Hallo zusammen, nachdem ich einige Bilder der ominösen Höss-Bahn selbst machen konnte und derentwegen niemanden um Erlaubnis fragen muss, möchte ich das Thema aufgreifen.
Die Überlegung ist, woher stammt die Bahn, wer hat sie zu welcher Zeit hergestellt. 1948 wurde mal als vermutetes Herstellungsdatum genannt.
Der Ursprung im deutschsprachigen Raum ist nach Benennung und Beschriftung unstrittig.
Die Lok ist aufwendig mit einem aus einem Stück geprägtem Blechgehäuse in Dreileiter-Wechselstrom mit Walzenumschalter, in der Technik stark an Märklin angelehnt:
Der Schlafwagen ist Mitropa beschriftet, gab es in Deutschland und der Schweiz:
Bemerkenswert die Schienen, die in Aufbau, Länge und Steckverbindung völlig den Märklin-Vorkriegsgleisen gleichen, lediglich der Schwellenabstand ist anders (oben Märklin, unten Höss):
Bemerkenswert auch die Packung mit Aufdruck "Elektrische Eisenbahn 00", wobei 00 1935 als Bezeichnung eingeführt und etwa 1950 in H0 geändert wurde. Deutlich sind im Hintergrund hohe Berge zu erkennen:
Der Herstellungszeitraum liegt also zwischen 1935 und1950. Die Schienen entsprechen den Märklin Vorkriegsgleisen und passen mit diesen zusammen. Nach meiner Überlegung wurde die Bahn als Ersatz und Ergänzung zu von Märklin zu dieser Zeit nicht lieferbaren Artikeln hergestellt. Wann war das? Während des Krieges oder kurz danach! Wo war eine solche Herstellung im deutschsprachigen Raum während des Krieges und in der direkten Nachkriegszeit möglich? In der Schweiz!
Herstellung in der Schweiz während des Krieges oder kurz danach erklärt auch, warum die Bahn so selten und über den Hersteller so wenig bekannt ist. Aufmachung des Deckelbildes und der in der Schweiz nicht so seltene Name sprechen weiter für diese Annahme. Die Beschriftung des Speisewagens könnte wie die gesamte Technik eine Anlehnung an das Märklin-Vorbild sein.
In Erwartung weiterer Überlegungen zu diesem Thema verbleibe ich mit freundlichen Grüßen, elaphos
Guten Tag, Elaphos, Schweiz? Das glaube ich weniger. Das wirklich tolle Buch "Schweizerische Spielzeugeisenbahnen" erwähnt Höss nicht. Immerhin sind die Autoren Stofer, Gonzenbach, Butz, Ganz, Wernli und Link. Dass diese Elite Höss übersehen haben soll? Eher nicht. Aber da will ich noch ein Thema ansprechen -Lytax! Nur Schweizer Modelle im besetzten Deutschland! Wie kamen damals die Gussgehäuse für den Roten Pfeil aus der Schweiz in die französisch besetzte Zone Deutschlands? Dass sie von dort stammen, findet man auch im Schweizer Buch. Freundliche Grüße aus Hessen Botho
Hallo Botho, dann wäre Süddeutschland der wahrscheinlichste Ursprung. Aber hätte sich da Märklin ein fast 100%iges Abkupfern seiner Gleise gefallen lassen? Schon Staiger Mignon hatte ja mit einer völlig anderen Bahn Lizenzprobleme. Grüße, elaphos
elaphos, Frau Gertrud Staiger hatte zwar mal von "Problemen mit Märklin" gesprochen und das wurde irgendwie in den Zusammenhang mit der Eisenbahn gelesen. Auf Nachfrage sagte sie mir, das sei so eigentlich falsch. Nicht die Eisenbahn sei gemeint gewesen, sondern der Baukasten. Märklin habe diesen als vom Minex-Kasten abgekupfert angegriffen -ja, das kann man in der Tat so sehen. Schöne Grüße nach Berlin Botho
nach meiner Einschätzung muss man die Entstehungsgeschichte der Höss-Bahn vermutlich in die Jahre 1945 - 1948 einordnen; also in eine Zeit, in der das Unternehmen Märklin unter alliierter Kontrolle hinsichtlich Material- und Personaleinsatz, Produktionsplanung und Vertrieb stand. In dieser Zeit war der Vertrieb von Märklin-Produkten für den deutschen Binnenhandel nahezu eingestellt und dadurch tat sich eine Nische auf, in der ein neues Unternehmen mit Märklin-kompatiblen Produkten eindringen konnte. Märklin konnte in diesen Jahren wohl auch nicht juristisch aktiv verhindern, dass jemand gegen Schutzrechte verstieß. Dies hat sich dann wohl nach der Währungsreform im Sommer 1948 sehr schnell geändert.
Jetzt wird der Printenbaron gefragt: Gestern sagte ein Freund "sucht doch mal in Belgien nach Höss". Warum? Er meint "entfernt" eine Ähnlichkeit der Lok mit belgischen Maschinen(?) zu erkennen. Und die Berge könnten auch die Ardennen sein... Möglich? Schöne Grüße Botho Ist Österreich eigentlich schon abgegrast?
der Packwagen von Höss, ist schon sehr stabil gebaut.
Blecheisenbahnen in Spur 00/H0 gab es eigentlich überall, sie sind alle ziemlich unbekannt (Loukouta in Prag, Roglin in Ungarn, Bodan in Dänemark, Invicta in Spanien, BLZ, Martin in Frankreich, Elec in Belgien ...
Alle haben eines gemeinsam: Beschriftungen sind landestypisch (sogar bei den kopierten 340er Wagen von Invicta o. Vacimel oder den 350 von Loukouta).
Daher bin ich der Auffassung das es sich um einen deutschen Hersteller handeln muß.
Interessant ist vor allem auch die Kupplung so was gibt es sonst nirgends Kupplungshaken aus Guss mit extra Gewicht. Ist allerdings nicht ganz unproblematisch. Beim 3 Leiter Betrieb gibt es hier schnell einen Kurzen.
Bezüglich Kupplungen war sicher Frankreich das am experimentierfreudigste Land , wenngleich ich auch hier bisher nicht eine solche Kupplung gefunden habe. Auch die Pilzschleifer findet man bei verschiedenen franz Loks (z.B. BLZ, JEP)
Also Mitropa + Frankreich = franz Besatzungszone ? Ab 1945?
Ob Märklin so schnell gegen Höss vorgehen konnte ist sicher fraglich (oder erklärt die Seltenheit ?)
Aber 800 Technik findet sich auch bei Elec in Belgien, Invicta war komplett nachgemacht 340er Wagen die HR - Dampflok hat sogar die 700 auf der Rauchkammertür. Ok das ist Ausland
In Deutschland da gab es ca 1947 die KA-EF -Bahn (Vertrieb Karl Faigele) = Weista Bahn (Hersteller Alfred Weierstall) beide aus Reutlingen. Das waren RS und HS 800 sowie der Vorkriegstriebwagen von Trix jedoch mit Bügeln. Der Triebwagen hat die Bestellnummer TR. X/50 (!).
Ich denke alle probierten erstmal was auf die Füße zu stellen, irgendwann hat es sich dann nicht mehr rentiert oder die Großen wurden drauf aufmerksam und haben aufgekauft oder einen Riegel vorgeschoben.
Das berühmte Puko Gleis kam schließlich ursprünglich aus Frankreich und ist keine Entwicklung von Märklin so viel ich weiß
Dein Vorschlag erscheint mir durchaus sinnvoll, wobei wir uns sicher auf die Böttcherhefte von 1945 - 1948/49 und die ersten Ausgaben der Miba konzentrieren können.
Die Miba kam übrigens erstmalig im Spätsommer 1948 heraus. Diesen Zeitpunkt hatten wir bereits in der ausgelagerten Diskussion zur Produktion der Modellbahnhersteller in der frühen Nachkriegszeit - hier fand die Währungsreform mit der Einführung der D-Mark als Ersatz für die wertlos gewordene Reichsmark statt.
Zur Geschichte der Miba gibt es einen interessanten Überblick von Hans Zschaler: Fünf Jahrzehnte Modellbahngeschichte http://www.miba.de/inline/hist.htm
Dieter, ich bin überhaupt nicht einverstanden, den Zeitrahmen für Hösch schon 1948 zu beenden. Es gibt genügend Beispiele für später verschwundene Bahnen noch bis 1950 oder gar darüber hinaus. Also, lasst uns nicht wieder Fehler machen, die wir Frühzeitsucher damals gemacht haben -und über die wir uns später ziemlich geärgert haben. Wer ernsthaft recherchieren will, muss ohne Vorgabe/Begrenzung ans Werk gehen. Journalistenschule, erste Woche. Schöne Grüße nach Berlin Botho
das mag schon sein, man muss aber auch den Aufwand im Auge behalten, sonst passiert gar nichts.
Da bin ich durch meine Berufsausbildung geprägt. Nutzen und Aufwand müssen im Verhältnis bleiben. Es lohnt sich, eine Hypothese aufzustellen und dann gezielt zu forschen. Ansonsten verzettelt man sich. Wenn man dann nicht zum Ziel kommt, kann man die Hypothese überprüfen oder den Forschungsradius vergrößern.
Ich für meinen Teil schaue mir gerne mal die frühen Böttcher-Hefte genauer an, das hatte ich ohnehin vor.
Sind die Böttcher-Hefte oder die Miba-Ausgaben eigentlich irgendwo in digitalisierter Form gespeichert? Das würde die Suche ungemein befördern... Grüße von Claudia, die das Ganze sehr spannend findet.
Dieter, in #13 zeigst Du doch selbst den richtigen Weg, abweichend von Deiner Einleitung, wenn Du schreibst, dass man sich eben die Aufgaben teilen sollte. Genau so geht es -und nicht mit dem spontanen Ausschluss weiterer Chancen. Das sagt mir eben meine Berufsausbildung. Wir müssen aber hier deshalb keinen Glaubenskrieg anzetteln. Die Nadel im Heuhaufen kann nur gefunden werden, wenn der ganze Haufen abgetragen wird und viele Helfer vor Ort sind. Mit dieser Methode haben wir, Carlernst Baecker, Claude Jeanmaire, Dieter Haas, Dr. Christian Väterlein und ich, viele damals verschollene Marken wieder entdeckt. In diesem Sinne wünsche ich Dir ein schönes Wochenende Botho
Hallo ringsum -ich war ja der Bremser damals, bei den Bildern zur Packung: weil sie Manuel gehört und nicht mir... Ich habe einige Zeit davor mal eine Untersuchung gemacht, die ich in die Debatte werfen möchte. Ich schrieb am 4.11.2008 an meinen Sammlerfreund in Gehrden:
"Bekannt sind ein grüner Sitzwagen, ein roter Speisewagen mit Beschriftung MITROPA und SPEISEWAGEN, ein roter Schlafwagen ebenfalls mit MITROPA und dann mit SCHLAFWAGEN sowie ein grüner Packwagen.
1 Die Wagen sind mit Sicherheit nicht vor 1939 hergestellt worden –sie sind zu modern produziert.
2 Die Wagen stammen nicht aus der DDR: ganz einfach zu belegen. Das M von Mitropa ist auf allen DDR-Fahrzeugen und auch bei Trix und Bub ohne heruntergezogenes Mittelbein, eben wie ein M so ist. Nur Märklin hat daraus ein M mit zwei Torbögen gemacht: das Mittelbein geht bis zur Linie mit herunter. Und genau so ist das M auf unseren Wagen. Vorbild war also irgendwie der 340er von Märklin –niente zu DDR: die waren erstens genau und zweitens Osten.
3 Die Wagen stammen nicht aus dem Ostblock –das ist schon schwieriger zu begründen: es sind eine Vielzahl von guten Materialien verwendet, mit außerordentlich gutem Werkzeug und mit präziser Arbeit: verglichen mit den tschechischen Produkten ist das unerreichbarer Standard.
- das Blech von Chassis, den beiden Seitenteilen und den Fronteilen ist dick und trotzdem supersauber gedrückt und gestanzt, besonders das Chassis.
- Die Laschen in den Innenecken sind so heftig gequetscht, dass sie sich in die Ecken hineingepresst haben
- die Puffer sind äußerst fein aus Eisen gedreht
- Die Räder sind präsise gegossen und auch der Fallhaken, aus Zink, jedenfalls unmagnetisch - der Fallhaken ist mit einem Kupferstift befestigt
- das Cellon ist beim Packwagen jeweils an 6 Stellen angeklebt, bei den anderen Wagen ebenfalls an mehreren Stellen
- der Lack ist dick und gut und alle Wagen, die ich kenne sind ohne Rost. Die Wagen sind auch innen lackiert.
- Die Beschriftung ist sorgfältig hergestellt –nicht gemalt wie bei Schicht etwa- und immer noch schön gelb-golden
Das war keine Mangelwirtschaft, die das erbracht hat.
4 Die Wagen haben einige Ideen, die nicht aus der Modelleisenbahnwelt stammen:
- Die Trittstufen sind als Sicken in den Chassisseiten angedeutet, 2 pro Tür bei den Speise-, Schlaf- und Sitzwagen, 4 bei dem Packwagen: mit seinen zusätzlichen Mitteltüren.
- Das Dach wird mit einem federnen Blechstück an den Frontseiten gehalten: mit einer extra gedrückten Noppe am Bügel und einem extra gestanzten Loch in den Fronstteilen.
- Die Schürzen sind über die ganze Länge des Wagen gezogen und verdecken damit, dass es keine Drehgestellblenden gibt –das habe ich nur bei einer französischen Firma gesehen: Jucsie.
- die Fallhakenkupplung ist völlig ungewöhnlich für Deutschland, aber ähnliche Ideen gibt es in Frankreich
- die Räder rot anzumalen ist für Modelleisenbahner das Allerletzte.
5 Diese Wagen hatten überhaupt keine wirtschaftliche Zukunft: Mitropa nach 1945 gab es in West-Deutschland nicht und die DDR wird nie etwas importiert haben, was sie selber hatte –außer aus Tschechien vielleicht, aber auch die hatten Mangelwirtschaft und konnten sowas nicht herstellen.
Wenn ich versuche, alle diese Sachen zusammen zu sehen, ergibt sich ein komisches Bild:
Da ist Jemand, der alle Materialen hat, beste Maschinen zum Stanzen, Gießen, Punktschweißen (Dach), Lackieren –und heraus kommt ein ganz un-modelleisenbahnerisches, unverkäufliches Produkt. Aber mit gestalterischen Ideen wie den Treppenstufen und der Schürze vor den nackten Drehgestellen... und roten Rädern!
Meine Idee ist: da hat der Chef einer metallverarbeitenden Firma die Märklin-340er Wagen gehabt und nachgebaut. Vielleicht auch die Schürzenwagen, wegen der Drehgestellabdeckung. Und eine alte SK mit den roten Räden. Ein Metall-Narr, ohne Ahnung von Eisenbahn und Modelleisenbahn. Ohne merkantilen Druck.
Und weil sowohl die Kupplung als auch die nackten Drehgestelle nach Frankreich riechen und die mir bekannten Fundorte sämtlich in Süddeutschland liegen, war das ein baden-württembergischer Betrieb.
Hallo, sehr einleuchtend! Bisher unberücksichtigt sind die mit den Märklin Vorkriegsgleisen kompatiblen Schienen. Wenn so viel an Frankreich erinnert, was ist mit dem von Deutschland im Krieg besetzten Frankreich? Z.B. Elsass-Lothringen, das ja zu dieser Zeit mehr deutschsprachig war als heute. In den ersten Jahren der deutschen Besatzung war die Wirtschaft wohl noch offener, bevor es zum "totalen Krieg" kam. Grüße von elaphos
ich denke, dass diese Überlegung (Produktion der HössBahn in Elsass-Lothringen zu Beginn des Krieges) ausscheidet, weil sich Märklin da noch gegen den lästigen Mitbewerber energisch gewehrt hätte.
Ich vermute die Produktionszeit der Höss-Bahn in der unmittelbaren Nachkriegszeit 1945 - Mitte 1948.
Höss dürfte ein ideenreicher deutscher Kleinbetrieb gewesen sein, der diese Zeit für eine Nischenproduktion nutzte.
Damals wird das deutsche Unternehmen Märklin (wie alle anderen größeren deutschen Unternehmen) unter alliierter Kontrolle gestanden haben. Erst mit der Freigabe der Binnenwirtschaft zur Währungsreform und der Wideraufnahme des Justizbetriebs für Privatangelegenheiten wie Lizenz- und Markenstreitigkeiten dürfte Märklin dafür gesorgt haben, dass der lästige Mitbewerber seine Fertigung einstellen musste.
Hallo Dieter, aber war die Herstellung gerade für diese Zeit nicht zu aufwendig? Es muss doch alles da gewesen sein, wenn ich an die verschiedenen Materialien und nötigen Werkzeuge denke. Das im Mangel der direkten Nachkriegszeit, ich zweifele. Grüße von elaphos
Nach dem Krieg gab es in Frankreich von der Firma JEP Metallböschungsgleise in Spur 00/H0 mit durchgehendem Mittelleiter, die denen von Märklin unglaublich ähnlich waren. Man findet sie zuweilen noch im französischen Ebay. Auch die entsprechenden Gleise vom englischen Hersteller Hornby-Dublo weisen ja eine - entferntere - Ähnlichkeit mit Märklin auf. Sie wurden nach meiner Kenntnis bis 1963 gefertigt. Freundliche Grüße von Claudia
Aus verständlichen Gründen gibt es keine Spielwaren- Adressbücher, die den Zeitraum von 1941 bis 1949 abdecken. Insofern ist meine Vermutung, Höss in die Zeit von 1945 - Mitte 1948 (ich würde das noch weiter auf Mitte 1946 bis Mitte 1948 einschränken) einzuordnen, weiterhin im Rennen.
Wir hatten anderenorts bereits über die Herkunft des Namen diskutiert. Der Name existiert vor allem im Süden Deutschlands, besonders häufig im Allgäu.
Jetzt bräuchte man ein kleines Unternehmen der Metallverabeitung / Feinmechanik (Nähmaschinen, ähnliche Produkte), das damals in dieser Region existierte.