Ich nutze meinen Feierabend um euch einige Bilder von den Arbeiten an meiner zuletzt erworbenen Eigenbau-E18 zu zeigen.
Hintergrund war die Börse in Lutherstadt Wittenberg die zwar ein großes Loch in mein "Taschengeld" riss, aber auch spannende Sachen mit sich brachte. Es dauerte ca 20 Minuten nach Ankunft vor Ort und dieses Unikum wechselte den Besitzer:
Die Bauweise fand ich spannend. Zwar fehlte das Dach und fertig geworden war sie wohl nie... Aber die saubere Ausführung der Fenster und die gedrückten Lüfter gefielen mir. Das Gehäuse scheint aus Schwarzblech zu sein. Die Drehgestelle sind aus solidem Flachstahl, die Radsätze aus dem Vollen gedreht.
Das der Antrieb genau nach meinem Gefallen war, wusste ich bereits auf der Börse. Bei der Demontage zeigte sich die ganze "Schönheit". Ein massiv gebauter Allstrommotor mit dreipoligem Anker und zweifacher Feldwicklung, ein Trockengleichrichter und eine Fassung für ein großes Glühobst (E14). Das Alles gehalten von einem Flachstahl der auch zur Befestigung des Gehäuses dient. Schön Durchdacht und ausgeführt. Nur eben dreckig.
Der Trockengleichrichter stellte sich nach Demontage als Kupferoxydul-Gleichrichter aus Einzelplatten heraus. Diesen habe ich nach Demontage gesäubert, durchgemessen und wieder verwendet.
Der Motorblock ist aus Blechen handgefeilt und gut gebaut.
Der verschmutzte Kollektor wurde gereinigt und poliert. Leider habe ich nur ein Foto vom Ursprungszustand.
Als ersten Schritt (die Neugier war stark) habe ich das Gehäuse gesäubert, geschliffen und Stahlblau lackiert. Weitere Ausbesserungen waren nicht nötig. Ich wollte die Maschine wieder herrichten und nicht verändern.
Den Rahmen habe ich im Anschluss demontiert, gesäubert, Anthrazit lackiert und mit dem gesäuberten Motor, Gleichrichter und Lampenfassung wieder zusammengebaut. Den Gleichrichter habe ich jeweils zu zwei parallel geschalteten Dioden mit neuem Textilkabel verdrahtet. Er sorgt jetzt für die Anschaltung der jeweils richtigen Feldspule, je nach Fahrtrichtung. Eine Nähmaschinenglühlampe wurde ergänzt.
Als letzte Baustelle stand das Dach auf dem Plan. Es fehlte ja komplett. Im Holzlager fand sich ein altes geeignetes Stück Weichholz. Sägen, Raspeln, Schleifen und lackieren. Ein Regenschirm spendete die Gelenke für die Panthographen. Ein Schirm genügt für zwei identische Stromabnehmer. Ebenfalls aus Schirmspeichen und deren Enden entstanden die Dachleitungen und Isolatoren. Die Atrappe des Hauptschalters habe ich aus ein paar Schnurlaufrollen gebaut.
Nun stand dem Zusammenbau nichts im Weg. Zwei Gewindebohrungen im Flachstahl des Rahmens mussten eingebracht werden um das Dach zu fixieren.
Einfache Linien lockern das Gesamtbild etwas auf. Die Lüfter und Zierlinien sind auflackiert. Die Anschriften habe ich mit einem Bleistift vorschgeschrieben und mit weißer Farbe und Ziehfeder von Hand geschrieben. Der Lackierung entsprechend gab es zwei Bundesbahn-Kekse an den Seiten und meinem eigenen Nummernschema folgend, die Baureihenbezeichnung DC-123 (Gleichspannung, 1 Laufachse, 2 Treibachsen, 3 Laufachsen). Der gewöhnliche Stellplatz befindet sich nun in meinem Arbeitszimmer.
Zu besonderen Anlässen darf die alte Dame dann auch vor die Tür. So auch zur letzten Ausstellung auf der Zeuke-Anlage in Berlin mit Hauptlokführer Weißbach am Fahrschalter.
Ich hoffe euch hat der kleine Einblick in meine Werkstatt gefallen und wünsche noch einen schönen Abend
VG Roman
"Eisenbahnen sind in erster Linie nicht zur Gewinnerzielung, sondern dem Gemeinwohl verpflichtete Verkehrsanstalten..." Otto von Bismarck