ich hatte bei meinem "Hamburger" schon mal das Problem, dass kaum ein Anbieter Ral 4000 zur Verfügung stellt. Für den jetzt zu lackierenden "Henschel Wegmann" stehe ich vor der selben Situation. Glücklicherweise kann ich aus der alten Dose was aufsprühen, auslesen lassen und nachmischen. Aber was ist der Grund, warum dieser RAL Ton in der Kartei nicht mehr geführt wird und weshalb man diese Farbe nur bei einer handvoll Anbietern bekommt
es sieht so aus, als ob dieser RAL-Farbton, der bei der Reichsbahn für den Rheingold-Zug, die SVTs und den Henschel-Wegmann-Zug verwendet wurde, nach 1939 aus dem offiziellen RAL-Verzeichnis gelöscht wurde.
Ja Dieter, da hab ich schon überall rumtelefoniert. Keine Chance. Es gibt wie gesagt einen Anbieter, der füllt diese Nummer als Acryl oder 2K in Sprayflaschen, oder wie man will, ab und ein anderer macht Modellgebinde. Sicher gibt es noch mehr, aber das reicht mir ja. Nur, warum ist diese Farbe aus dem Katalog gelöscht und eigentlich nicht zu bekommen? Gruß Eberhard
aus dem Datum würde ich schließen, dass dieser Farbton im Rahmen der Umstellung auf die Kriegswirtschaft als nicht mehr notwendig erachtet wurde.
Entweder, um die Anzahl der Farbtöne zu reduzieren oder vielleicht auch, weil für diesen Farbton besondere Pigmente erforderlich waren, die damals nur schwer zu beschaffen waren.
Nach meiner Kenntnis wurde zum Erzeugen von Violett als Farbe gemahlener Flußspat (Calciumfluorid) benutzt. Zumindest, bis die Anilinfarben erfunden wurden... Calciumfluorid kommt sehr häufig vor und wird bergmännisch abgebaut. Ich habe mal so eine stillgelegte Grube besichtigt!
Da in den 1930/40er Jahren Anilinfarben jedoch schon viele Jahrzehnte bekannt waren, glaube ich nicht, daß es sich bei diesen Farbpigmenten um einen seltenen Rohstoff handelt(e).
Vielleicht weiß ja "HeinzMan", unser Farbexperte, mehr darüber?
Mangelnde Materialien zu Kriegs- und Nachkriegszeiten mögen das Eine sein, aber heute sicher nicht mehr zutreffend. Meine Vermutung ist eher, dass die DR die weitere Nutzung der Farbe aus irgend einem Grund nicht möchte.
RAL- Farben stehen unter staatlicher Verwaltung, schon seit 1927. RAL heißt "Reichs-Ausschuß für Lieferbedingungen". Dort sind die Farben normiert und numeriert worden. Das gilt bis heute. Jetzt werden die RAL Farben von einer Gesellschaft verwaltet, die sich aber auch im Besitz der Bundesrepublik befindet.
Ich denke eher, daß RAL 4000 wenig gefragt wurde und daher einer Art von "Systembereinigung" zum Opfer fiel! Mit 40 Farben hat die RAL Zertifizierung vor fast 100 Jahren einmal angefangen. Jetzt sind es unglaublich viele, mehr als 1.500, glaube ich. Und ständig kommen neue hinzu! Da kann es durchaus sein, daß einzelne Farben in Vergessenheit geraten und kaum mehr hergestellt werden...
Die Liste der RAL Farben wurde nicht, wie einst die 10 Gebote, in Stein gemeißelt, sie lebt.
Die Farbspezifikationen des Reichs-Ausschusses für Lieferbedingungen überlebten im Westen das dritte Reich, und in der DDR wurden die Farbspezifikationen ab 1955 (bis 1990) in den Technischen Normen, Gütevorschriften und Lieferbedingungen (TGL) weitergeführt. Inzwischen sind die Listen wiedervereint.
Ein typisches Beispiel für die Modernisierung des RAL-Registers in den vergangenen Jahren ist die Einführung der RAL-Farbe Telemagenta. Die Deutsche Telekom hat bei einer Modernisierung ihres "Corporate Image" für sich eine Farbe gewählt, die darauf verzichtet, jegliche Assoziationen mit der staatlichen Vergangenheit zu vermitteln. Da gibt es kein Schwarz-Weiß-Rot des Kaiserreiches, keinen Bezug zur Weimarer Republik, nichts mit roten Fahnen und schwarz-auf-weißen Symbolen der Folgezeit, auch die Farben der ost- und westdeutschen Flaggen und Partei-Präferenzen klingen nirgendwo an.
Die gewählte Farbe Magenta zeigt dagegen eines ganz deutlich: Wir sind wir. National einzigartig und international ein Global Player...
Und da die Telekom von so manchen immer noch als Rechts-Nachfolger von Thurn und Taxis aus dem Mittelalter verstanden wird, spendiert die RAL-Tabelle der Telekom sogar eine eigene Farbe: ehemaliger Staatsbetrieb.
Das Tele-Magenta wird in 10 oder 20 Jahren aus der RAL Liste verdrängt worden sein... Wenn die Telekom ihr Corporate Image mal wieder überarbeiten lässt.
Vielleicht kommt irgendwann aber das Violett RAL 4000 aber auch mal wieder zu Ehren, als farbliche Kennzeichnung für Züge, die schnell und pünktlich nach Fahrplan verkehren.
Die Bezeichnung 4000 zeigt an, dass es sich um eine Hauptgruppenfarbe handelt. Das sagt nichts über die Herstellung oder Verwendung aus. Tatsächlich bediente und bedient sich die Bahn der RAL-Farben-Norm. https://de.wikipedia.org/wiki/RAL-Eisenbahnfarben
Die Verwendung von Farben unterliegt immer verschiedenen Einflüssen, wie Normen, Mode, Verbote und technischen Möglichkeiten.
Zitat von Stutty im Beitrag #8 Vielleicht kommt irgendwann aber das Violett RAL 4000 aber auch mal wieder zu Ehren, als farbliche Kennzeichnung für Züge, die schnell und pünktlich nach Fahrplan verkehren.
Gruß, Thomas
Ja, das wäre der Knaller! Ich würde den Gebrauch durchaus gerne noch erweitern. Alle, die etwas meisterlich beherrschen, sollten diesen Farbton analog zu einem Bundesverdienst exklusiv benutzen dürfen, damit sie sich vom allgemeinen Pfusch staatlich autorisiert abheben dürfen. Sogar parteilich steht diese Farbe für unvergängliche Werte. Dort könnte ein wenig frischer Wind ebenfalls nicht schaden.
ohne (partei-)politisch zu werden: Frischer Wind weht derzeit durch Thüringen!!! Da braucht es kein Violett mehr. Die Wähler - mündige Staatsbürger - haben das in freier, demokratischer Wahl so gewollt. Wir reiben uns die Augen.....
Fazit: die Demokratie lebt! Auch wenn sie seltsame Blüten treibt.
Claudia - die Demokratie schafft es mit demokratischen Mitteln KEINE Regierung zu wählen. Nun reibt man sich die Augen, denn das hatten sich die Erfinder der Demokratie so nicht vorgestellt. Schon Walter Ulbricht sagte: ""Es muß demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben". Offenbar haben alle Agierenden den Rat beherzigt. Der "frische Wind" weht leider direkt aus der Latrine.
Es stellt sich hier die Frage, was wir unter "demokratischen Mitteln" verstehen. Das bedarf einer Definition, dann können wir weiter sehen....
Laß uns dieses Thema hier nicht weiter vertiefen, Ypsi. Wir geraten off topic und in politischen Schwemmsand. Und das gehört nicht in dieses Forum...
Ich habe eine dezidierte Meinung und die tue ich auch kund! Aber nicht hier. Vielleicht finden wir mal die Gelegenheit zu einem persönlichen Meinungsaustausch.
Zitat von cmnhorsebreeder im Beitrag #15Und das gehört nicht in dieses Forum...
Ja, aktuelle Politik, ist kein Thema für dieses Forum. Wir sammeln Spielzeug, das teilweise sehr alt ist. Für mich gehört dazu, mich in die Zeit hinein zu versetzen.
Erst letztens war ich im https://www.ludwig-erhard-zentrum.de/. Hier wird in etwa der Zeitraum abgebildet, aus dem unser Spielzeug stammt. Die Ausstellung ist eine Zeitreise. Der Betrachter sieht, wie die Politik der nicht so alten Vergangenheit unser Land und Europa, wie wir es jetzt verstehen, in zwei Weltkriege geführt hat.
Das Spielzeug hat das miterlebt. Es soll durchaus auch die Augen öffnen, wie die Menschen zu dieser Zeit gelebt haben, was sie erleben mussten.
Und.
Es hilft, wenn die Erinnerung wach bleibt. Damit die Errungenschaften, wie Frieden und Wohlstand erhalten bleiben.
Ich möchte nicht das Störschwein sein, das Mainstream-Meinungen infrage stellt. Aber zum Thema Politik und Spielzeug habe ich eine differenzierte Meinung. Die Spielzeugindustrie und das Kaufverhalten, die Materialverfügbarkeit und die Wirtschaftskraft usw. - all das hängt unmittelbar mit den gesellschaftlichen Verhältnissen und damit mit der Politik zusammen. Wie oft erklären wir Sammler bestimmte Phänomene oder gestalterische und technische Strömungen mit den politischen Verhältnissen? Eine Trennung kann ich gar nicht sehen, zu keiner Zeit. Solange man nicht ideologisch diskutiert ist doch alles gut.
Du hast vollkommen recht!!! Unser historisches Spielzeug erzählt seine Geschichte. Und Geschichte bedeutet nicht nur Technik, sondern auch Wirtschaft und Politik. Die Kaiserzeit, die Weimarer Republik, das Dritte Reich, die junge DDR, die junge Bundesrepublik und zuletzt der Untergang der DDR - sie alle haben mit ihren zeitgenössischen Spielzeugen Spuren in unseren Sammlungen hinterlassen. Gleiches gilt für die Spielzeuge unserer Nachbarländer und der Länder auf anderen Kontinenten.
Es ist immer wieder interessant, die Wechselwirkungen dieser Beziehungen zu beleuchten! Ja, ich glaube sogar, daß wir ohne diesen historischen Kontext unsere alten Spielzeuge gar nicht wirklich verstehen.
Zum Glück findet sich in diesem Forum hier eine riesengroße Menge an solchen Informationen! Beispielsweise bei TRIX, KIBRI, CaBo und vielen anderen. Und die Sammler, die sich diesen Marken verschrieben haben, lassen uns großzügig an ihren historischen Entdeckungen und Erkenntnissen teilhaben. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle einmal herzlich bedanken!
Du bist also in keiner Weise ein "Störschwein", Ypsi. Wir kommen nicht drumherum, die politische Geschichte in die Betrachtung und Erforschung unserer Spielzeuge mit einzubeziehen. Nur: die aktuelle politische Landschaft sollte nicht hier betrachtet und kommentiert werden. Wenn sie sich irgendwann in ferner Zukunft einmal in Spielzeug abbilden wird, dann wird die richtige Zeit dafür sein.
Bis dahin können wir unsere "Demokratie" hin und her wenden - als Mysterium, als Idee, realistisch oder unrealistisch, lebendig oder mumifiziert, funktionierend oder gestrandet, als Fake oder als Fakt. Da gibt es viele, viele Perspektiven...und alle sind interessant! ABER NCHT HIER.
Um zum Thema zurück zu kommen, möchte ich auf den Signalwert von Farben verweisen. Das von Heinz verlinkte Video bleibt eher naturwissenschaftlich. Wenn es um kulturell gesetzte Farbe geht, hat schon deren Name Signalwirkung, und zwar eine trügerische. Wenn von den Gelben die Rede ist, weiß man nicht genau, wer gemeint ist. erst der Kontext verrät, ob das ein rassistischer Hinweis oder eine parteiliche Klassifizierung ist. Mit solcher Schwammigkeit im Ausdruck sind auch andere kulturelle Phänomene zu erklären, wie beispielsweise die Gleichsetzung von Fremdheit, Islam und Terror, die viel besser durch Desinteresse zu erklären ist. Farbe zu bekennen und Klarheit in der Sprache zu bewahren, sind also völlig verschiedene Dinge.
Macht das aber den Gebrauch von Farben per se zu einer subtilen Manipulation? Muss ergo auch das Beseitigen einer Farbe aus der Öffentlichkeit als kulturelle Werteverschiebung betrachtet werden? Der Film zeigt, dass die Bedeutung von Farben immer kulturell überformt ist. Eine selten gewordene Farbe ist also immer geeignet, mit neuer Bedeutung aufgeladen zu werden. Somit mag dann also auch ein ehem. RAL-Ton in neuem Bedeutungsgewand zurückkehren, wofür ich mich immer dann begeistern kann, wenn zugleich klar kommuniziert wird, was hinter dem "Code" steckt.
Der Feind ist nie die Farbe, das Zeichen, der Code, die Fahne, sondern die Simplifizierung des Kontexts, in dem diese Signale gedeutet werden. Dazu gehört auch, eine Umwidmung der Signale nicht zulassen zu wollen. Das mag bei Blaulicht und Nationalflaggen noch angemessen erscheinen. Aber es findet viel zu weit darüber hinaus ohne Not auch noch statt, weil Denken eben anstrengend ist.
Wenn ich sage, dass mich RAL 4000 an eine Zeit erinnert, in der es eine Reihe von Arbeitstugenden gab, die speziell unserem Land, aber auch Europa insgesamt zu Wohlstand und Anerkennung verholfen haben, dann möchte ich nicht zurück in diese Zeit und auch nicht willkürlich aus dieser Zeit alles Mögliche hervorkramen und für legitim erachten, sondern ganz gezielt eine Auswahl treffen an Einstellungen und Überzeugungen, die uns zur Besinnung kommen lassen können, worauf es sich lohnen könnte, (wieder) verstärkt zu setzen.
Die von Stutty angemerkte Zuverlässigkeit von Fahrplänen und die von mir angemerkte Dauerhaftigkeit von Produktqualität sind nur zwei Beispiele, die man gerne kontrovers, aber bitte stark differenziert diskutieren sollte. Dennoch lasse ich den Schluss zu, dass am Ende eine Einigung stattfindet, die sich entsprechend auch plakativ in Form einer Signalfarbe zeigen darf.
Es sind BELTON-Farben (Firma Kwasaki), die preiswert sind, in hunderten Farbtönen zu haben sind und nach dem Sprüher schnell trocknen. Die Lieferung ist blitzschnell!
Ob die nun auch genau RAL 4000 anbieten, weiß ich nicht. Muss man mal nachfragen. Schönen Gruß Udo
Udo wie gesagt, bei Lackspray 24.de, bei farberlin und über Weinert kann man die Farbe bekommen. Als Acryl, 2K oder Niitro. Alle anderen haben sie nicht. Die Farbe ist aus der Liste und es gibt auch keine Mixtur.
Farbcodes gibt es, solange Menschen Farben benutzen. Und diese Codices sind von Kulturkreis zu Kulturkreis verschieden, wenn es auch einige kulturüberschreitende Gemeinsamkeiten gibt.
Sie dienten immer als Ersatz für geschriebene Sprache, die ja über Jahrhunderte - Jahrtausende? - einfachen Menschen nicht zugänglich war. Die Farben zu verstehen, ist nicht eine Frage des Denkens, sondern eine Frage des Wissens! Das Wissen um die Bedeutung von Farben wurde von Generation zu Generation tradiert, da die Schriftsprache nicht zum Allgemeingut gehörte aber Bilder und Skulpturen von allen betrachtet werden konnten.
Ein gutes Beispiel dafür ist die abendländische sakrale Kunst. In ihr haben bis heute die verwendeten Farben eine jeweils feste Bedeutung. So war es den Analphabeten möglich, die dargestellten Szenen in ihrer tieferen Aussage zu begreifen. Maria wird beispielsweise immer im blauen Mantel dargestellt. Blau symbolisiert die Reinheit, die Unendlichkeit, die Verbindung zum Himmel und lebensspendendem Wasser.
Wie sehr diese Codices von der römischen Kurie vereinnahmt und mißbraucht wurden, ist wieder eine andere Geschichte! Das lebensspendende Rot den Kardinälen zuzuordnen, ist schon recht eigenwillig - sind sie denn durch den Zölibat gerade nicht lebensspendend... Und Violett, der Ausgangspunkt dieses Fadens, hat dort eine herausragende Bedeutung! Diese Mischung aus Rot (Leben) und Blau (Reinheit), gehört den ranghöchsten Klerikern. Der Pontifex Maximus hingegen trägt Weiß, die Farbe der Unschuld! Während der kleine Priester in das Schwarz des Orkus' gewandet ist, assoziiert mit Tod und Unheil.... Wer ein bischen in der Geschichte der römisch-katholischen Kirche herumstöbert, wird schon bald die Anmaßung finden, die mit diesem Farbcodex einhergeht.
Und nocheinmal - die Dechiffrierung der Farbcodices gelingt nicht durch Denken, sondern durch Wissen! Und auch nocheinmal - ich bin weder Farbexpertin noch Kulturhistorikerin, sondern muß mich bei der Betrachtung dieses Komplexes auf mein Allgemeinwissen verlassen. Wiewohl ich gestehen muß, daß dieses Thema hochinteressant und einer Vertiefung wert ist!!!