Hallo zusammen, ein guter Freund aus Köln hatte vor einiger Zeit von privater Seite einen TW 800 im originalen Rautenkarton mit auf der Spitze stehender Raute bekommen. Auf der Vorderseite kann man den Rollenstempel " 0 3 "der Auslieferung noch erkennen, was auf eine Auslieferung durch Märklin im 3. Quartal 1940 hindeutet.
Er hatte mich angerufen und um Schützenhilfe gebeten, denn bei diesem alten Stück waren doch einige Teile, die man austauschen musste. Wir haben bei ihm zu Hause bereits die beiden Hauben sehr vorsichtig entfernt, damit wir das Innenleben und die Verkabelung kontrollieren konnten. Die Hauben ließen sich relativ gut entfernen, die beiden Fahrzeug Fahrgestelle wiesen aber ziemlich viele Risse und an einigen Stellen auch Abrücke auf, auch zwei Räder waren nicht mehr zu gebrauchen. Am schlimmsten hatte es das Getriebeteil unter dem Motor mit den Zahnrädern erwischt, hier waren nur noch Bruchstücke vorhanden.
Ich habe den kompletten TW 800 mit nach Hause genommen und mir genau angesehen. Bei Ritter habe ich die benötigten Austauschteile bekommen, und dabei auch von Elmar Ritter erfahren, dass der Querbügel für das antriebslose DG bereits damals bei den Transporten von Märklin zum Händler bei einigen Modellen gebrochen war und Märklin hierfür analog des anderen DG einen Blechbügel zur Verfügung hatte, der als Ersatz beim Transportschaden eingebaut werden konnte.
Zuerst wurde die Passgenauigkeit der sehr gut erhaltenen beiden Hauben mit den Ersatzfahrgestellen getestet, dabei wurden auch gleich Markierungen für die seitlichen Befestigungen durch die Öffnungen der Hauben gesetzt, die danach in den neuen Fahrgestellen gebohrt wurden.
Ein besondere Arbeit war das Aufbohren der Zahnrad- und Achsführungen am Getriebeteil. Die beiden Achsführungen mussten nach Messung um 0,12 mm aufgebohrt werden, um die 2,5 mm Durchmesser der Achse zu erreichen. Besonders speziell war die mittlere Zahnradachsöffnung, Achsdurchmesser 3mm, auf der Rückseite vor dem Herausfallen gesichert durch eine Mini Unterlagscheibe in einer Rille, die auch einigermaßen verbogen war. Diese habe ich durch einen Benzing Ring in gleicher Größe ersetzt. Diese Bohrung auf 3mm musste auch wie die anderen Bohrungen äußerst präzise gebohrt werden, damit nachher das Getriebe, bestehend aus fünf eng nebeneinander liegenden Zahnrädern funktioniert und sich der Antrieb leicht dreht, aber es ging alles gut von Statten.
Dieses Ersatzgetriebeteil ist für das NK-Modell TW 800 N gemacht worden, hinten mit schmälerer Öffnung für den hinten schmäleren NK-Motor. Es musste für den Einbau des VK-Motors die beiden hinteren seitlichen Stützen entfernt werden, damit der hinten breitere VK Motor passt.
Auch auf der Vorderseite, in der Nähe der zentralen Befestigungsschraube des Motors musste weniger als 1 mm Distanz zwischen dem letzten Motor Zahnrad und dem Zahnrad des ersten Rades überwunden werden, da das letzte Motorzahnrad geringfügig kleiner ist als das gleiche NK-Zahnrad. Hierzu wurde am Motor und am Getriebeteil etwas Material mit dem Dremel entfernt. Die gesamte Antriebseinheit funktionierte anschließend einwandfrei. Das Umsetzen der gesamten Innerei aus den alten gerissenen FG-Teilen in die neuen Teile des TW 800 funktionierte gut, dazu mussten vorher noch die Gewinde für die Schrauben in den neuen Fahrwerkteilen vorbereitet werden.
Das anfangs bewegungsunfähige uralte Schaltrelais aus der VK Fertigung mit Gusskörper wurde auseinander gebaut, die verklemmte Walze gangbar gemacht, für den Einbau eingestellt und die Kontakte wurden geputzt. Es funktioniert wieder sehr gut.
Um den mittleren Turm vom Durchhänger auf gleiche Höhe mit den Seitenteilen zu bringen, musste ich ins Innere des Turmes, um hier zwei 1 mm Unterlagscheiben einzusetzen. Dazu öffnete ich vorsichtig vier Blechlaschen, zwei von der elektrischen Verbindungsplatine und zwei, die das Turmoberteil mit dem FG Halter verbinden. Danach versuchte ich die untere Schraube des Druckstabes tief im unteren Teil des FG Halters zu öffnen, die aber bombenfest saß. Nach einigen Versuchen mit Kriechöl und längerer Einwirkungszeit bequemte sich die Schraube dazu sich öffnen zu lassen. Die U-Scheiben ließen sich problemlos einsetzen und brachten den Turm dann auf die richtige Höhe. Zwei Birnchen Gewinde der Innenbeleuchtung waren abgebrochen und wurden mit Schrauben Einsatz wieder gangbar gemacht, wodurch der Einbau am Motorblech in der inneren Ecke nicht so schnell realisierbar war.
Die Gehäuse wurden gereinigt, die losen Cellonscheiben gereinigt und neu befestigt. Die Gehäuse sind in sehr gutem originalem Zustand. Bei näherem Hinsehen erkennt man, das hier auf beiden Hauben eine originale Handlackierung von Märklin vorliegt. Man erkennt es auch daran, das der linke vordere beige Bogen in der Rundung etwas höher ist als der rechte Bogen. Die Hauben sind 1940 noch mit der damals üblichen Schutzlackierung versehen worden, man sieht auch hier den Goldeffekt der Dächer. Auch fällt bei näherem Hinsehen die leicht unterschiedliche Höhe der Panto Dachaufbauten auf, was vielleicht mit zwei verschiedenen Gussformen zusammen hängen kann.
Der TW 800 fährt gut, man merkt aber auch, dass der kleinere VK-Motor hier einiges an Gewicht bewegen muss und daher sehr stark arbeitet. Märklin hat nicht ohne Grund in der NK-Zeit zwei Motore eingebaut. So gingen während der Aufarbeitung ganz schnell ca. 20 Stunden vorbei.
Hier einige Bilder vom TW 800 und vom originalen Karton:
Die Ritterteile.
Rechts unterhalb der Klammer erkennt man " 0 3 ", 30,-- RM ist der Preis aus dem Katalog 1940.
Die Ausgangslage
Das alte und das neue Fahrwerk vor der Umsetzung ...
... und danach
erster Probesitz des Gehäuses und Kontrolle des Durchhängers in der Mitte
... und heute wurde der wiederaufgebaute TW 800 von 1940 von meinem Freund abgeholt. Er freute sich sehr über das wieder erstandene Modell und wir haben den TW 800 von 1940 mit zwei anderen roten TW 800 N von 1948 und 1949 auf meinem alten Schrank abgelichtet:
TW 800 N von 1948 in dunkelrot ohne goldenen Zierstreifen in der Mitte.
TW 800 N von 1949 in hellerem Rot mit goldenem Zierstreifen in der Mitte.
Der TW 800 wurde dann standesgemäß mit einem Oldtimer nach Hause gefahren. Von diesem BMW Z 1 Modell mit den nach unten in den Schweller versenkbaren Türen wurden zwischen 1988 und 1991 nur 8000 Fahrzeuge in München hergestellt, davon genau 226 Modelle in dieser Farbe "Magic violett". Ein nicht alltägliches Sportcabriolet. Der hier auf dem Foto auf dem Cabrio Dach stehende TW 800 verschwand bei Fahrtantritt an eine gesicherte Stelle im Innenraum des Z 1.
Wenn dieser BMW bis 1991 gebaut wurde, ist er doch kein Yongtimer mehr. Ab 30 Jahren gilt er als Oldtimer und hat Anspruch auf ein "H"-Kennzeichen. Das Cabrio, das ich 1995 meiner Frau Eve zur Silberhochzeit schenkte, wurde letztes Jahr auch 30 und hat standesgemäß ein "H"-Kennzeichen bekommen. Nach ihrem Tod vor jetzt 8 Jahren habe ich es nicht übers Herz gebracht, das Auto zu verkaufen. Grüße von elaphos