Bei meiner Vorstellung im Forum hatte ich schonmal erwähnt, dass ich einen Triebwagen Fliegender Hamburger habe, der nicht mehr richtig fährt. Es ist ein TW 12970, Baujahr ca. 1937. Nach Reinigung lief der Motor ein paar Runden sehr gut, dann war er plötzlich ganz kaputt. Auf den Fotos sind die beiden Probleme zu erkennen. Ein Kabel ist am Eintritt in die Spule abgebrochen. Die Antriebsräder sitzen zu locker auf der Achse. Ist das reparierbar?Ich hoffe ja. Oder geht es nur mit Austausch des Motors? Es wäre schön, wenn jemand eine Lösung hätte. Schonmal danke dafür.
Viele Grüsse Bernhard
Bonzo0
hat folgende Bilder an diesen Beitrag angehängt
Natürlich ist das zu reparieren. Der Motor scheint schon viel erlebt zu haben. So stark eingelaufene Räder sah ich bislang selten. Die Räder sind offenbar ältere aus Bleilegierung. Kenne ich sonst nur vom Zeppelin. Man sieht schon auch an den Schleifern wie tief der Motor inzwischen läuft. Aus meiner Sicht sollte man also generell nachdenken was zu tun ist. Das Rad wieder zu befestigen ist ja nicht das große Thema. Das geht am einfachsten mit einem guten Kleber und einem entfetteten und ausgerauhten Achsstummel.
Der gebrochene Draht ist schon schwieriger. Hier wäre zu klären ob es das innere oder äußere Ende der Spule betrifft. Ich sehe das nicht anhand der Bilder.
Wenn das eine Rad schon mal ab ist kann auch das zweite abgezogen werden, der Motor wird zerlegt, die Feldspule mit dem Stator ausgebaut. Wenn der Draht auf der Außenwicklung ab ist genügt eine Windung abzuwickeln und dann wird alles wieder angelötet. Ist der Draht innen ab wird es aufwändiger. Die Spule besteht nur aus aufgewicjeltem Draht. Was aufgewickelt wurde geht auch abzuwickeln und wieder aufzuwickeln. Je nach Geschick und Geduld wird das Ergebnis mehr oder weniger gut aussehen. (Dem Strom ist es aber egal ob die Drähte parallel und maschinengewickelt oder mit der Hand und krauterig worden sind.)
Nur Mut, du hast keine Uhr von Lange und Söhne vor dir, sondern nur ein altes Spielzeug.
wenn der Draht außen von der Feldspule kommt, kannst du ihn etwas abwickeln und dann neu verdrahten. Beim innen liegenden Draht wird es komplizierter. Entweder abwickeln der Spule und neu wickeln. Manchmal ist aber noch ein Stück Draht im Loch der Isolierplatte zu sehen. Dann diesen vorsichtig blank machen und versuchen das Loch mit dem Draht mit Lötzinn verfüllen. Daran dann eine neue Litze anlöten. Die Räder kannst Du mit Loktite o.ä wieder befestigen. Ich kneife vorher die Achse mit einem Seitenschneider 2x mal um 90 Grad versetzt etwas ankka.
Danke für diese Tipps. Werde ich versuchen so zu machen.
Die Räder machen tatsächlich keinen guten Eindruck, es sind zwar keine Risse, aber es blättert an der Oberfläche immer etwas ab, für Blei eigentlich zu leicht.
Es ist leider es der Anschluss für den inneren Draht. Die Bruchstelle liegt hinter der Anschlussplatte. Also abwickeln. Gibt es bei dem Ab und aufwickeln noch etwas zu beachten? Hält der Draht das aus?
Es gibt noch eine andere Möglichkeit, dass innere Spulenende zu reparieren: Mit einem dünnen Bohrer (1mm oder weniger) eine kurze Bohrung in des Loch des abgebraochenen Drahtes setzen. Dabei den Bohrer so ansetzen, dass er das untere Spulenende streift. Dadurch wird eine Öffnung geschaffen und gleichzeitig die angrenzenden Spulendrähte von ihrer Isolierung befreit, so dass sie in diesem Bereich blank sind. Da hinein dann einenn möglichst verzinnten Draht (z.B. Anschlussdraht von einem Widerstand oder Kondensator) stecken. Dieser sollte möglichst so dick sein,dass er sich nur mit Kraft hineinschieben lässt. Damit hat man die Verbindung zum inneren Spulenende geschaffen. Auf diese Weise ist mir die Reparatur von einigen Märklin 00 Loks der 700er Serie gelungen. Dass die letzten Wicklungen des inneren Spulenendes kurzgeschlossen werden, kann man in Kauf nehmen. Grüße von elaphos
Moin. Ab- und wieder Aufwickeln ist nicht zu empfehlen. Meist platzt dabei der Isolierlack ab, bevorzugt beim wieder aufwickeln. Am Ende hat man Windungsschlüsse. Wenn noch möglich, den Draht vorsichtig mit einer Zange fassen und bissel dran ziehen. 1mm rausgezogen, reicht schon, um eine Verlängerung anlöten zu können. Sollte noch ein winziges bissel Draht rausstehen, es aber zu wenig sein, um daran zu ziehen, kommt wieder der gute Draht zum Zahnlabor ins Spiel. Die könnten da eine Verlängerung dranbasteln - die können sowas. Falls doch abwickeln nötig wird, die Spule mit neuem Draht neu wickeln. Hat man hinterher keine weiteren Probleme.
Hier der Zwischenstand: Der Motor lief wieder gut, als ich ein neues Kabel fest an die Bruchstelle gedrückt gehalten habe, siehe Foto. Ich habe dann versucht, wieder anzulöten, was leider misslang. Die Bruchstelle liegt ja hinter der Platte. Zum einen habe ich keine vernünftige Lötverbindung hinbekommen. Vermutlich hat aber auch die Spule jetzt einen Schaden. Wenn ich von Hand wieder den Kontakt herstelle, wird die Spule unerwartet warm und der Motor läuft sehr schlecht. Es geht also nur mit Neuwickeln. Wenn schon, dann mit neuem Draht. Kennt jemand die Spezifikation, was und wo ich bestellen muss? Den Versuch möchte ich noch gerne machen. Falls das auch nicht klappen sollte, bekommt der Fliegende Hamburger eine schöne Dauerbeleuchtung und ein eigenes Abstellgleis.
Den Durchmesser bestimmen und die Drahtlänge nach dem Abwickeln. Das müsste eigentlich genügen als Info.
Steffen hat zwar Recht mit den Isolationsschäden, aber dann müssten ja zwei Schäden so zusammen kommen, dass sie auch nebeneinander liegen. Und die Frage ist ob ein Windungsschluß viel ausmacht.
Wenn Du abwickelst, dann am besten unter Zug. Also Draht am Ende einspannen und den Stator abwickeln, so dass der Draht straff bleibt. Und nicht abwickeln wie einen Wollknäul, sondern den Stator drehen, Stück für Stück. Schön festhalten, rückwärts laufen. Es ist ja Kupferdraht und der macht schon einiges mit. Ich würde einfach den alten Draht wieder aufwickeln. Du kannst ja den Draht vorher glätten, am besten mit der Hand (im Stoffhandschuh).
Bei einer dieser Aktionen habe ich mal einen langen Flur benötigt. Es ist immer gut, eine helfende Hand zur Stelle zu haben, wenn es fitzig wird.
Der Draht macht das schon ein paar Mal mit, aber die Lackschicht nicht. Die reißt dabei und krümelt manchmal ab. Manchmal krümelt der Lack aber auch erst später, durch Erschütterungen beim Fahren. Und dann geht's Suchen los und am Ende muß man wahrscheinlich alles nochmal, dann aber garantiert mit neuem Draht, wickeln. Schade um die erste Arbeit. Dann lieber gleich richtig machen. PS: Es gibt auch neuere DC-Motoren ganz flacher Bauform, die man mit bissel Geschick einbauen könnte. Als Notlösung, um Fahren zu können. Ob gekaufte Faulhaber, oder Antrieb vom Kassettendeck (mit ausgebauter Drehzahlregelung), ich habe damit gute Erfahrungen gemacht.
ich schließe mich dem Ratschlag von Steffen an...neuwickeln... bei dem Motor sicher auch für Kollegen, die darin nicht so viel Erfahrung haben gut machbar. Der Platz zwischen Feldspulenwicklung und Ankerhorn ist groß genug.. da muss nicht jede Windung exakt nebeneinander liegen.
Also abwickeln, Windungen zählen und messen, welcher Querschnitt benötigt wird. Bei meinen 20 er Jahre-Märklin Motoren bin ich mit 600 Windungen je 0,40 mm immer gut hingekommen. Den Motor des fliegenden Hamburgers hatte ich aber noch nicht auf dem "Basteltisch". Insofern können diese Werte da ja auch abweichen.
Hallo Bernhard, solch ein Schaden, wie an Deinem Motor, den nennt man Dauerbruch. Duch die Wibrationen des Fahrzeugs beim fahren schwingt der frei austretende Anschluss genau am Beginn der Feldwicklung. durch die Schwingeritis härtet das Kupfer aus, wird spröde und bricht. Diesen Fehler habe ich schon des öfteren repariert, indem ich das Feld neu gewickelt habe. Dazu habe ich mir eine Wickelmaschine mit Zählwerk gebaut, mit der ich auch meine Neubau-motoren herstelle. Schau mal die Monatsberichte des wittener Stammtisches durch, da hab ich das mal vorgeführt und Udo hat´s beschrieben. Falls Du in der Nähe wohnst, biete ich Dir ein Treffen an, um Deinen Motor komplett in Stand zu setzen, sprich neu zu wickeln. Neuen Draht kann ich auch beistellen und dann schaun mer mal, ob noch andere Dinge zu richten sind. Länger möchte ich jetzt nicht diskutieren, allenfalls noch ob wir oder nicht und wo. Herzliche Grüße Horst, der Soester
Noch ein Hinweis zur Optik beim Neuwickeln. Zumindest bei Relaisspulen wurde munter drauflos gewickelt. Unter die letzte Lage kam dann ein passendes Stück Ölpapier und die letzte Lage wurde darauf dann ganz ordentlich gewickelt. Alles darunter sieht dann eh niemand mehr. Und das war bei allen Herstellern damals so üblich. Auch wenn den Motor der Lok wohl kaum jemand zu Gesicht bekommen wird, es ist keine große Mühe und sieht einfach ordentlicher aus.
Hallo zusammen, vor Jahren oder schon vor Jahrenden habe ich von einem Ankerwickler lackierten Kupferdraht verschiedener Dicken bis 0,5mm Durchmesser zum Schrottpreis bekommen, weil er seinen Betrieb aufgab. Davon zehre ich heute noch und ein Ende ist nicht abzusehen. Die Wickeltechnik für Anker und Feld kenne ich, auch das einlegen eines Streifens Ölpapier, aber wenn es schnell gehen sollte hab ich das schon mal weggelassen, weil es nur der Optik gilt. Platz ist im Wickelraum genug und elektrisch ist eine nicht ganz glatte Wicklung nur mikronal schlechter. Im übrigen gilt der Satz: Magnetische Feldstärke ist gleich Stromstärke mal Windungszahl. Herzliche Grüße Horst