Hallo zusammen, ich hatte zu dem Thema von Mikka zu einem grünen TW 800 ein ähnliches Modell vorgestellt, dessen Instandsetzung ich hier gesondert vorstellen will - und die Geschichte ging so: Ein Sammlerkollege hatte sich auf einer Auktion einen grünen TW 800 gekauft, der als nicht betriebsfähiges Originalmodell beschrieben war. 1.200,- € plus Aufgeld waren dafür fällig. Nach einer weinseligen Begutachtung durfte ich das Modell mitnehmen. Der Auftrag dazu lautete: möglichst originalgetreue Instandsetzung. Das Modell sollte wieder voll betriebsfähig sein - Einsatz als Betriebsmodell! Die Randbedingungen dazu waren: Die Ersatzteile werden bezahlt - Das unentgeltliche Reparaturvergnügen konnte ich mir sichern! Schon bei der Erstbesichtigung war klar: Das Ding ist irgendwie komisch: Grüner Nachkriegs TW in einmotoriger Ausführung!? Bei der Demontage wurde dann offensichtlich: Es handelt sich um ein Reparaturersatzmodell eines TW 800 Vorkriegsausführung, weil: Die Kabelanlage ist die originale Vorkriegsausführung: Der Motor und Fahrgestell sind in schmaler Vorkriegsausführung: Das Motorschild wurde durch ein brüniertes Nachkriegsteil ersetzt: Der alte Radsatz - mit Motorfahrgestell für den schmalen Motor: Die antriebslosen Drehgestelle waren vollständig erhalten. Nur ein Rad hatte einen großen Gussabplatzer. Das wurde mit Weld repariert: Die Räder werden mit dicken Unterlegscheiben (Werksnorm!) auf der Achse montiert - die waren zum Glück noch vollständig!
Zur Instandsetzung habe ich Dank der nützlichen Hinweise der Forumskollegen und "Kraft meiner Wassersuppe" entschieden, dass ich das Modell als Reparaturersatzmodell wieder aufbaue. Ein Aufbau als zweimotoriges Nachkriegsmodell hätte bedeutet, dass das komplette "Innenleben" ersetzt wird- dann kann man gleich ein Replikamodell bauen! Ich habe das Motorschild in früher Nachkriegsversion (grau) und ohne Bürstenkappen ersetzt: Die Motordrehgestellaufhängung war defekt - der Stehbolzen war abgebrochen - das Teil wurde ersetzt gegen das teil der Nachkriegsausführung. Dies ist mit zwei Schrauben auf der Motorrückseite befestigt; also: Loch bohren und Gewinde schneiden. Das Zusatzgewicht fehlte und wurde ersetzt. Das vorhandene Gewinde im Motorblock ist 3,5 mm. Dafür gibt es keine Märklinschraube im Spur 00 -Sortiment! Ich habe eine Schraube DIN 84 M3,5 x 8 mm in Stahl verwendet. Der Relaisgusskörper wurde gegen die graue Version getauscht - dass sieht harmonischer aus zum grauen Motor! Spaltmass zum Umschalthebel beachten - dass kann klemmen! Mit dem Wechsel der Motoraufhängung hatte ich mir ein Problem eingehandelt: das Motordrehgestell saß nun nicht mehr (halbwegs) zentriert in der Aussparung des Rahmens. Die Räder schleiften am Blechbügel! Das Bohrloch im Blechbügel musste entsprechend versetzt werden: Die Aufhängung des antriebslosen Drehgestells war mit einem speziellen Messingbügel realisiert worden: In der Vorkriegsversion wurde als Reparaturersatz bei Transportschäden ein kleiner Blechbügel für den Einbau in Längsrichtung geliefert. Der scheint aber bei der Reparatur dieses Modells nicht verfügbar gewesen zu sein. Bei der Vorkriegsversion ist die Aufhängung Teil des Rahmens. Hier ein Bild eines originalen VK-Rahmens:
Bei der ursprünglichen Reparatur wurde auch der Turm ausgewechselt. Es wurde ein rot grundiertes Blechteil passend in grün lackiert. eine Trennung der beiden Triebwagenteile ist bei DIESEM Teil nicht möglich. Bei der Montage der Triebwagenteile kann / muss die Höhenjustierung durch Nachbiegen der Blechhaken erfolgen: Die Cellonscheiben wurden ersetzt: Die Öffnung im antriebslosen Triebwagenteil wurde mit einem Pilzschleifer verschlossen: Zur Befestigung der Gehäuse am Rahmen wurden ersatzweise die Gestängebefestigungsschrauben mit kurzem Schaft verwendet. So hat das Gehäuse - gerade wenn es ein bisschen verbogen ist genug Spiel und erleidet keinen Gewaltbruch bei unvorsichtigem Festschrauben mit einer durchgehenden Gewindeschraube. Und zum Schluss der fertige TW 800:
Die Ersatzteile haben ca. 600,- € gekostet. Das Reparaturvergnügen war / ist unbezahlbar! Grüße Dampnix Stefan
Zitat von dampnix im Beitrag #1Das unentgeltliche Reparaturvergnügen konnte ich mir sichern!
Klasse Bericht Stefan! Sicherlich wirst Du noch einige Lobeshymnen erfahren. Zwar ist das eine Währung, für die man sich nix kaufen kann, aber die ideelle Wertung ist oft beständiger! Außerdem ist Deine Arbeit noch nicht vergnügungssteuerpflichtig! Viele Grüße Wolfgang
Jetzt muss ich mich natürlich auch "outen" ... als der ominöse "Sammlerfreund" war ich für den Auftrag + das "weinseelige" Vorgespräch verantwortlich // und in Sachen "Weingeschmack" muss ich sagen - da weis Stefan, was er mag & was er trinkt ... und ich bin mir sicher, er trifft sich noch öfters mit mir !!
;-) herzlichen Dank - und beste Grüße - und eine weitere gute & gekühlte Flasche wartet bei NORBERT - im "Stellwerk Nordbahnhof" - in Berlin, Mitte