der Michael hat im FAM einmal erklärt, wie er elektrische kurze Progress-Gleise für die Spur 1 herstellt. Über diesen Beitrag von 2010 bin ich gestolpert und habe gesehen, ich bin nicht der Einzige, der so etwas macht.
Hier ein Karton mit Progress-Gleise für Uhrwerk. Märklin hat solche Gleise nicht hergestellt, aber ein Händler in Quebec/ Kanada hat solche in seiner Werkstatt produziert. Gesehen habe ich solche Gleise zum ersten Mal anläßlich eines Besuches in Frankreich bei einem Auswanderer aus Kanada, der mit seiner Familie mitten in Frankreich in einem riesigen Waldgebiet wohnte und in der Forstwirtschaft angestellt war. Weil der Nachschub solcher Uhrwerk-Progress-Gleise nach dem Krieg nicht mehr möglich war, hat er sich entsprechende Lehren und Werkzeuge gebaut und diese Gleise selbst hergestellt. Ich habe diese Lehren und Werkzeuge dort abgemessen und nachgebaut, und zwar so, dass man sowohl Progress-Gleise fürUhrwerk und für den elektrischen Betrieb herstellen kann.
Und hier halbe Gleise für den elektrischen Betrieb.
Die Lehren habe ich aus Buchenholz gefertigt. Die Stäbchen haben in der Mitte eine Vertiefung für die Blechlasche, die bei Gleisen für den elektrischen Betrieb die Isolierung hält. Das letzte Stäbchen hat eine Aussparung für den Bügel, der zur Gleisverbindung dient.
Das sind die Werkzeuge, die ich verwende und die ich teilweise umgebaut habe.
Der zuletzt gezeigte Meisel hat eine stumpfe Schneide. Damit kann man bei umgedrehtem Gleis lose untere Laschen bei den drei ursprünglichen Schwellen durch kreuzweises Schlagen wieder befestigten. Gleiches geht auch mit der quadratischen Rückseite.
Man legt zuerst die losen Schwellen auf die entsprechenden Stäbchen, drückt dann das dreischwellige Gleis auf die restlichen Stäbchen und fängt an, die Laschen gegen den Schienenfuß zu drücken. Dafür nimmt man diese Spezialzangen. Danach wird mit einem Laschenbefestiger und einem Hammer auf die Laschen geklopft, so dass diese recht fest anliegen. Den hier abgebildeten Laschenbefestiger habe ich mir aus einer Hoftürangel gebaut. Gibt es im Baumarkt. Der Einschnitt oben ist etwas breiter und schön abgerundet, also ausgefeilt. Man kann nämlich nicht ausschließen, dass man dieses Werkzeug einmal nicht ganz gerade hält. Ist es oben breiter ausgefeilt, vermeidet man, dass man kleine Katsche in den Schienenkopf schlägt.
Anstelle des Meissels gibt es auch die Möglichkeit, mit einem weiteren Werkzeug die unteren Laschen der Schienen festzuklopfen.
Ein Bild von den Isolierstücken, die Märklin verwendete. Sie sind mit Silikonöl geschmeidig gemacht worden. Mir ist so gut wie keiner entzwei gegangen. Eher brechen die Metalllaschen zur Befestigung der Isolierung. Man kann sich diese runden Scheiben aber auch selbst herstellen. Dafür nimmt man Lederpappe (wird auch Kraftpapier genannt) oder Sulfatpapier in der entsprechenden Stärke und stanzt diese mit einem Stanzeisen aus. Dann werden diese Scheiben mit der Zange gefasst und rechts und links hochgebogen und danach eingebaut.
Die bei der Gleischlachterei gewonnen Schienenklammern für die elektrische Mittelschiene können bedingt durch das Alter und das Verändern der Metallstruktur auch schon mal abbrechen. Dann muss man sich bei Mangel eben neue Stücke aus Blech bauen.
Weil sich nachträglich eingebaute Schwellen ab und zu lockern können, bin ich hingegangen und habe rückseitig auf die Schwellen je ein Tröpfchen Sekunderkleber geträufelt.
Diese Anleitung gilt natürlich für Gleise in allen Größen, üblicherweise in Spur 0 und 1. Ich baue Gleise in den Radien für den 8-er und 12-er Kreis. Zusätzlich habe ich mir aber auch noch gebogene 16-er Gleise gebaut. Diese haben in den Zwischenfeldern drei zusätzliche Schwellen. Die Schienen für diese Gleise habe ich von geschlachteten 16-er Gleisen der Spur 1.
Wichtig ist noch die Zuordnung der Schwellen zu den Gleisen, die gebogen und gerade sind. Im gebogenen Gleis nimmt man als Ergänzung die Schwellen mit dem Buchstaben A und bei den geraden Gleisen die Schwellen mit dem Buchstaben D. Die Schwellen mit der Zahlenangabe 8 bzw. 12 werden entsprechend eingebaut. Zudem sollte man auf die Färbung der Schwellen achten. Helle Schwellen kommen zu hellen Gleisen und dunkle Schwellen zu dunklen Gleisen. Die verschiedenen Metallfarben rühren von unterschiedlichen Blechqualitäten her, die Märklin verwendet hat. Die Firma musste ja immer preisgünstig einkaufen, und wenn es mal einen günstigen Posten Blech mit höherem Kohlenstoffgehalt gab (hellere Gleise), dann griff die Firma zu.
So, und nun mal ran an die Arbeit. Die Kosten für das Werkzeug und die Lehren halten sich in Grenzen, aber das Endprodukt ist wunderbar.
Ypsilon, es gibt hier eine Menge Sammler, die diesen Beitrag noch nicht kannten und auch nicht die Möglichkeit haben, diesen im Internet zu lesen. Zudem ist er eine Ergänzung zu meinem Beitrag zu Gleisen mit Stromaussenschienen für die S-Bahn.
Ist es richtig, dass der Mittelleiter zu einer gewissen Zeit etw. höher montiert wurde? Möglicherweise wurden die Gleise auch überholt, nachdem das Zimmermädchen (natürlich nur dieses) draufgetreten ist...
Der Mitteleiter liegt immer höher. Der Grund ist der, dass unter der Stromschiene das Isolierstück liegt und dieses Isolierstück ja auf der Schwelle liegt und deshalb die Stromschiene anhebt. Die Befestigungsklammer dagegen wird von unten durch zwei Schlitze nach oben geführt und so zusammengebogen, dass die masseführende Befestigungsklammer durch die hochgeklappeten Isolierstückenden die Stromschiene nicht berühren.
#3 Ja, ist logisch. Der Mittelleiter muss höher liegen. Es geht nur darum, dass ich feststellen musste, dass der Schleifer bei einigen Schienen den Mittelschleifer kaum oder gar nicht erreicht. Da dies kein Einzelfall war kommt mir in den Sinn, dass hier Varianten in der Höhe auftauchen, wenn nicht das besagte Zimmermädchen ihren Beitrag dazu geleistet hat....
Leider habe ich mir diese Schienen nicht notiert, sodass ich dazu keine näheren Angaben mehr machen kann, außer, dass es einfachste Märklin-Schienen waren. keine Progress.
Das hat mit Märklin nichts zu tun. Märklin vberwendete immer die gleichen Schwellen und damit die gleiche Höhe des Mittelleiters. Anders sieht das bei Herstellern aus, die z.B. Schwellen aus Holz oder Bakelit nutzen, wo die Isolierung die Schwelle übernimmt. Oder Zeuke, wo alle Schienen isoliert sind.
Es ist ja die Empfehlung, sortenrein zu fahren oder zumindest im abgestimmten Typ. Bitter ist an der Sache, dass Märklin bei Blechschienen die falsche Spurweite verwendete und einen recht deutlich überhöhten Mittelleiter. Wenn man seine Loks darauf getrimmt hat, können sie an anderer Stelle Probleme machen. Oder andersrum.
Das Thema ist aber uralt und für Altspieler wie der Bart des Barbarossa....
#7 Bei einer Mischung mit anderen Herstellern ist mir das klar. Aber in diesem Falle waren es einheitlich Märklinschienen. Da die Märklin-Schwellen auch Unterschiede im Material und in der Prägung aufweisen, dachte ich, dass in dem langen Zeitraum (Vor- bis Nachkriegszeit) produktionsbedingt möglicherweise sich die Höhe des Mittelleiters minimal verändert haben könnte. Wenn dem nicht so ist, wie ihr schreibt, dann waren die Schienen vermutlich zerknatscht und wurden wieder gerichtet, allerdings nicht ganz ordentlich.
Wenn dieses Problem bei Märklin-Gleisen auftritt, kann es nur sein, wie du schon schreibst, dass die Schwellen einmal verbogen und danach nicht wieder korrekt zurückgebogen wurden.
Unterschiede in der Materialstärke bei Märklin-Schwellen ist bei Kriegs- bzw. Nachkriegsschwellen nur ganz minimal in der Größenordnung von etwa 1/10 mm. Die Prägungen der Schwellen als solche sind an den ausschlaggebenden Stellen immer gleich (bis auf die im Laufe der Zeit veränderten Märklin-Schutzmarken, die aber keinen Einfluss auf die tatsächliche Höhe der Stromschiene haben).
Bei solchen Problemen, bei denen bei Märklin-Gleisen die Stromschiene zu niedrig liegt, hilft das Zurückbiegen, indem man sich ein Holzwerkzeug baut und das Gleis kopfüber auf das Werkzeug legt. Die beiden Außenschienen haben dann eine Erhöhung von vllt 1 mm oder auch 2. Das muss man ausprobieren. Dann wird mit einem entsprechend langem Brett und einem Gummihammer auf die im Moment umgedrehte Stromschiene geklopft, so dass sich die Stromschiene leicht tiefer bewegt.
Bei meiner Vitrinenbahn von 1,80 m Länge in 2 Märklin Ebenen tauchte das Problem überraschend 2mal auf. Bisher war mir so etw. nicht untergekommen. Das Schienenmaterial hatte ich für die Vitrine aus einem Haushalt übernommen, wobei die stark beschädigten Fremdschienen (KB, usw.) gleich aussortiert werden mussten, da sie durchweg stark verbogen waren. Meine Modulanlage wollte ich für die Vitrine nicht auseinandernehmen, die Schienen sind alle ordentlich, wie Udo schreibt > So ein Problem hatte ich noch nie. Aber danke für den Tipp zur Reaktivierung.
die Gleise sind ja schon alle sehr alt. Wie Udo schreibt, in Serienfertigung mit einer Abweichung von geringer als einem Millimeter hergestellt. Da das Material bespielt wurde, ist erforderlich, die Maßhaltigkeit annähernd wieder herzustellen.
Es muss auch werksseitig bei Märklin nicht immer alles 100% der Norm entsprochen haben. Z.B. sitzt mein fliegender Hamburger bei den Bogenbrücken mit dem Schleifer auf.