In einem Konvolut von Bing und Märklin Spur 1 fand ich diese sitzenden Figuren. Zum Glück ist bei der Frau der Kopf noch da, auch wenn schon angeleimt. Im Konvolut waren zwei Personenwagen von Bing dabei, beide dem Stempel nach um oder vor dem 1. Weltkrieg.
Die Figuren sind nicht aus weicherem Gips oder der Figurenmasse wie man es z. B. bei Märklin findet, sonder aus einem harten Material. Wie Keramik. Beim Anstoßen klingen sie hell. Die Frau ist knapp 48 mm hoch.
Kann jemand die Herkunft von Bing bestätigen? Der Schiffmann ist im Band 12 bei Bing etwas dünn bei diesen Figuren.
Original Beladungen und Besatzungen sind ein Thema über welches ich wenig weiss. Es tauchen immer mal wieder Kisten und Säcke mit GBN auf, wohl originales Zubehör für Güterwagen. Auch sind die zu den Tierwagen mitgelieferten Tiere meist nicht mehr vorhanden, hier hat Wolfgang mal was gezeigt, er ist sicher auch der Guru für Figuren.
Im Katalog 1902 wurden nur wenige Wagen mit Sitzfiguren geliefert, diese hier und wenn die Wagen in einer Zugpackung enthalten waren:
Es gab sie auch als Zubehör zu kaufen:
ich gehe davon aus, dass es keine Porzellan-Figuren sind, sondern aus einer schwereren und härteren Masse bestehen.
Danke für das Bild. Ich komme aber noch nicht weiter mit dem Fund. Der ist sehr zusammen gewürfelt. Wahrscheinlich gab es eine Basis mit einer Zugpackung von Märklin und dann wurde zusammengekauft wie es gefiel. Theoretisch passt ein zweiachsiger Coupéwagen von Bing, aber der hat nur zwei Stifte in den Bänken. Ein vierachser Schlafwagen von Bing, doch da kenne ich die Figuren eigentlich. Und ein Wagen 1942 von Märklin und zwar der 29 cm Wagen zweiachsig.
Und das ist jetzt mein Favorit, also Märklin. Im Schiffmann Figurenbuch 1. Auflage ist auf Seite 142 eine Zusammenstellung 2718 G/1 und da sind Sitzfiguren in verschiedenen Posten dabei. Da könnten auch solche Männer enthalten gewesen sein. Die Frauen haben einen typischen Querstrich auf dem Rock. Das könnte passen. Zudem, und das ist fast das Hauptargument, hat Märklin die Sitzstifte weit vorn auf der Bank angelötet und die Figuren haben das Stiftloch sehr mittig. Damit sitzen die Figuren auf den Bänken von Märklin perfekt.
Die Herren haben ihre Hände auf den Knien. Das ist eine etwas langweilige Pose, aber typisch. Die Figuren hier im Bing-Katalog passen nicht dazu.
Aber jetzt wird es seltsam. Eben finde ich auf den hinteren Seiten vom Schiffmann die Rubrik sitzende Figuren. Dort sind auf Seite 246 diese Figuren abgebildet. Allerdings viel gröber gearbeitet als meine. Und dort werden sie als Bing Nr. 8584/1 bezeichnet. Daran habe ich jetzt großen Zweifel. Diese Figuren sehen in keinster Weise so aus wie im Katalog von Bing. Vielleicht weiß jemand etwas mehr dazu.
Zitat von Sackbahnhof im Beitrag #2ich gehe davon aus, dass es keine Porzellan-Figuren sind, sondern aus einer schwereren und härteren Masse bestehen.
Die These von Domenik, möchte ich gerne aufgreifen und auch vertiefen! Beim Lesen der Überschrift bin ich über den Begriff "Keramik" gestolpert, konnte auch zunächst nix damit anfangen. Bisher kannte ich Figuren entweder aus Zinn/Blei - Legierung je nach Fertigungsweise oder aber Massefiguren. Was damals alles als Masse eingesetzt wurde ist nur rudimentär bekannt. Es waren einfache und billige Materialien, die man teilweise auch als Abfall von anderen Fertigungsprozessen erhalten konnte. Im Zusammenhang mit Pfeiffer, Wien und Hausser wurde das hier bereits erwähnt. Das Bild in Beitrag 1 zeigt eine glatte, homogene Oberfläche und die Bemalung ist glatt und glänzend. Diese Figuren würde ich zeitlich um 1910 einordnen. Möglicherweise wurde hier eine höherwertige Grundmasse eingesetzt im Vergleich zu den später verwendeten Massen, die mit allen möglichen Füllstoffen gestreckt wurden. Erfreulicherweise ist bei einer Frau noch der Kopf vorhanden, sodass ein Vergleich mit einer ähnlichen, stehenden Figur möglich ist. Diese Grundform wurde sowohl bei Zinn/Bleifiguren als auch bei frühen Massefiguren eingesetzt. Die Männer hatten zumeist eine Zylinder-ähnliche Kopfbedeckung. Ich hatte bereits früher Figuren in dieser Form, jedoch sind diese seit vielen Jahren in einer anderen Sammlung. Damals hatte ich noch keine Bilder hinterlegt, sorry. Ich finde die gezeigten Figuren sehr interessant und es würde sich in diesem Fall durchaus lohnen, bei vorhandenen Köpfen entsprechende Nachbildungen anzufertigen. Ein bekannter Sammler (H. Wollenberg aus Wuppertal), der dies hätte machen können, ist leider vor 4 Jahren verstorben.
Das Bild ist nicht von mir, ich weiß auch nicht genau, woher ich das habe. Ich habe momentan kein besseres anzubieten. Ich könnte noch ein Bild eines originalen Bing Schaffners nachreichen, ca. 1902, das müsste ich machen, wenn es wieder hell ist. Möglicherweise kann hier Lollo/Bernhard etwas mehr zu dem Thema beitragen, der kennt sich gewiss besser aus. Viele Grüße Wolfgang
"Was damals alles als Masse eingesetzt wurde ist nur rudimentär bekannt. Es waren einfache und billige Materialien, die man teilweise auch als Abfall von anderen Fertigungsprozessen erhalten konnte."
Genau, das war Abfall, beispielsweise wurde Masse (aus Holzschliff) nach dem Bierbrauen zum Filtern eingesetzt, um die Hefen zu entfernen. Das war danach Abfall-Masse. Wurde gewaschen und weiterverwendet.
Das Material bei den vier Figuren ist wie von Porzellankopfpuppen. Ich würde sagen, Bisquitporzellan. Keramik ist vielleicht nicht das richtige Wort dazu.
Und das war wohl ungeeignet für diese feine Gestaltung, weil zu spröde, wie man sieht.
Ich finde das Material aber naheliegend, wenn man von der Puppenindustrie ausgeht. Der Nachteil wäre aber das Brennen. Massefiguren können auch ohne Ofen und damit besser in Heimarbeit gemacht werden.
Zitat von WolKo im Beitrag #4ein Bild eines originalen Bing Schaffners nachreichen,
Nachfolgend ein Bild eines Schaffners von Bing, zusammen mit dem Packwagen angeboten. Absolut original, auch der Original-Karton war dabei.
Man erkennt die matte, leicht raue Oberfläche, offenbar ein anderer Hersteller. Es ist mir nicht bekannt, von wem Bing die Massefiguren zugekauft hat. Viele Grüße Wolfgang
Zur Herkunft dieser Figuren von Ypsilon kann ich nichts sagen, aber vielleicht etwas zur Materialbestimmung beitragen. Ich habe zwei ähnliche Figuren (anders in der Modellierung), die mal in einem "Ein-Euro-Kruscht-Konvolut" dabei waren. Sie bestehen aus Papiermaché. Dass es vielleicht Eisenbahnzubehör sein könnte, auf diese Idee kam ich noch gar nicht.
Was wir umgangssprachlich "Keramik" nennen und von Porzellan abgrenzen, ist zumeist gebrannter roter oder weißer Ton (oder auch Lehm) und wird z. B. als Terrakotta, Irdenware, Steingut oder Steinzeug bezeichnet. Tatsächlich gehört Porzellan aber ebenfalls zu den keramischen Massen, nur ist die Zusammensetzung und das Mischungverhältnis ein spezielles: Porzellan besteht hauptsächlich aus Kaolin (weißer Tonerde), Feldspat und Quarz.
Alles was gebrannt wird, ist also Keramik, auch Porzellan. Die Unterschiede liegen lediglich in der Zusammensetzung der "keramischen Masse", in der Höhe der Brenntemperatur und in der Dauer des Brennvorgangs. Bei Porzellan ist die Brenntemperatur deutlich höher als z.B. bei Irdenware. Die Zusammensetzung der keramischen Masse und der Brand sind entscheidend dafür, wie dicht der Scherben wird, also wie stark er versintert, ob er eher porös oder ganz glatt wird und wie bruchanfällig er ist. Je nach Art der Bemalung und der Glasuren unterscheidet man bei den Bezeichnungen von Keramiken dann weiter.
Bisquitporzellan bleibt unglasiert und wird (mindestens) zweimal gebrannt, Scharfbrand und Farbbrand, daher der Name. Bisquit bedeutet soviel wie "zweimal gebacken". Bisquitporzellan kann auch in Formen gedrückt werden, wurde/wird aber zumeist gegossen. Nach dem Trocknen und Versäubern erfolgt oft ein Schrühbrand, erneutes Versäubern, der Scharfbrand und dann noch meist weitere Brände für Tönung und Bemalung. Bisquitporzellan ist normalerweise nicht durchgefärbt. Es ist also unter der getönten Oberfläche reinweiß, schimmert dort mitunter etwas und wenn es bricht, dann splittert es leicht. Es gibt scharfkantige Scherben, ähnlich wie bei Glas. Verunreinigtes und minderwertiges Bisquitporzellan kann auch grau wirken, es wird als "Stone-Bisque" bezeichnet.
Papiermaché besteht aus Zellulose oder gemahlenem, aufgelöstem Papier, manchmal wurden dem Papiermaché auch textile Materialien (Lumpen) zugesetzt. Papiermaché enthält manchmal Beimischungen wie Ton oder Kreide und wird durch Leim gebunden. Papiermaché ist grundsätzlich ebenfalls weiß, aber es ist etwas matter im Farbton. Es fühlt sich viel weicher und wärmer an; Porzellan und andere gebrannte Massen sind kalt und hart. Im Gegensatz zu Porzellan kann man Papiermaché mit einer Nadel meist ganz leicht anritzen. Es ist deutlich leichter als Porzellan und stumpfer an der Oberfläche; es glänzt nicht. Durch unterschiedlichste Zusätze, die Papiermaché-Massen enthalten können, gibt es jedoch verschiedene Härtegrade. Manche dieser Massen wirken z.B. gipsartig; sie sind auch schwerer und fühlen sich dann auch kälter an. Die Farben von Papiermaché mit Zusätzen können auch leicht gelblich oder grau in allen Schattierungen sein. Papiermaché wird nur getrocknet, nie gebrannt.
Die Grenzen zwischen Papiermaché und dem, was wir als "Masse" bezeichnen, sind fließend. Da die Rezepturen geheim gehalten wurden, kennt man die genauen Beimengungen und das Mischungsverhältnis nicht. Im Prinzip ist Masse ein Papiermaché mit weiteren Zusätzen. Masse besteht aus einer Mischung von Leim, Glycerin, Wasser, Zinkoxyd, Zellstoff und Wachs und kann auch zusätzlich aus festeren Bestandteilen, wie Lederresten, Gummi, Sägespänen oder Tonerde sein. Die Masse wurde erhitzt und in Formen gepresst oder gegossen. "Masse-Figuren" wurden dann meist lediglich getrocknet. Je mehr Tonerde in solch einer Masse ist, umso keramischer wirkt sie.
Manche dieser Massen wurden dann auch wieder gebrannt, z.B. Massen für Puppenköpfe. Es wurde viel damit experimentiert, um ein möglichst bruchsicheres Material zu erhalten. Bei den Farben ist alles möglich: sämtliche Grau-, Gelb- und Brauntöne, bis hin zu schwarz.
Mir kommt es so vor, als wäre der Untergrund der männlichen Figuren von Ypsilon eher bräunlich und bei den Damen schaut es weiß aus? Kannst du die Figuren auch mal von der Unterseite oder von oben an den Bruchstellen zeigen, Ypsilon? Ist das Material eher kalt und schwer? Lässt es sich ritzen?
Ich habe vorhin in meinen Bildern diese Papiermaché-Figuren gefunden, von denen ich oben schrieb. Die Aufnahme ist leider sehr undeutlich.
Die Bemalung der Dame hat schon etwas gelitten, der sitzende Herr ist noch in besserem Zustand. Die Figuren sind winzig. Sie stammen bestimmt vom gleichen Hersteller, unterscheiden sich aber deutlich im Maßstab. Eisenbahnzubehör?
zur Erläuterung der von Ruth in Beitrag #9 erwähnte "Masse":
Die "Masse" hat es nicht schon immer gegeben, sondern sie war eine Entdeckung, die die Zeitumstände ergaben. Durch die in der ausgehenden Biedermeierzeit (1818-1848) entstandenen Papierknappheit, bedingt durch die mengenmäßig anschwellenden Veröffentlichungen der Behörden in Form von neuen Gesetzestexten, Anordnungen usw. suchten Papiermacher nach Lösungen. Bisher wurde Papier aus Lumpen hergestellt, aber die Verarmung der Bevölkerung bewirkte beispielsweise die längere Benutzung von Kleidung und den Mehrverschleiß, so dass immer weniger Lumpen der Papierherstellung zur Verfügung standen.
Der sächsische Blattbinder Gottlob Friedrich Keller (1816-1895) aus Mittweida (Sachsen) erzielte 1840 den Durchbruch mit seiner Idee der Zerfaserung von Holz auf Schleifscheiben, die der Heidenheimer Papiermacher Heinrich Voelter (heute die Voith-Werke Heidenheim) 1847 mit der Produktion der ersten Holzschliffpappe in guter Qualität in die Praxis umsetzte. Für diese Schleifvorrichtung erhielt Voelter Patente des Königreichs Würrtemberg und der französischen Republik.
Keller selbst stellte Papier nach seiner Methode her und ließ das Verfahren 1845 in Sachsen patentieren. Es wurde beim Druck des "Frankfurter Wochenblatts" erfolgreich erprobt. Die Zerstörung der eigenen Papiermühle in Kühnhaide im Erzgebirge durch ein Hochwasser und seine nachfolgende Armut hinderten ihn an einer weiteren fabrikmäßigen Herstellung des Papiers. Er siedelte nach Krippen über und verband sich mit einem Bautzener Papierfabrikanten, der ihn aber um Lohn und Ruhm seiner Arbeit brachte.
Es gibt Holzstoff (Herstellung auf chemischen Weg durch Entfernung des Lignins in der Holzfaser) und Holzschliff, der aus Holz durch Schleifen hergestellt wird. Es beinhaltet jedoch noch Lignin, das dafür verantwortlich ist, dass Papier vergilbt.
Ruth beschreibt in ihrem Beitrag die Beigabe von Ton oder Kreide. Diese Materialien als auch Gips bewirkten eine Stabilisierung des Papier bzw. der Pappe. Die kugelförmigen Gipszusätze verhinderten eine bevorzugte statische Orientierung der abgelegten Fasern. Auf Deutsch: Die Fasern liegen bei der in Längsrichtung laufenden Herstellung nun nicht mehr parallel in Faserrichtung zueinander (bevorzugte räumliche Orientierung), was die Stabilität des Papiers oder der Pappe beeinträchtigen würde, sondern die "Kugeln" bewirken, dass die Tendenz entsteht, dass die Holzfasern sich kreuz und quer ablagern und dadurch eine bessere Verfilzung der Masse erreicht wird.
Zufällig ergab sich, dass man diese "Masse" auch zum Filtern von Bier benutzen konnte, um die Hefepartikel besser zu entfernen. Nach Gebrauch wurde die "Masse" getrocknet und in Form von Briketts verbrannt oder gewaschen für Papiermaché verwendet.
😀 👍 besser ist es nicht darzustellen und zu erklären, die Papierfabrik in Penig gibt es immer noch , steht jetzt wohl vor dem aus , die Tradition schwindet oder geht verloren schade drum. Danke für die Verbreitung des Wissens es ist und muss einfach festgehalten werden. Schönen Sonntag .