wer sich ernsthaft mit Raddampfer beschäftigt, sollte zumindest auch mal eine Seefahrt an Bord eines Raddampfers vollbracht haben.
Der Raddampfer "Ludwig Fessler" wurde 1926 in Dienst gestellt.
Die kleine "Seefahrt" fand am Chiemsee statt. Es ist nicht ganz einfach, eine Fahrt mit dem Schaufelraddampfer zu buchen, da im Fahrplan nicht aufgeführt ist, welches Schiff fährt.
Der Raddampfer verfügt über exzentergesteuerte Schaufelräder. Damit wird der Eintauchwinkel der Schaufelblätter erheblich verbessert. Hierbei handelt es sich um eine Erfindung aus dem frühen 19ten Jahrhundert. Ein Mitarbeiter erklärte mir, die Schaufelradkästen müssen eine Übergröße aufweisen, das sonst das aufgewirbelte Wasser die Schaufelräder bremsen würde.
Das Schiff wirkt schlank. Die Schaufelradkästen sind bestens ins Deck integriert. Im Modell wird deutlich, dass die Schaufelradkästen zusammen fast annähernd so breit wie der Rumpf sind.
Im Vergleich mit den anderen Schiffen auf dem Chiemsee, fällt die Ludwig Fessler dadurch ins Auge, dass sie recht flach gebaut ist. Dennoch hat sie Platz für 685 Passagiere.
Herzliche Grüße Heinz
Nachtrag: Es gibt eine interessante Geschichte. Als es wirtschaftlich mit der Dampfschifffahrt schwer war, am Chiemsee, wurde ein Dampfer als Antrieb für ein Sägewerk benutzt. Der Dampfer ging vor Anker und die Schaufelräder wurden entfernt. Damit hatte man ein Schiffs-Lokomobil.
heute habe ich im Traumwerk Museum erfahren, Märklin hat die Schiffsrümpfe zugekauft. Sie wurden von Fleischmann hergestellt. Vor 1900 wurden sie über Holzformen hergestellt, danach industriell gepresst.
Herzliche Grüße Heinz
Hallo Heinz,
wer erzählt denn so etwas?Das halte ich für aus dem Reich der Fabeln?
Wie oben geschrieben, habe ich die ausgestellten Schiffe stundenlang betrachtet. Man kann im Vergleich zwischen Märklin und Fleischmann Schiffen bei den Rümpfen durchaus Ähnlichkeiten erkennen. Das muss aber nichts bedeuten.
Mich würde es nach wie vor interessieren, wie die Schiffsrümpfe genau hergestellt wurden. So richtig vorstellen kann ich mir nicht, dass für jeden Rumpf eigene Pressformen hergestellt wurden. Es gibt eine Vielzahl von verschiedenen Modellen. Das Herstellen der aufwendigen Formen lohnt nur bei Massenfertigung.
Vielleicht hat jemand gute Beziehungen zum Märklin Museum und kann dort erfahren, ob an der Aussage was dran ist und wie die Rümpfe hergestellt wurden.
Leider verfüge ich über keine Märklin Kataloge. Ich würde mich freuen, wenn mir jemand entsprechende Seiten zukommen lassen könnte.
die Rümpfe sind wie ich geschrieben hatte über Holzformen hergestellt worden und das auch nach 1900.Diese wurden von Hand mit dem Hammer bearbeitet.Märklin hat diese aber selber hergestellt weil sie auch das Know How dafür hatten.Fleischmann war in den frühen Jahren eine recht kleine Firma die ja fast ausschliesslich maritimes Spielzeug hergestellt hat und auch Rümpfe verkauft hat an Carette,Uebelacker und wohl an Falk.Wenn Märklin Rümpfe von Fleischmann bezogen hat dann höchstens die von der langweiligen 3. Serie aus den 30ern
Ich hab einen Freund der dort gute Beziehungen hat,ich werde ihn in den nächsten Tagen mal kontaktieren.
Alle Märklin Schiffe bis 1914 sind keine Massenware und viele davon äusserst selten.
ich weiß nun nicht, seit wann es Rollstreckmaschinen, die auch Heinz einsetzt, gibt. Aber ich weiß, dass die Meister ihrer Zunft, die Blechschmiede, Blech in einer so perfekten Oberflächenqualität gestalten konnten, die keinen Unterschied zu gepressten Blechen erkennen ließen. Arbeitsmittel waren entsprechende Streckhämmer, Reduzierhämmer (ja, so etwas gab es auch, und die sind auch heutzutage noch zu kaufen), Asphalt und natürlich das richtige Blech. Und vllt auch die Rollenstreckmaschine.
Ein solcher Meister hat mich etwa ein Jahr ausgebildet, und mein Abschlusswerk war eine Schale, die so glatt war, dass man sich fast darin spiegeln konnte. Leider hat mir mal jemand diese Schale geklaut.
die erste und bislang einzige Version das Rumpfes habe ich, wie berichtet, frei über Sandsack geformt. Es ist erstaunlich, wie glatt die Oberfläche mit der Rollenstreckmaschine "gezaubert" wird.
Die Steuerbordseite ist mir nahezu perfekt gelungen. Nur die Symmetrie, genauer, die mangelnde Symmetrie stört mich. Daher der Versuch, die Seiten über eine Holzform zu treiben.
Die Seiten, die mit dem Sandsack hergestellt wurden, zeigen in erster Linie gestreckte Flächen im Blech. Den Kiel versuchte ich in der Ebene zu halten. Beim Dengeln über dem erhobenen Modell muss das Blech zum Kiel hin getrieben werden. Wie das gelingen soll, ohne dass sich übermäßige Falten bilden, ist mir noch ein Rätsel. In Gedanken arbeite ich mit einer Rahmenvorrichtung.
Hast Du so etwas schon gemacht?
Ich kenne auch die Methode, in einem Holz eine Kugelsegment als Vertiefung einzubringen. Darin wird dann das Blech geformt. Das ist allerdings auch eine Methode zum freien Formen.
Die Vertiefung fehlt noch. Und natürlich sollte es auch Hartholz sein.
Wenn Du Emily in den Händen gehalten hast, kannst Du vielleicht die Frage beantworten, ob die Schaufelradkästen bei Emily tatsächlich sehr breit waren. Nur so kann die Beschreibung in David Preslands Buch stimmen.
Im Übrigen scheint es sich um das selbe Exemplar zu handeln, das versteigert wurde.
Die Schiffe, die ich gesehen habe, hatten keine übertrieben breite Radkästen.
Herzliche Güße Heinz
Es ist meine Meinung die Schaufelradkästen war Replika und das Hull war komplett Neulackiert. Es war kein Kratzer drauf. Im Inneren des Schaufelradkästen gab es keinen Rost oder Korrosion!
Ich denke, die Rümpfe wurden mit Holzformen hergestellt. Ein perfekter Marklin-Rumpf weist keine Dellen auf. Sie werden nicht von Hand gefertigt.
Ich begann mit dem Nachbau aus Faszination für altes Spielzeug. Mittlerweile entsteht fast ein Krimi.
Es ist von Fälschungen die Rede. So auch, als ich im Traumwerk Museum nachfragte, hieß es: Es sind gibt Fälschungen.
Ich möchte Emily nicht kleinreden. Auffallend ist jedoch, sie ist keineswegs so fotogen, wie dargestellt. Das Deckhaus wurde über die Maßen hervorgehoben. Möglicherweise war der Dampfer im Erscheinungsjahr nicht unbedingt ein Prämium-Modell.
Im Traumwerk Museum sah ich Schiffe, denen fehlte es an nichts. Ein Schiff wurde als das einzig nicht restauriere Exemplar seiner Art vorgestellt. Hier war der Lack deutlich stumpfer.
Bei einem Schiff war ich mir sicher, es wurden am Lack Ausbesserungen vorgenommen. Nur, das tut dem historischen Spielzeug nicht schaden. Solange der originale Eindruck erhalten bleibt.
Insgesamt waren die Exponate im neuwertigen Zustand. Ich sah zum ersten Mal den Leuchtturm Roter Sand von Doll. Das Modell verfügte sogar noch über das Beiboot.
Ich stehe nicht in der Not, entscheiden zu müssen, ob ich viel Geld für ein original Objekt ausgeben möchte.
Ich finde es spannend, das Schiff nach zu erleben und nach zu bauen.
In Beitrag 156 bzw 157 ist ein Beispiel für ein vermeintlich gefälschtes Schiff zu sehen. Die Meinungen darüber wurden ausgetauscht.
Nur.
Seit einiger Zeit arbeite ich nun an einem der kompliziertesten Projekten, die ich je bearbeitete. Ich würde gerne erfahren, wie es der vermeintliche "Fälscher" zuwege wegbracht hat, den Rumpf zu formen. Möglicherweise handelt es sich um ein farblich überarbeitetes, restauriertes Modell.
Ein Grund für das Projekt Emily war, dass es mir überschaubar schien. Mein erster Gedanke war: Das kriegst du auch hin.
Nun steigt zunehmend mein Respekt vor den Erbauern.
Die Faszination geht für mich nicht verloren. Sie nimmt ständig zu.
Meine Frau sagt, dass ist doch überragend, den Rumpf nur so zu hämmern, warum bist du nicht zufrieden?! Ich sage, die Märklin Schiffe (ausgenommen die Kriegsschiffe, wegen ihrer Funktion) sind mithin das schönste, das ich je als Spielzeug gesehen habe, die Schiffe sind gleichmäßiger gebaut.*
Bislang sind mir nur zwei Abbildungen des selben Exemplars bekannt. Ich möchte mich dem Original noch mehr nähern und plane Spezialwerkzeuge zu bauen. Die Schaufelradkästen, die ich im Traumwelt Museum sah, zeigten deutliche Ähnlichkeiten mit denen von Emily. Das schließt nicht aus, dass die Abdeckungen ersetzt wurden. Auf jeden Fall wurden die Sicken mit sehr feinem Werkzeug hergestellt. Solche Werkzeuge finden keine Verwendung in der Bauspenglerei.
Mit außerordentlicher Spannung freue ich mich darauf, Emily im Katalog abgebildet zu sehen. Hat jemand Zugriff darauf?
Herzliche Grüße Heinz
*Die Landschaftsmodelle Rock und Graner oder Lutz haben es mir auch angetan...
du hast anscheinend die vorherigen Beiträge nicht gelesen, weil du geschrieben hast:
Zitat von marklin1942j im Beitrag #236Ich denke, die Rümpfe wurden mit Holzformen hergestellt. Ein perfekter Marklin-Rumpf weist keine Dellen auf. Sie werden nicht von Hand gefertigt.
Wenn Rümpfe mit Hilfe von Holzformen hergestellt werden, ist das immer Handarbeit.
Ein perfekter Schiffrumpf weist auch mit Handarbeit nie Dellen auf. Ein gehämmerten Rumpf von einem Fachmann gehämmert ist glatt wie ein Spiegel. Immer !
Noch etwas zu der Herstellungszeit eines gehämmerten Rumpfes: Sehr kurz. Diese Blechschmiede haben es drauf. Die nehmen ein Stück Blech in die Hand, und ehe du dich versiehst, entsteht daraus etwas Plastisches. Perfekt Plastisches.
was mich eigentlich interessiert ist die Frage ob man damals eine oder vielleicht mehrere Zeichnungen gemacht hat. Material war teuer, und ich glaube wohl nicht das man einfach aus der Hand (oder auf Berlinisch: aus der Lameng) darauf los gewerkelt hat. Was ich jedenfalls weiss, oder gelesen habe von andere handwerkliche Berufe wie Segelmacher oder Sattler: da ist vorher erst acribisch gepuzzelt um Materialverlust zu sparen. Dabei, mit Muster oder Plan: damit passiert es nun eben nicht, mit zwei unterschiedliche Hälfte aus zu kommen. Oder mit Mengen kleine Reste sitzen zu bleiben. Was ich im übrigen all zu gut kenne aus eigener Erfahrung, ein Geständnis das ich ablege. Will ja nicht als Pedant des Monats kandidieren.
ich kann mir vorstellen: Technische Zeichnung, Bootsrumpf aus Holz, damit man immer wieder das gewölbte Blech anlegen kann. So entstehen zwei spiegelbildliche Hälften, passgenau.
So ähnlich dürften auch die frühen Blechspielzeuge ab 1800 hergestellt worden sein, wie beispielsweise Büchner (1810), Luntz (Lunz) (1819) mit anschließender Übernahme durch Eichner (1834) usw. Hartholz, geformt, und Blech, vllt am Anfang der Verformung erwärmt, aber nur so viel, dass die Form darunter nicht leidete. Und dann verlötet, mit viel Blei im Lot mit dem Ergebnis, dass die Flaschner in der Regel kein hohes Alter erreichten. Die Könner starben früh.
du bist bestimmt schon einmal in Köln gewesen und hast den Kölner Dom besichtigt. Wenn man in den Dom hineingeht, gibt es da riesige Türen aus Messing, die mit plastischen Bildern geschmückt sind. Alle die dort abgebildeten plastischen Menschen, Tiere und Häuser und Bäume usw. sind mit der Hand getrieben worden. Keine Feile und kein Schmirgelpapier hat da nachgeholfen. Trotzdem: Ohne eine einzige Delle. Wie gemalt, aber eben plastisch.
Du hast es schon erwähnt und damit meine Frage vorweggenommen:
Wäre es nicht sinnvoll, das Werkstück immer vorsichtig zu erwärmen, wenn man es bearbeiten will? Ich sehe das Problem: es könnte sich ungewollt verziehen.... Trotzdem wäre die Bearbeitung in warmem Zustand sicherlich leichter -
mutmaßt eine am Küchentisch bastelnde Hausfrau 🤔☺ Freundliche Grüße von Claudia
wenn man Blech partiell schrumpfen lassen will, zum Beispiel um eine Delle zu entfernen, kann es nützlich sein, die Erhebung zu erwärmen.
Damit fließt das Blech und das (Metall-)Gitter wird enger. So wird das Blech "geschrumpft". Die Erhebung wird mit einem Glättehammer bearbeitet. Ein Handamboss dient als Gegenhalter.
Nachtrag: Die kalte äußere Zone ist nicht so elastisch und begrenzt die Einwirkung.
das ist ganz einfach. Metall ist wie Teig oder Knete. Die Teilchen sind verbunden durch, sagen wir, Anziehungskräfte. Wenn es warm ist, kann man den Teig gut verformen, kneten.
Das Metallgitter ist in der Tat flexibel. Die einzelnen Teilchen sind entweder weit von einander entfernt oder ganz nahe zusammen. Das hängt von der Temperatur ab.
Übrigens: Wenn Metall gehärtet wird, macht man sich den Umstand zu Nutze. In einer bestimmten (chaotischen) Lage der Metallstruktur, die durch Erwärmung herbei geführt wird, wird der "Tanz" jäh durch abschrecken eingefroren. Das Metall wird gehärtet.
Heinz, ich habe da diesen riesigen Block (Baumstück) Hartholz gesehen. Willst du die Form in das Holz eingraben und dann das Blech an der Wandung verformen ? Ich würde den Rumpf (auch aus Hartholz, muss aber nicht sein, denn Fichtenholz oder Lärche sind auch härter als man denkt) formen. Da hast du Arbeit gespart. Und dann das Blech bearbeiten und immer wieder am Rumpf anlegen. Zum Schluss noch den Einsatz der Rollenstreckmaschine zwecks Glätten.
Zudem hat die Methode "Rumpf herstellen" noch den Vorteil, dass das Holzstück angesehen werden kann, wie die Form ist, wie die Parallelität ist. Das ist beim Eingraben in das Holz schwieriger.