ich habe da eine Frage. Nun ja, ich weiß, so fängt mancher Beitrag in einem Forum an. Die Frage lautet:
Ist das richtig, dass die von Karl Bub nachproduzierte Bing Tischeisenbahn auf 18 Volt Wechsel- und Gleichspannung ausgelegt ist? Jedenfalls steht es so im Katalog von 1935.
Wie genau ist der Stand des Wissens heute im Jahre 2024?
Abgrenzung: Begrenzt Euch doch bitte in der Aussage auf die von Karl Bub nachproduzierte Tischeisenbahn von Bing. Nicht auf die von Karl Bub Ende der 1930er Jahre neu entwickelten Produkten wie dem Miniatur-Schnelltriebwagen (Katalog 1937), die Automatische Doppelbahn mit Ausweichgleis (Katalog 1938) und die Produkt der KB-Sonderklasse-Kleinspur (Katalog 1939)
Print Screen der Seite des Kataloges von Karl Bub aus dem Jahre 1935. Quelle Archiv Conrad Antiquario der Druckerei Conrad, Berlin.
Bitte beachtet auch den Forumsbeitrag hier im Forum Historische Modelleisenbahnen (Mätrix-Forum) aus dem Jahre 2014: Bub elektrische 00-Tischbahn Lok (Leider darf ich erst in ein paar Tagen Links setzen.)
Danke für eine zeitnahe und kompetente Antwort an einen sich neu hier im Form angemeldeten Modelleisenbahner, der doch ab und zu hier im Forum schon herumgestöbert hat.
Moin. Damaliger Stand der Technik waren Allstrommotoren. Dem Motor ist es dabei egal, ob mit AC oder DC gespeist wird. Und auch wenn nur AC angegeben wäre, würde der Motor immer auch mit DC laufen. Nur in der Stromaufnahme und meist auch in der Erwärmung der Motoren gäbe es dabei kleinere Unterschiede. Insofern ist die Katalogangabe richtig. Zu beachten wäre nur, daß sich im DC-Betrieb die Richtung NICHT durch Umpolung ändern läßt. Dazu ist immer ein Umschalter von Nöten.
Ich denke, dass die Erwähnung von Transformator und Umformer im Katalog damit zusammenhängt, welche Art von Strom Sie in Ihrem Haushalt hatten. Bei Wechselstrom brauchten Sie einen Transformator, bei Gleichstrom einen Umformer, beides, um die Spannung zu senken. Und natürlich kann die Bub-Eisenbahn sowohl mit Wechselstrom als auch mit Gleichstrom betrieben werden. Gruss Fred
Ja, die gleichen Loks, die von Bing für 4-6V ausgelegt waren, wurden von Bub mit Wicklungen auf Feldspule und Anker, die für 18V eingerichtet waren, weitergebaut. Damit konnten sie an den normalen Bub-Trafos betrieben werden. Oder bei Gleichstrom an den Bub-Umformern. Grüße von elaphos
es ist bereits alles gesagt worden. Ich versuche, das noch etwas deutlicher und umfassender zu schreiben.
Man muss unterscheiden zwischen der Primärstromversorgung (was kommt aus der Steckdose) und der Sekundärstromversorgung (was kommt in den Motor).
Primärstromversorgung:
Früher gab es noch keine landesweiten oder sogar landesübergreifenden Verbundstromnetze mit hochtransformierten Wechselstrom. In vielen Orten gab es kleine Kraftwerke oder wassergetriebene Turbinen, die nur im kleinen Umkreis Gleichstrom lieferten. In den Haushalten kam oft nur 110 V Gleichstrom aus der Steckdose, manchmal auch 220 V. Gleichstrom konnte damals nur mit Rotations-Umformern oder Zerhacker-Umformern auf eine ungefährliche Spannung von z.B. 18 V umgeformt werden.
Ab den 1920er Jahren wurde in Deutschland der Bau großer kohlegefeuerter Kraftwerke und der Ausbau der hochgespannten Wechselstromübertragungen mit 110 kV oder 220 kV mit großem Aufwand vorangetrieben.
Die meisten verbliebenen Gleichstromversorgungen wurden in den 1950er Jahren abgelöst. Man findet in den Modellbahnkatalogen der 1950er Jahre noch vereinzelt Hinweise auf Umformer.
Sekundärstromversorgung:
Entscheidend ist die Bauart des Motors: - Besitzt der Motor eine Feldwicklung, kann er mit Wechselstrom oder mit Gleichstrom betrieben werden. Man spricht dann auch vom Allstrommotor. - Besitzt der Motor einen Permanent- oder Hufeisen-Magneten, kann er nur mit Gleichstrom betrieben werden.
Zunächst wurden Motoren mit Feldwicklungen gebaut. Später folgten ab 1900 die ersten Motoren mit Hufeisen-Magneten für kleinere Spannungen, da man noch mit magnetisierbaren Werkstoffen Erfahrungen sammeln musste. Diese ersten Gleichstrommotoren waren meist für kleinere Spannungen von ca. 4-8 V ausgelegt, passend zu einer dritten Art der elektrischen Stromversorgungen aus elektrischen Elementen ähnlich einer Autobatterie mit Glaszellen, Säure und Elektroden.
Was sagt uns der Bub-Katalog 1935:
Die Überschrift "Miniatur-Eisenbahnen elektrisch 18 Volt" sagt uns, dass diese Tischbahn (entspricht der späteren Spurweite H0) mit einer ungefährlichen Sekundärspannung von weniger als 24 V (vom VDE 1927 festgelegte maximale Grenze für Spielzeug) betrieben werden kann. Wir finden keinen Hinweis, dass der Motor nur mit Gleichstrom betrieben werden darf.
Im Untertitel steht: - Betrieb durch Transformator bei Wechselstrom - Betrieb durch Umformer bei Gleichstrom
Diese Hinweise beziehen sich auf die Primärstromversorgung.
Wir finden keinen Hinweis zu einem Gleichrichter, der zusätzlich zum Transformator benötigt wird. Wir finden auch keinen Hinweis zur Bauart des Umformers, welche Stromart sekundärseitig herauskommt.
Deshalb können wir davon ausgehen, dass diese Bahn einen Motor mit Feldwicklung besitzt und sowohl mit Wechselstrom als auch mit Gleichstrom betrieben werden kann (Allstrommotor).
Es ist aber immer schön, einander kennenzulernen. Siehe Kai Holger "Hunter"... Deshalb habe ich gefragt.
Freundliche Grüße von Claudia
P.S. Natürlich war ich auch neugierig bezüglich des Bourbaki! Das große Rundbild in Luzern erzählt von den 190.000 französischen Soldaten, die im deutsch-französischen Krieg 1870/71 in die Schweiz flüchteten. Für historisch Interessierte: dieser deutsch-französischen Krieg fand in sehr bewegter Zeit statt und hatte vielfältige politische Auswirkungen. So die Gründung des Deutschen Reiches 1871 durch Bismarck und die Gründung der dritten Französischen Republik nach dem Sturz Napoleon III.
Zitat von cmnhorsebreeder im Beitrag #9Ja, das ist mit bewußt, lieber Daniel!
Natürlich war ich auch neugierig bezüglich des Bourbaki! Das große Rundbild in Luzern erzählt von den 190.000 französischen Soldaten, die im deutsch-französischen Krieg 1870/71 in die Schweiz flüchteten. Für historisch Interessierte: dieser deutsch-französischen Krieg fand in sehr bewegter Zeit statt und hatte vielfältige politische Auswirkungen. So die Gründung des Deutschen Reiches 1871 durch Bismarck und die Gründung der dritten Französischen Republik nach dem Sturz Napoleon III.
Der neue Nutzer hat sich doch wohl hoffentlich nach Nicolas Bourbaki genannt.
ich bin ganz Entzückt von der Entwicklung dieses Beitrages.
Da ich am Wochenende arbeite, kann ich erst Anfangs nächste Woche zu einigen Fragen und Bemerkungen Eurerseits Antwort geben.
Nur so viel:
Meine Frage ist beantwortet und eine zweite Frage, die ich eigentlich erst noch stellen wollte, auch noch dazu.
Um allen Spekulationen entgegenzutreten, mein Alias-Name Bourbaki hat mit meinem Militärdienst in den meist sehr anstrengenden, aber auch sehr spassigen und teuren Wiederholungskursen (WK) in der Schweizer Armee als Unteroffizier und Gruppenführer zu tun.
Nein, das mit dem "verärgert" hast du falsch verstanden. Wolfgang meinte, dass dein Hinweis "ich bin ganz verzückt" besser ist als "verärgert". Also alles im positiven Sinn. Deutsch kann manchmal eine schwierige Sprache sein.
Zitat von Bourbaki im Beitrag #15ich bin nicht ganz neu in diesem Hobby
Das ist gut Hugo, ich vermute: wir haben (in etwa) die gleiche Wellenlänge. Aber: wenn jemand neu ist in diesem Forum, dann weiß man nicht, mit wem man es zu tun hat. Du glaubst es nicht: wir hatten hier schon so manchen Exoten, um nicht zu sagen: Bekloppten.... Aber damit kann man auch fertig werden. Viele Grüße Wolfgang
Vereinfacht ausgedrückt, fertigte Karl Bub die Bing Tischbahn nach, jedoch für 18 Volt Gleich- oder Wechselspannung.
Als Ergänzung zum Fahrzeugpark produzierte zudem Karl Bub einen eigenen Schnelltriebwagen den es sowohl in Zwei- wie auch in Dreiteiliger Version gab, für eben diese 18 Volt Gleich- oder Wechselspannung.
Im Kontext scheinen mir die folgenden aktuellen Beiträge sehr interessant:
Sehr schön wäre es nun, wenn jemand Bilder der beiden Motoren von Bing und Karl Bub zum Vergleich ins Netz stellen würden. Bilder vom Bing Motor sind mir bekannt. Nicht aber von Karl Bub.
Übrigens: In diesen Wochen stand eine Variante der Jouef Uhrwerkslokomotive vom Typ 020T 708 bei mir auf dem Arbeitstisch. Von dieser Lokomotive muss es eine derart grosse Anzahl von Varianten gegeben haben, dass ich bezweifle, ob da jemand noch den Überblick hat.
ZitatSehr schön wäre es nun, wenn jemand Bilder der beiden Motoren von Bing und Karl Bub zum Vergleich ins Netz stellen würden. Bilder vom Bing Motor sind mir bekannt. Nicht aber von Karl Bub.
hier nun die Bilder:
links Bing, rechts Bub
Der für mich einzig sichtbare Unterschied sind die Bürsten, die bei den Bub Loks für einen besseren Anpressdruck und damit für eine bessere Betriebssicherheit sorgen.
Leider ist die Makro-Funktion meiner Kamera nicht besonders, daher etwas unscharf, aber sicherlich erkennbar
Schließlich ganz rechts noch der Motor des Fliegenden Hamburgers, die Bürstenanordung ist jetzt komplett geändert.
Über den schlechten Anpreßdruck der Bürsten habe ich mich bei meinen BING Tischbahn Loks schon oft geärgert! Ich habe keine Idee, wie da Abhilfe zu schaffen wäre.
Liebe Claudia, hatte mal einen Beitrag zur Erneuerung der Kupferbürsten unter Technik und Problemlösungen - Elektrik eingestellt: Bürsten für verschiedene Elektromotoren mit Messingfedern Wenn die Kupfergaze an den Bürsten noch gut ist, kann man den Andruck auch durch Biegen des Haltestreifens verbessern. Oft liegt schlechter Lauf der kleinen Bing-Motoren auch daran, dass die Lötungen an den Kollektorblechen wegkorridiert sind. Grüße von elaphos
Der für mich einzig sichtbare Unterschied sind die Bürsten, die bei den Bub Loks für einen besseren Anpressdruck und damit für eine bessere Betriebssicherheit sorgen.
Patrick,
herzlichen Dank für Deine gelungenen Bilder! Solche Bilder helfen in der Sache weiter.
Alleine dieses Bild sagt viel mehr aus, als eine seitenweise Beschreibung. Sehr gut sichtbar ist auch der Fahrtrichtungs-Umschalter.