrscheinlich bleibt es bei dem Wunsch.
Zitat von WolKo im Beitrag #9Es gibt das Märklin Museum.
Hallo,
auch als Außenstehender ist zu erkennen, dass sich Märklin z.B. in dem Jubiläums- Sonderheft des Märklin Magazins von 1984 bei der Darstellung der eigenen Geschichte auf Objekte aus einer privaten Sammlung stützt.
Ja, Märklin selbst hat zum Glück noch eine ganze Reihe markanter Objekte. Aber wie heißt es 1985 in dem Beitrag "Adler, Krokodil, Storchenbein": Ein vollständiges Sortiment ist nicht mehr vorhanden.
Auch im Märklineum wird heute bei ein paar Exponaten auf private Leihgeber hingewiesen.
Wenn man genau hinschaut, erkennt man bei Objekten aus den 1920er und besonders der 1930er Jahren Etiketten aus der Zeit mit der Artikelnummern und dem Verkaufspreis in RM. Dabei handelt es sich um die auf der Leipziger Messe ausgestellten Muster, die nach Erfüllung ihres Zwecks so wie sie zuletzt gezeigt wurden eingelagert und dadurch bis heute überliefert sind. Wenn in Göppingen heute ein englischer Bahnhof von 1906 aus eigenen Beständen zu sehen ist, dann liegt es daran, dass er noch bis 1936 im Programm war.
Diese Überlieferung unbespielter Objekte erkennt man aber wie gesagt erst aus den 1920er und besonders den 1930er Jahren.
Ältere Stücken kamen nicht selten über andere Wege zurück nach Göppingen.
Zitat von ypsilon im Beitrag #12Der Aufwand dafür dürfte sehr groß sein. Wahrscheinlich bleibt es bei dem Wunsch.
Das ist richtig formuliert. Das ist eigentlich nur theoretisch möglich. In der Praxis ist das nicht beherrschbar. Die versicherungstechnischen Hürden sind enorm hoch, von den sicherheitstechnischen Aspekten ganz abgesehen. Die Museen haben kein Geld und die Träger dieser öffentlichen Einrichtungen kein Interesse. Zudem gibt es bei solchen Konstellationen mit wechselnden politischen Entscheidungsträgern keine Kontinuität. Einige private Museen haben in der jüngsten Vergangenheit schließen müssen, zumeist aus wirtschaftlichen Gründen. Ich habe im vergangenen Jahr einen Fall verfolgen können, bei dem es darum ging, eine bekannte Zinnfiguren-Sammlung zu erhalten. Ich kann das hier nicht ausbreiten - Ihr glaubt es nicht............ Viele Grüße Wolfgang
Zitat von Eugen & Karl im Beitrag #11Märklin wird regelmäßig unterschätzt
Hallo Bodo, aber nicht von mir! Der "normale" Modellbahner, der gerne seine Märklin-Bahnen fahren lässt, hat sicherlich weniger Interesse an den Erzeugnissen aus der Frühzeit, also bis ca. 1905 oder 10. Die einschlägigen Sammler haben sich jahrelang Bietergefechte bei Auktionen geliefert, da hat sich jeder normale Sammler oder Spieler nur wundern können. Diese Zeiten sind aber vorbei, da einerseits die bekannte Jerni-Collection aufgelöst wurde, und die beiden aktivsten europäischen Sammler ausschließlich auf Märklin fixiert waren und irgendwann die angebotenen Teile nicht mehr benötigten, weil schon vorhanden. Außerdem hat sich einer aus privaten Gründen zurückgezogen und der andere ist am 12.3. leider verstorben. Siehe Beitrag vom 22.3.24. Die Vielfalt und die Qualität von Märklin ist einfach unübertroffen und erfreulicherweise gibt es auch deshalb genügend Exponate in verschiedenen Sammlungen. Ferner ist Märklin sehr gut dokumentiert, auch Dank Deiner tatkräftigen Unterstützung. Auch Bing ist einigermaßen gut dokumentiert, nachdem der Katalog 1895 bekannt wurde. 1898/99 waren schon einige Jahre länger bekannt. Bei Marktnischen ist die Sache komplizierter. Hier ist einerseits der oft mangelhafte Zustand der Exponate sowie die nicht vorhandenen Kataloge die Ursache dieser Problematik. Deshalb sind gerade diese Nischen so spannend. Viele Grüße Wolfgang
Zitat von WolKo im Beitrag #16Ferner ist Märklin sehr gut dokumentiert
...hüstel
Hallo,
ich habe gerade einen Vortrag mit dem Titel
"Das ABC vor dem D - Märklins Katalogsystem der Jahre 1890 bis 1920"
vorbereitet (ich spreche nie von abgeschlossen), der vielleicht ein paar Hinweise enthält, aber in reichlich Fußnoten eigentlich zeigt, wie wenig gut Märklin in der Literatur dokumentiert ist...
Wir stehen auch bei Märklin immer nur am Anfang.
Einer Formulierung wie "Ferner ist Märklin vergleichsweise gut dokumentiert" würde ich aber durchaus zustimmen, "sehr gut" dagegen nicht.
Danke Bodo, Klasse! Das Blatt war mir bislang noch nicht bekannt. Ja, in Sachen Märklin gibt es auch noch einige Nuancen zu entdecken, aber im Großen und Ganzen kann man stets Exponate zuordnen, weil schon gutes Nachschlagewerk vorhanden ist. Bei den Marktnischen tappt man noch viel im Dunkeln, siehe z.B. Pos. 20046 bei der letzten Auktion in Hof. Viele Grüße Wolfgang