das 1. Gleis mit der 1901 patentierten Befestigung der Schienen an den Schwellen ist von Bing.
Das 2. Gleis, noch mit den schrägen Schwellen, aber nicht mehr verlöteten sondern durch Prägung befestigten Schienen ist von Märklin aus der Zeit von 1904 bis 1906.
Das 3. Gleis mit der typischen geprägten Schwelle ist von Märklin aus der Zeit von 1907 bis 1911/12, ab Mitte 1912 mit Wechselstiften.
Jeder hat es selbst in der Hand, mit solchen Informationen an die Öffentlichkeit zu gehen oder aber nicht. Tatsächlich hat ein weiteres Mitglied diesen Forums aus der Schweiz auch ein Exemplar. Darüber hinaus weiß ich von etwa 6 weiteren in anderen privaten Sammlungen.
mich interessiert der Hersteller des vierten Gleises auch. Es hat eine Puckelschwelle wie die frühen Gleise von Kraus-Fandor, aber der Querschnitt ist der wie eines Hutes.
Warum sich die Restaurierung der defekten Weiche nicht lohnt, ist mir nicht ersichtlich im Hinblick auf die ausgeprägte Firmenmarke, Stern mit kyrillischen Buchstaben. Yuri, diese Weiche würde ich gerne übernehmen und sie wieder instand setzen, falls das möglich ist.
Meine Aussage zur Weiche habe ich gemacht bevor klar wurde, dass ein seltsames Produkt ist. Eine Mischung aus Bing und Märklin, aber wohl russisch.
Das 4 Gleis ist dann vielleicht auch russisch, oder Nürnberg und dann, wer weiß. Ich sehe eine seltsame Befestigung der Schiene in der Schwelle. Zu solchen Dingen gibt es Patente. Und kaum Belege
das 1. Gleis mit der 1901 patentierten Befestigung der Schienen an den Schwellen ist von Bing.
Das 2. Gleis, noch mit den schrägen Schwellen, aber nicht mehr verlöteten sondern durch Prägung befestigten Schienen ist von Märklin aus der Zeit von 1904 bis 1906.
Das 3. Gleis mit der typischen geprägten Schwelle ist von Märklin aus der Zeit von 1907 bis 1911/12, ab Mitte 1912 mit Wechselstiften.
Das 4. Gleis ist was für die Kenner.
Viele Grüße,
Bodo
Hallo Bodo! Vielen Dank für Ihre ausführlichen Erläuterungen. Das vierte Gleis schreibe ich Märklin zu, da es identisch mit der Weiche ist, über die wir vorhin gesprochen haben. Ich habe nur drei Fragmente. Ich hänge jetzt ein Foto an.
P.Y.
hat folgende Bilder an diesen Beitrag angehängt
mich interessiert der Hersteller des vierten Gleises auch. Es hat eine Puckelschwelle wie die frühen Gleise von Kraus-Fandor, aber der Querschnitt ist der wie eines Hutes.
Warum sich die Restaurierung der defekten Weiche nicht lohnt, ist mir nicht ersichtlich im Hinblick auf die ausgeprägte Firmenmarke, Stern mit kyrillischen Buchstaben. Yuri, diese Weiche würde ich gerne übernehmen und sie wieder instand setzen, falls das möglich ist.
Schönen Gruß Udo
Grüße, Udo! Schön, dich zu sehen. Leider gibt es heute aus offensichtlichen Gründen keine Möglichkeit, diesen Titel auf Sie zu übertragen. Beste Grüße, Yuri.
Zitat von ypsilon im Beitrag #34Meine Aussage zur Weiche habe ich gemacht bevor klar wurde, dass ein seltsames Produkt ist. Eine Mischung aus Bing und Märklin, aber wohl russisch.
Das 4 Gleis ist dann vielleicht auch russisch, oder Nürnberg und dann, wer weiß. Ich sehe eine seltsame Befestigung der Schiene in der Schwelle. Zu solchen Dingen gibt es Patente. Und kaum Belege
Grüße. Dank Ihnen wird dieses Thema weiterentwickelt. Danke
ich bin noch nicht ganz so überzeugt, dass die von Yuri im #35 noch einmal sehr schön gezeigten Gleise wirklich in Russland hergestellt worden sind. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann steht dort "Fabrik Marke", jedoch nicht "hergestellt in Russland" o.ä.. Die Gleise sind mit einer römischen "I" gekennzeichnet. Das könnte vielleicht bedeuten, dass der Hersteller auch in anderen Spurweiten fertigte.
Selbst Märklin war so flexibel, dass man auf das eigene Warenzeichen verzichtete und für das englische Kaufhaus "GAMAGE" auf die Schwellen prägte.
Wir kennen jetzt dank Yuri diese eine Fundsituation, aber eben erst eine. Und es ist keine in sich geschlossene. Vielleicht erfahren wir eines Tages von weiteren Funden.
Mit der doch eher kruden Verarbeitung der Schwellen würde ich doch ein Hersteller im Osten vermuten. Das Vor-Revolutionäre Russland wurde aber gut durch westlichen Export bedient. Irgendwo steht, dass alleine Märklin jährlich sieben? Bahnwagen nach Russland exportiert hat. Neben dem Kaufhaus der Schotten Muir und Mirrielees gab es in Moskau und anderen grossen Städten noch eine Reihe weiterer Kaufhäuser und Optiker, die deutsches und französisches Spielzeug verkauft haben.
Anders als ursprünglich vermutet, könnten die Spiritusloks mit den Geleisen zusammengehören und in irgend einem Land mit kyrillischer Schrift Ende 10er Anfang 20er Jahre hergestellt worden sein. Neben Warenzeichenregistern, könnten Adressbücher auf einen jüdisch klingenden Namen mit T in der Metall-, Optik- oder Spielwarenbranche durchsucht werden: https://genealogyindexer.org/directories
Hallo, Freunde! Ich möchte Attila, Bodo und Domenik für ihre aktive Teilnahme an der Diskussion dieses Themas danken. Dank eurer Überlegungen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass die Schienen tatsächlich in Russland, genauer gesagt im heutigen Polen, hergestellt wurden. Wahrscheinlich ist dies das Werk "Staporków" (Huta żelazna "Staporków") des Grafen Juliusz Tarnowski (Juljusz hr. Tarnowski).
Das Werk befand sich im Dorf Staporków, im Kreis Końskie der Provinz Radom. Heute ist es in der Woiwodschaft Heiligkreuz. Der Buchstabe „T“ in der Mitte des Sterns ist wahrscheinlich der Initiale des Nachnamens des Eigentümers. Das Werk produzierte eine erhebliche Menge an Metallwaren, einschließlich Waagen und Gewichten. Als Beispiel füge ich ein Foto eines Gewichts (Kalibrierung 1913) bei, auf dem in der Mitte des Sterns der Anfangsbuchstabe des Werksnamens zu sehen ist.
Wahrscheinlich wurden die Eisenbahnschiene und die Schienen in diesem Werk hergestellt. Darüber hinaus füge ich Fotos der Schiene bei; möglicherweise werden sie für euch nützlich sein.
P.Y.
hat folgende Bilder an diesen Beitrag angehängt
Eine Zuschreibung zu einem polnischen Hersteller halte ich für wenig wahrscheinlich.
Ich würde die Gleise Pjotr Talajew zuordnen, der die einzige nennenswerte Blechspielzeugfabrik im Zarenreich vor dem 1.WK betrieb. Ev. stammt das hier gezeigte Warenzeichen von einem Blechsoldaten: https://m.vk.com/album-225598678_302528336 Mit Dampfmaschinen im Sortiment würde ich auch die Spirituslok dorthin verorten. Die Spielzeuge waren Kopien von deutschen Mustern, was auch die grosse Ähnlichkeit mit Plank erklärt.
1858 zog der Bauer Pjotr Talajew aus dem Nachbardorf ins Dörfchen Astretsovo nördlich von Moskau. Nach einem gescheiterten Versuch in Kutschenlampen wurden einfache Trompeten, später auch anspruchsvolleres produziert. 1872 oder 1886 gründete er die Firma P.P. Talajew & Söhne (П. П. Талаева с сыновьями) und produzierte Blechspielzeug. 1890 hatte er 9 Angestellte. 1896 stellte er an der Allrussischen Ausstellung in Nischni Nowgorod aus und gewann eine Medaille. Auch in Paris 1900 und Lyon 1905 war er erfolgreich vertreten. 1902 arbeiteten 24 Männer, 1 Frau, 17 Kinder, 20 Männer und 16 Kinder in Heimarbeit? Bei einem Umsatz von 10000 Rubel (für 5000 Rubel Material aus Moskau). Er hat 3 Drehbänke und 5 Pressen. Im Adressbuch 1902 werden sechs weitere Meister einzeln namentlich aufgeführt. Hier die Arbeiter am Lötofen:
Pjotr Pjorewitsch Talajew (oder einer seiner Söhne, zur Zeit war schon die 4. Generation am Ruder) in 1902:
Es werden folgende Produkte genannt: Puppenhausmöbel, Geschirr, Küchen, Herde, Waschbecken, diverses technisches Spielzeug: Karren mit Besatzung, Dampfschiffe, Boote, Dampfmaschinen, Mühlen, Wasserpumpen, Springbrunnen, Schaukeln, Eisenbahnen mit Lokomotiven und Waggons.
Sein ursprüngliches Haus im Dorfzentrum von Astretsovo brannte nach einem Blitzeinschlag 1920 ab.
Die Fabrikgebäude 1955:
Die Revolution brachte ein vorläufiges Ende der Spielwarenproduktion, erst ab 1923 wurde diese wieder aufgenommen. Ein Foto von 1923 zeigt Modellflugzeuge und Trompeten:
Gemäss dem Buch „Sowjetisches Spielzeug“ von 1931 sollen rund 500 Handwerker in einem Artel (артель, einer Art Genossenschaft) in Astretsovo Spielwaren produzieren. Die im entsprechenden Kapitel abgebildeten Produkte datieren alle noch vor der Revolution. Zitat: „Alle von der Andreevskaya-Artel hergestellten Spielzeuge waren billige deutsche Spielzeuge, hoffnungslos antipädagogisch, tief vom deutschen bürgerlichen Geist durchdrungen, antikünstlerisch in Form und Farbe, schwach in der Konstruktion, aber mit allen kommerziellen Vorteilen ausgestattet - auffällige Farbe und Form, die den Käufer mit Klingeln, Pfeifen und schnellen und scharfen Bewegungen anlockten.“ Quelle: https://archive.org/details/1931-.-.-1
Mit Unterbrechung während des 2. WK wurde in Astretsovo weiter Spielzeug produziert.
Zitat von Sackbahnhof im Beitrag #431898, M&Mhttps://viewer.rusneb.ru/ru/000199_000009_007905401?page=7
Domenik hat hier wieder sehr gut recherchiert! Die in diesem Katalog von 1898 gezeigten Bilder basieren auf Artikel der Firma Jean Schoenner, Nürnberg. Es handelt sich um Klischees dieses Herstellers, die auch in deutschen Katalogen publiziert wurden. In der 1. Reihe links ist mit der #818 die Schoenner Dampf-Feuerspritze No. 115/1 zu sehen. Daneben mit der #811 die Dampflok mit Tender auf Schiene 48 mm (also Spur I) Art.-Nr. 117/L. Rechts daneben mit der #812 ist eine Tenderlokomotive als Bodenläufer mit der Art.-Nr. 187/0 zu sehen. In der 2. Reihe wurden ebenfalls originale Klischees von Schoenner verwendet. Die Dampfmaschine #816 hat die Art.-Nr. 183/1 P (P= Dampf-Pfeife) Dann 2 Betriebsmodelle #815 und 817, Art.-Nr. 4 (große Saugpumpe) sowie Nr. 14 (2 Schmiedegesellen am Amboss). Darunter in der 3. Reihe ist mit der #823 ein Salon-Schraubendampfer zu sehen. Diesen gab es in 5 Größen von 30 bis 72 cm. Dies bringt zwar alles Schienen-mäßig keine neuen Erkenntnisse, da hier die gezeichneten Schienen von den tatsächlich vor 1898 gefertigten Schienen erheblich abweichen. Die Schwellen bestanden lediglich aus einfachen Blechstreifen, die an einer Seite umgebogen wurden, zwecks Erhöhung der Kurven. Viele Grüße Wolfgang
1890 hat Talajew noch lokal nur in Sergej Possad verkauft, in Moskau konnte er sich ev. noch lange nicht gegen die deutsche und französische Konkurrenz durchsetzen.
Ich denke, dass die Gleise mit der Markung "T" auf ca. 1914/15 datieren, als der deutsche Import wegfiel. Zu der Zeit muss Talajew sein Angebot vergrössert haben, z.B. hat er 1914 auch eine Vertretung in Sibirien.
Die Prägung stammt wohl von der Bodenplatte dieses Reiters:
Mein Russisch ist sehr angerostet, gezielt mit einem Herstellernamen sollte einiges mehr über Foren/Archive etc. herauszufinden sein. Es müsste auch einen Briefkopf von 1912 geben und Preislisten (wohl aber nicht illustriert).
1890 hat Talajew noch lokal nur in Sergej Possad verkauft, in Moskau konnte er sich ev. noch lange nicht gegen die deutsche und französische Konkurrenz durchsetzen.
Ich denke, dass die Gleise mit der Markung "T" auf ca. 1914/15 datieren, als der deutsche Import wegfiel. Zu der Zeit muss Talajew sein Angebot vergrössert haben, z.B. hat er 1914 auch eine Vertretung in Sibirien.
Die Prägung stammt wohl von der Bodenplatte dieses Reiters:
Mein Russisch ist sehr angerostet, gezielt mit einem Herstellernamen sollte einiges mehr über Foren/Archive etc. herauszufinden sein. Es müsste auch einen Briefkopf von 1912 geben und Preislisten (wohl aber nicht illustriert).
Gruss Domenik
Guten Tag, Domenik. Vielen Dank für die geleistete Arbeit und die interessante Untersuchung. Ihre Argumente bezüglich der Marke „T“ sind sehr überzeugend, und ich teile Ihre Meinung, da ich glaube, dass Sie recht haben. Was den Lokomotivtyp betrifft, der dem Plank ähnelt, kann ich feststellen, dass ich noch nie ein funktionierendes Modell einer Dampfmaschine oder sogar eine Erwähnung der Produktion solcher Modelle in der Werkstatt von Pjotr Talajew gesehen habe. Es wäre mir eine Freude, dies bestätigt zu finden, aber leider gibt es mehr Fragen als Antworten. Wie ein Teilnehmer des Forums bei der Datierung früher Lokomotiven treffend bemerkte: „Wir bewegen uns auf dünnem Eis.“