Es ist wieder mal soweit. Man geht auf eine Ausstellung und bekommt eine Anregung. Dann würfeln sich die Gedanken im Kopf hin und her ohne Ende, bis man vielleicht eine Idee hat.
Ich suche eine tinplatemäßige Umsetzung einer Kulissen- oder Kurzkupplung. Die Kupplungen werden in der Modellbahn oft verwendet, um das puffernahe Fahren in der Gerade zu ermöglichen, aber dennoch eine gute Kurvenfahrt. Das bedeutet, dass in der Geraden der Abstand zwischen den Wagen kurz ist und in der Kurve verlängert wird. Dazu braucht man eine leicht bewegliche Mechanik, damit die Wagen beim Lauf in die Kurve nicht ausgehebelt werden. Die Verwendung von reinen Federn ist auch nicht möglich, da sonst die Zugkraft die Wagen auseinander zieht.
Ich habe grundsätzlich zwei Ausführungen gefunden. Ich nenne sie einerseits "Gabeln". Hier laufen Stifte in Rillen. In Geradeausfahrt sind die Stifte in einer zur Wagenachse rechtwinklig liegenden Nut. In der Kurve bleibt der kurveninnere Stift in dieser rechtwinkligen Nut, der andere Stift wandert in eine schräge Nut und damit bewegt sich das Teil nicht nur seitlich, sondern auch längs der Fahrzeugachse. Gefunden habe ich diese Ausführung als starre Kupplung zwischen Lok und Tender. Aber auch als Aufnahme für einen NEM-Schacht.
Als zweite Grundidee fand ich eine Lösung über eine Deichsel, die in Geradeausfahrt sich an einer "Spitze" einer Kulisse abstützt und bei Kurvenfahrt in eine Rundung schwenkt, die eine Bewegung in Längsachse erlaubt. Die Deichsel kann lang und mit Schlitzfühung versehen sein, oder als Querbalken ausgeführt sein, der sich in einem Gehäuse zwangsbewegt.
Besonders schön ist das hier bei Lenz zu sehen, die sogar einen Magneten integrieren und damit die Kupplung bei Geradeausfahrt fixieren, Markenname "Kinemagnetik".
Diese Kupplung hat die erwähnte lange Deichsel.
Hier weiß ich nicht wie es geht, offenbar wird über den Vierkant der Drehimpuls eingeleitet, der Rest ist verborgen.
Hier werden Zugkräfte über die "Gabel" übertragen und Druckkräfte wohl über einen auf der Unterseite liegenden Stift in einer Kulisse.
Ich frage in die Runde ob sich schon jemand mit solchen Kinematiken befasst hat und zu welchen Ergebnissen das geführt hat. Vielleicht gibt es auch historische Ausführungen, die ich nur nicht kenne. Letztlich suche ich eine Idee wie man mit einfachen Blechteilen und relativ simpel eine solche Kupplung im Tinplatestil nachbilden kann. Dabei kann am Ende eine reine feste (nicht trennbare) Kupplung herauskommen, oder auch eine trennbare, die man z.B. durch Haken und Öse einfach verbindet. (den Lappen des Hakens und den Schlitz der Öse breit genug, dass eine seitlich biegesteife Kupplung entsteht.)
Nun bin ich gespannt ob eine Debatte entsteht.
Ich freue mich auch über Bilder von modernen Modellen, vielleicht aus dem Bereich Gartenbahn, falls es dort solche Dinge gibt. Das kann ich mir vorstellen, denn da werden auch kleine Radien verwendet und man will dennoch eng gekuppelt fahren. Oder alles aus dem Bereich Triebwagen oder anderen typischerweise kurz gekuppelten Wagen.
Du hast eine Debatte angeregt, auch ein Fragezeichen in den Titel gesetzt.
Mein erster Gedanke war: Gehören größere Abstände zwischen den Wagen nicht zum Tinplate-Stil ?
Der zweite Gedanke war: Gibt es besondere Fahrzeuge, bei denen ein kürzerer Abstand doch sinnvoll wäre ? Mir fielen dazu Stromlinienlokomotiven mit Tendern ein, die man gerne dichter kuppeln möchte.
Der dritte Gedanke war: Wenn kurz kuppeln, dann mit möglichst einfach bauen, ohne Kinematik.
Beim Vorbild gibt es Doppelwagen, die ein gemeinsames Jacobs-Drehgestell besitzen.
Ein derartiges Drehgestell ist schnell gebaut, ein Stück Blech wird auf den Drehgestellrahmen gelötet und mit zwei Schrauben in den beiden Wagenböden befestigt.
Moin. Bei den Stadtilmer Triebwagen in Spur S gibt es gleich 2 Probleme zu lösen. Einmal der große Kuppelabstand durch die klobigen Kupplungen und zum Zweiten Entgleisungen durch große Überhänge und zu wenig Beweglichkeit der originalen Kupplungen. Die Lösung dazu war eine sehr eng gewickelte Spiralfeder. Diese ist straff genug, daß sie beim Fahren nicht gedehnt wird (ganz kurz beim Anfahren, aber da muß man schon sehr genau drauf achten). Bei Kurvenfahrt gibt sie aber ausreichend nach, "knickt" in der Mitte ein. So lassen sich gezogen oder geschoben sogar Gegenkurven befahren, was mit den originalen Kupplungen nicht geht. Zugegeben, der Kuppelabstand ist in der Geraden nicht ganz so gering wie bei einer Kulissenführung, aber allemal deutlich kürzer als mit der Originalausführung. Und es sind keinerlei Eingriffe in die originale Wagensubstanz nötig (abgesehen vom Entfernen der Nieten in den originalen Kupplungen).
Dieter hat die Stromlinien-Loks mit enger Tenderkupplung angesprochen. Bei der BR05 002 habe ich das so gelöst, dass der Abstand nur 12 mm beträgt. Drehpunkt der Kupplung am Tender ist die Tendermitte. Beitrag #19, die letzten fünf Bilder.
@Dieter: Jacobsdrehgestelle - alles klar, passt aber nicht zu meinem Thema. Es geht um Einzelwagen. lange Deichsel: das ist tatsächlich eine Lösung, die oft ausreicht. So habe ich mir das im ersten Schritt auch gedacht und das könnte eine Lösung sein. Ohne Puffer, auch das kommt hinzu. Im Übrigen geht es genau um diese Wageneinheit.
@Udo: die lange deichsel an deinem Tender ist OK, hier spielt sie ihr Potential aber nicht aus, weil der Drehpunkt an der Lok am Ende liegt und nicht ebenfalls mehr in Richtung Lokmitte. Das sieht man am 3. und 4. Bild. Die Tenderdeichsel bewegt sich sogar in Richtung Außenkurve. Damit wird der Abstand Lok-Tender in der Kurve sogar verkürzt und nicht verlängert! Abhilöfe würde eine ebenso lange (so lang muss sie gar nicht sein) Deichsel in der Lok.
@Steffen: die halb biegesteife Metallwendel ist auch eine gute Idee. Nur verstehe ich den Sinn noch nicht wirklich, denn am Ende wirkt sie ja auch "nur" wie ein steifer Draht.
@swfreund: Wolfgang telefoniert inzwischen lieber, er rief gerade an und verwies mich auf alte Sommerfeld-Kupplungen und sehr guter Erfahrung bei einem Darstaed-Zug. Dabei geht es aber um die Kupplungsköpfe. Wir haben uns lange unrterhalten und herausgearbeitet, dass beio Tinplate die normale Kupplungsfunktion ja noch erhalten bleiben soll. Feste Zugeinheiten sind in unserer Welt leider nicht praktisch, wir fahren ja keine Stretch-Limouisinen. Alsdo trennbare Kupplungen. Diese müssen bare biegesteif sein, sonst kommt der Effekt über eine Kulisse nicht zum tragen. Die einfache Haken-Öse-Kupplung hat da Vorteile. Zumal wir Tinplater ja auch oft mit unsicherer Gleislage zu tun haben und in der Kupplung einen Höhenausgleich brauchen. Hier war ein Beitrag zu den Sommerfeld-Kupplungsköpfen aus den 1950ern. https://spur0forum.de/forum/index.php?th...eld-kupplungen/
Ich habe bei den Spur-0-Bahnern noch viel gelesen und auch mehr Ideen gefunden. Die haben jedoch zudem das problem der automatischen Ankuppelbarkeit und damit der Mittenstellung der Kupplungsköpfe. Manxche wollen sogar in der Kurve kuppeln,. Alles OK, brauchen wir Tinplater aber nicht wirklich. Insofern vereinfacht sich manches.
Zur Anwendung der Idee: Klar, Tinplate macht ja gerade den Unterschied zur Modellbahn, dass der Abstand da ist. Das ist dann die typische Optik.
Aber alles was als Zugeinheit eng lief und keine Faltenbälge hatte braucht aber auch die Optik des kurzen Abstandes. Im Grunde alles aus dem Nahverkehr. Triebwagen mit normalen Drehgestellen. Mehrteilige Lokomotiven (Stromlinie, generell Lok-Tender, mehrteilige E-Loks) usw. Da fällt mir einiges ein.
Konkret bei mir: der Wittfeld ETA in der dreiteiligen Version der seit Jahren nicht fertig gebaut worden ist eben wegen z.B. des Kupplungsproblems. Er ist ein ypsilonlliker-Zug mit Mittelwagen in Spur 1 auf Kreisdurchmesser 1 m. Da kommt man an technisch-mathematische Grenzen, die sich mit einer normalen Kupplung nicht lösen lassen. Letztlich also ohnehin eine Kupplung, die man nicht direkt bedienen muss mit den dicklen Alte-Männer-Fingern. Weil schlichtweg kein Platz ist zum Fummeln wie bei der Märklin-Fix-Kupplung. Zudem muss die Kupplung das Schieben erlauben, Haken-Überfallöse fällt also aus.
um Puffer an Puffer zu fahren benötigt man gefederte Kupplungen (z.B. von L. Herr) und auch die richtigen Federpuffer ( keine Märklinpuffer) in der richtigen Anordnung. Grosse Radien sind eine weitere Vorrassetzung. Meine Erfahrung mit diesem System sind, es funktioniert auf einer Heimanlage mit einer guten Gleislage und bei ruhigerer Fahrweise, taugt aber eher nicht für Ausstellungen mit fliegendem Aufbau und einer zügigen Fahrweise. In meinem Bestandteil befinden sich viele Fahrzeuge, die so ausgestattet sind.
Ein Herr Schulz hat noch ein anderes Prinzip vorgestellt, ich nenne es "Deichsel mit zwei Drehpunkten. Als Vorteil wuird die Vermeidung von störenden Platten gesehen, was in offenen Wagen wie Kesselwagen wichtig ist. Zumindest im Modellbau. Als Nachteil wird die fehlende Mittelstellung angeführt, wobei man das mit einer einfachen Zugfeder am Ende der Deichsel lösen könnte. Muss uns nicht interessieren.
Das Prinzip ist einfach: Eine Deichsel hat vorn den Kupplungskopf und hinten ein Langloch. Dort wird die Deichsel im Wagen geführt. Hinter der Pufferbohle erfolgt eine zweite Abstützung durch einen kleinen Hebelarm und zwei Drehpunkte. Beim Ausschwenken beschreibt der Hebel einen Kreisbogen, der zur Längsbewegung der Deichsel in einer Kurve führt. Daher das Langloch in der Deichsel.
Zug- und Druckkräfte werden aber statisch unbestimmt über den Hebel übertragen. Egal wie, im Grunde sind nur Druckkräfte in idealer Längsrichtung eindeutig statisch bestimmt. Der Fall kommt aber praktisch nicht vor. Die Kupplungsköpfe müssen daher möglichst biegesteif sein. Zudem wirken die Zugkräfte auch auf die Seitenführungskräfte der Wagen. Besonders natürlich je mehr die Kupplung eingeschwenkt ist.
Das muss ich mir also nochmals durchdenken.
Diese Variante gefällt mir aber grundsätzlichm weil sie als sehr geeignet für eine einfache Umsetzung in Blech erscheint.
Alle Überlegungen vereinfachen sich zudem, wenn man die Kupplungsköpfe unsymetrisch plant, also den Wagen eine feste Richtung zur Kupplung gibt (Mutter-Vater-Prinzip). Das ist in vielen der oben beschriebenen Fällen gut machbar.
An Udos Kupplung angelehnt benutze ich diese Art Kupplung seit einigen Jahren, auch bei der Gresley ist der Abstand 12 mm, könnte sogar 9 mm sein, das Kurvenverhalten ist erstklassig, S- Kurven kein Problem, und was mir sehr wichtig ist.... ... ich möchte alles auch rückwärts fahren können, ohne dass sich etwas verkantet...
Diese Kupplung ist einfachst zu bauen, nichts ist daran kompliziert, der Tender wird einfach hochgenommen und es ist ausgeklinkt...
Stimmt, man muss ja nicht einmal ein Loch bohren oder einen Schlitz feilen.
Und es ist egal was man zuerst hoch hebt, Lok oder Tender. Gar nicht so schlecht. Es gibt einen Höhenausgleich und seitlich knickt die Kupplung nicht ein.
Das ist eine typische "unsymetrische Kupplung" wo die Richtung der Wagenreihung festgelegt ist. Hier bei Lok und Tender natürlich logisch.
Jetzt noch eine Kinematik und du fährst praktisch lückenlos. ;-)
Beachte aber, dass es eine Verbindung von Drehgestell zu Drehgestell geben muss, oder auch kurz davor, damit kannst du den Abstand von 10 mm halten, und du kannst damit rückwärts fahren....!
Gustav Reder empfiehlt in seinem Buch von ca. 1927 diese Kupplung. Gleichzeitig meint er, dass man Puffer besser weglässt, sie stören nur. Sehr modern, aber 100 Jahre her.
Das Thema ist weiter bei der Bearbeitung. Ich habe mich für die Lösung mit Deichsel und Doppelkulisse entschieden. Denn der Drehpunkt der Deichsel soll gleich der Drehpunkt der Lenkradsatzes vom Dreiachsfahrwerk werden. Für die Lösung mit Gabel wäre dann kein Platz. Bei beiden Lösungen wäre aber die Form der Kulisse gleich. Das Spezialteil ist also universell verwendbar. Ich habe mir aus der NEM in Excel eine Tabelle gebaut. Damit kann ich den Radius der Kurve berechnen. Die Überprüfung der Werte mit CAD ergibt, dass alles richtig ist. Nachfolgend die virtuelle Stellprobe von zwei Wagen in einem Kreisbogen R 450 mm, das ist ca. der 8ter Kreis in Spur 1. Also die Extremposition. Mal abgesehen von einer S-Kurve. Dann die heraus gezogenen drei Teile. Zwei Deichseln mit 16 mm Schlitz und dem Funktionspunkt, der sich an der Kulisse abstützt. Dazu die Kulisse. Die Deichsel wird am Drehpunkt im Langloch und andererseits im Schlitz der Pufferbohle geführt. Soweit die Theorie. Nun suche ich eine Möglichkeit, die Teile probehalber in Alublech oder fester Pappe fräsen oder lasern zu lassen.