anlässlich des Kofferraum-Marktes in Krefeld hat ein Sammlerkamerad das nachfolgende Wärterhaus getauscht, ich darf es mit seiner Einwilligung hier vorstellen:
In kleiner Runde wurde gerätselt und darüber diskutiert, wer das wohl fabriziert haben könnte und auch wann. Die Kameraden brachten Plank in die Diskussion, aber ich habe mich in der Tendenz auf Carette oder Bub fokussiert. Das besondere Merkmal dieses Teils und der beste Anhaltspunkt ist das Signal. Völlig original, wie übrigens das gesamte Teil. Der Signalflügel ist nicht gegossen wie bei späteren Modellen, sondern aus dickem Blech, vermutlich gestanzt. Der originale Draht ist vorhanden und auch die Querstreben, die ich bisher nur von Bildern kenne sind ebenfalls original. Der Signalflügel ist eindeutig Nürnberger Bauart. Das Dach mit den großformatigen Ziegeln gibt es bei Bub und Carette. Ein weiteres spezielles Merkmal ist die Befestigung, wie auf dem 2. Bild ersichtlich. Bei einem Wärterhaus habe ich das so noch nicht gesehen. Bei Abdeckhauben von Drehscheiben-Antrieben war das später üblich. Auf dem 3. Bild ist die Scharniere erkennbar. Die Handlackierung ist nur noch spärlich vorhanden, aufgrund fehlender Grundierung und mangelnder Farbhaftung. Dies ist bei Lackierungen vor 1900 leider sehr oft feststellbar, die Gründe sind bekannt. Schoenner scheidet aus, Kataloge von 1896 und 1902 sind bekannt, auch stimmt die Machart nicht überein. Issmayer scheidet aus wegen der Lackierung. Plank hat zu dieser Zeit mit Märklin zusammengearbeitet, die Teile sind also bekannt. Bing scheidet ebenfalls aus, wegen bekannter Kataloge ab 1895. Bleiben nur noch die beiden genannten Verdächtigen übrig, also Bub oder Carette. Was meint Ihr? Viele Grüße Wolfgang
abgesehen von der Lackierung ist mein erster Gedanke Märklin, wegen den katholischen Fenstern. (Ist das Blasphemie?) Ich kann auf die Schnelle kein passendes Bild finden:
Wie sieht das Haus innen aus? Die Halterung der Kerze gibt vielleicht noch einen Anhaltspunkt. Solche technischen Teile unterlagen weniger der Mode und blieben länger im Gebrauch.
Zitat von ypsilon im Beitrag #3Wie sieht das Haus innen aus?
Moin Y. Habe vergessen, ein Bild von innen zu machen. Die Kerze lag noch drin und die Lackierung innen war vollflächig rot lasierend. Der gleiche Farbton, wie bei den Schienenmarkierungen um die Jahrhundertwende. Ich werde Eckhardt ohnehin demnächst mal besuchen, er hat noch so einiges in der Sammlung...
Domenik: danke für den Vergleich. Es wird immer spannender. Wer weiß, wer für wen alles gearbeitet hat. Die Sockelprägung mit den 2 Falten links von der Treppe scheint identisch zu sein. Wäre Märklin der Hersteller des in # 1 gezeigten Häuschen, würden wir aber einen wesentlich besseren Erhaltungszustand vorfinden, denn Märklin hat grundiert. Viele Grüße Wolfgang
Hallo. Somit hätten wir auf dem gleichen Sockel 3 unterschiedlichste Aufbauten. Die Sockel sind alle identisch. Also das gleiche Prägewerkzeug. Könnte ein Hersteller anderen Firmen die Sockel geliefert haben, welche dann komplettiert wurden? Bis auf die Sockel ist ja alles andere ( Zäune, Häuser, Signale) völligst unterschiedlich.
Zitat von Jawaman75 im Beitrag #5Könnte ein Hersteller anderen Firmen die Sockel geliefert haben, welche dann komplettiert wurden?
Ja René, genau das ist jetzt die spannende Frage. Das war vermutlich ein Zulieferer und wenn das Werkzeug mehrfach gefertigt wurde, war es sicher auch nicht so teuer wie ein Unikat. Wer war's, wie geschah's, was war los? Es gibt noch soo viel zu ergründen.... Viele Grüße Wolfgang
Ergänzung: der nächste Zulieferer hat vielleicht die Wärterhäuser gebaut und die Spielzeugfirmen haben nur noch zusammengebaut und mehr oder weniger gut lackiert. Gruß Wolfgang
Hallo Wolfgang Das von Dir gezeigte Haus sieht ja fast eindeutig aus wie von Märklin. Von Rainer das Haus ist Nürnberger Stil. Einzig die Dächer sind identisch mit den Großen Ziegeln. Meine Bude ist die gleiche wie von Arne.Die wurde ja nun in Richtung Schuhmann vermutet. Also unterschiedliche Stile auf dem selben Sockel. Doch ein Zulieferer? Gruß René
Halbzeuge wie vorgeprägte Dächer und Sockel wurden tatsächlich nicht nur selber hergestellt sondern teilweise auch zugeliefert. Konkrete Zulieferfirmen sind mir aber leider keine bekannt.
Was sind die Abmessungen der beiden Märklin und Schuhmann Sockel? Wenn sie zugeliefert wurden, müssten sie identische Abmessungen haben.
Zitat von snroettg im Beitrag #9Abmessungen der beiden Märklin und Schuhmann Sockel
Hallo Stefan, Märklin und Schuhmann-Sockel sind nun bekannt, den anderen suchen wir noch. Wie geschildert, ist das nicht mein Teil. Ich habe aber zu einem späteren Zeitpunkt, hoffentlich noch im alten Jahr, die Möglichkeit, den Mann zu besuchen. Wenn es pressiert, kann ich ihn auch anrufen zwecks Messung. Es sieht aber so aus, als wäre es tatsächlich ein Werkzeug. Bis dahin: Paciencia por favor! Viele Grüße Wolfgang
Das kommt auch bei meinem in etwa hin. Mein Modell hat keine Bodenplatte und das Blech ist leicht zu biegen. Deshalb gibt es wohl geringe Unterschiede in der Größe. Sind aber nur wenige mm.
Bingo, der Sockel von meinem Wärterhaus hat exakt die gleichen Maße :-). Anbei noch ein paar Detailfotos zum genauen Vergleich. Die Fenster des von Wolfgang vorgestellten Wärterhäuschen sehen tatsächlich nach Märklin aus. Besteht weiterhin Konsens, dass mein Häuschen von Schuhmann ist?
Super Rainer, ich hatte auch Dein Wärterhäuschen im Sinn, kam aber noch nicht dazu, den Thread zu suchen. Ich bin froh. dass Du mir diese Arbeit erspart hast. Mal schauen, wer noch alles diesen Sockel verwendet hat. Wir sind nun durch diesen Sockel einem weiteren Kapitel Spielzeuggeschichte in Nürnberg auf die Spur gekommen. Ich denke, diese Story mit dem gleichen Sockel ist bestimmt kein Einzelfall. Wir haben vermutlich nicht mit solchen Parallelen gerechnet und deshalb bislang auch nicht darauf geachtet. Viele Grüße Wolfgang
interessant finde ich an dem von Wolfgang gezeigten Haus, dass es einseitig mit einem Scharnier am Sockel befestigt ist, so dass man es abklappen kann um die Kerze einzusetzen. Gab es sowas öfter?
Wie in # 1 geschrieben: ich kenne die Scharnieren bislang nur bei Drehscheiben, und zwar die Abdeckhauben vom Kurbelmechanismus, z.B. Märklin.
Komme nochmals zurück auf Beitrag # 14 von Rainer. Bei seinem Wärterhaus ist auffällig, dass die Prägung der Stufen überhaupt nicht farblich berücksichtigt wurde. D.h. der Hersteller hat die Form genommen wie sie vorhanden war, obwohl hier keine Stufen gewollt waren. Man hat sie einfach "zugepinselt"! Viele Grüße Wolfgang
Diese Steckerbefestigung mit langem Draht findet man bei Märklin auch am Kranhaus vom Hafenkran oder bei den grünen alten elektronischen Stellpulten. Vielleicht fällt mir noch mehr ein.
Diese Art der Befestigung findet sich übrigens auch an dem Sockel von dem Häuschen meiner elektrischen Bub Wärterhausbahn. Wünsche allen einen schönen Sonntag!
Upps, das fällt mir erst jetzt auf, die Fenster von Wärterhausbahn und Wärterhäuschen sind ja annähernd gleich! Habe sie vermessen, die Maße sind identisch.
RainerH
hat folgende Bilder an diesen Beitrag angehängt
Diese Einlegefenster gibt es bei Bub, Bing und nun auch neuerdings bei Schuhmann. Auch die Bing und Bub Fenster sehen auf den ersten Blick identisch aus. Wenn man sie aber übereinander legt, sieht man die Unterschiede. Auch Schuhmann hat anscheinend sehr ähnliche Fenster verwendet, aber es fehlen z.B. die oberen Lamellen bei den Fensterläden. Die Fenster sind also nicht identisch - ebenso wie die Lackierung unterschiedlich ist.
Man hat mit einiger Sicherheit das Erfolgsmodell von Bing bzw. Bub kopieren wollen oder doch zumindestens preismäßig unterbieten wollen, weil sich nicht jeder Bing oder gar Märklin leisten konnte. Das ist die Nische von Schuhmann und vieler anderer kleinerer Hersteller: fast genauso schön, aber nicht so aufwendig und daher günstiger als die Platzhirsche.
Man hat sich also bei den Fenstern entweder Bing oder Bub zum Vorbild genommen und daher sind die Abmessungen auch ziemlich gleich, die Stanz- und Prägeform ist aber trotzdem nicht identisch.
Wie so oft: Eine bloße Ähnlichkeit hat keine große Aussagekraft, nur eine Identität lässt einen sicheren Rückschluss auf einen konkreten Hersteller zu. Was auf Bildern noch identisch ausschaut, stellt sich in der Realität leider allzu oft als unterschiedlich heraus, wenn man es direkt nebeneinander vor sich liegen hat.
dieses Wärterhäuschen bzw. Bahnübergang wurde von Bub hergestellt. Carette hat es nicht selber hergestellt sondern nur vertrieben. Die Bub Nr. ist 443.
Dass Bing Spielwaren von Carette übernommen und weiterentwickelt haben soll, ist nicht belegbar, genauso wenig wie die häufig geäußerte "Tatsache", dass Bub Werkzeuge von Carette übernommen hat. Dies ist mittlerweile widerlegt. Das ist an vielen Stellen hier im Forum dokumentiert.
Das Signal ist aber tatsächlich von Carette. Es sieht ähnlich wie entsprechende Signale von Bing oder Bub aus, aber diese waren alle den bayerischen Signalen nachempfunden, so dass gewisse Ähnlichkeiten zwangsläufig sind. Davon darf man sich aber nicht in die Irre führen lassen, sondern sich die Details genau anschauen. Die drei Ringe zur Versteifung der Signalplattform sind z.B. so ein Detail, das ganz typisch für Carette Signale ist. Bei Bub und Bing gab es dieses spezielle Detail nicht.
In diesem Fall gab es also keine "Verarbeitung von identischem Rohmaterial". Heute wie damals gab es zwar Joint Ventures. Diese sind aber nicht der Normalfall. Der Normalfall ist, dass Halbzeuge oder fertige Komponenten zugeliefert werden. Eine echte Zusammenarbeit im Sinne einer gemeinsamen Entwicklung ein und derselben Komponente ist eher eine Ausnahme. Es gibt solche Ausnahmen, aber man muss in der Regel davon ausgehen, dass eine Zusammenarbeit nicht über den üblichen Einkauf von Fertigteilen oder Halbzeugen für die eigene Produktion hinausgeht.
Zulieferer von Halbzeugen gab es natürlich. Viele Fälle sind aber nicht dokumentiert und die meisten derartigen Vermutungen stellen sich dann bei näherem Hinsehen als falsch heraus. Der oben abgebildete Sockel bei Schuhmann und Märklin scheint eine der wenigen Ausnahmen zu sein, wo man das konkret nachweisen kann. Ein Glücksfall.
Die Fenster sind an vielen alten Märklin Bahnhöfen und Schuppen (Schokoladen-Bahnhof, Türkisch Bad, Zwiebelturm, Sogar der Café-Bahnhof hat noch so gestanzte Fenster bei den Türen). Das Häuschen aus #2 mit Sockel erscheint bei Märklin im Katalog F, Tafel 28 datiert 1899. Das Dach könnte auch mit #1 übereinstimmen.
Mit dem Märklin Model 2143 folgt dann später ein kleineres Haus auf identischem Sockel. Ebenfalls mit ähnlichem Dach.
D.h. Die Fenster wurden schon um 1890 so gefertigt. Was hat Märklin hier alles zugekauft, von wem und wann?